Hilfe für Flutopfer in Peru

Im Frühjahr 2017 kam es zu schweren Unwettern und Überschwemmungen in Peru als Folge des Wetterphänomens El Nino. Uns ereilte ein Hilferuf von unseren Partnern in Peru. Ein Spendenaufruf erbrachte innerhalb weniger tage 45.000 €. Damit konnten wir sowohl Soforthilfe als auch längerfristige Hilfe ermöglichen.

Ein Bericht von Albin Dannhäuser*

Zusammen mit unserem langjährigen Partner in Peru Augusto Alvizuri besuchten wir Santa Rosa de Offeros, Provincia Huarochiri, 80 km südlich von Lima. Die Anfahrt führte durch eine weite, trostlose Sandwüste - keine befestigte Straße, kein Baum, kein Strauch. Riesige Rinder- Mastställe für die Fleischversorgung des nahen Lima – abgeschirmt von Sandverwehungen durch hohe Mauern und schwarze Plastikfolien. Das Dorf liegt in der unwegsamen Sandwüste nicht weit von den ersten Bergen der Sierra an einem Talausgang. Kein Strom, kein Wasser, keine Kanalisation. Die Menschen arbeiten in den nahe gelegenen Mastbetrieben.

Der Ort: 500 Einwohner. Durch das Dorf wälzten sich gewaltige Schlammwellen. – Haicos, ausgelöst vom immer wiederkehrenden Starkregen „El Nino“. Die Schlammwellen waren bis zu zwei Meter hoch und spülten binnen kürzester Zeit alles weg: Autos, Bäume, Häuser. Stabile Steinhäuser, die der Wucht der Wellen standhielten,  sind voller Schlamm und unbewohnbar.  Zum Trost sind  - im Gegensatz zu anderen Regionen – keine Toten zu beklagen. Die Menschen konnten gerade noch rechtzeitig gewarnt werden und Richtung Berge fliehen. Fünf Tage gab es kein Trinkwasser, keinen Strom.  

Die Flut traf Menschen, die ohnehin in extremer Armut leben. Es fehlte nach der Flutwelle  am Nötigsten: Essen, Medizin, Desinfektionsmittel gegen Insekten (Zika), die Krankheiten übertragen, Kohletabletten gegen Darmerkrankungen, Hygienemittel. Jetzt wird Essen geliefert und Trinkwasser in großen Tanklastzügen.  Strom wird mit Generatoren erzeugt. Eine Wasseraufbereitungsanlage ist im Aufbau begriffen. Demetrio Tito Quizpe, ein etwa 50-jähriger Geschäftsmann hat nahezu alles verloren. Sein Haus wurde von der Welle fortgerissen. Er steht  auf seinem leeren Grundstück, hat Tränen in den Augen und zeigt auf seinem Smartphone Fotos, wie sein Haus ausgesehen hat. Drumherum ein blühender Garten und Obstbäume: Mandarinen, Limonen, Äpfel. Er hat 28  Häuser aufgelistet, die total zerstört wurden und 62 teilweise. Er selbst betreibt eine kleine Schreinerei. Aber die Leute können nichts kaufen, weil sie ihr letztes Geld brauchen, um zu überleben.

In einer spontan zusammengerufenen Gesprächsrunde schildern die Menschen, was sie verloren haben, was sie am dringendsten brauchen. Aber sie schöpfen Hoffnung und Mut aus der Erfahrung der Katastrophe. „Wir helfen alle zusammen, wie eine große Familie. Unsere Kinder sehen und lernen, dass wir alles, was wir an Hilfe erhalten, teilen. Wir geben ihnen ein Beispiel für Solidarität.“ Aber wir erleben auch, dass wir nicht allein gelassen sind. Nie hätten wir geglaubt, dass wir von Freunden aus Deutschland gefunden werden.

Die versammelten Menschen reagierten überrascht und sehr dankbar, dass wir ihnen sofort 5000 € für Betten und Matratzen zur Verfügung stellen konnten und 15.000 € für eine Suppenküche. Diese Küche wird zu einem kleinen Gemeindezentrum ausgebaut werden. Der Architekt hat den Plan kostenlos erstellt. Eine Bürgerinitiative hat bereits die Fundamente ausgegraben.

Durch unsere Hilfe, konnten wir dazu beitragen, dass die Menschen wenige Tage nach dem Schock wieder zuversichtlich sind und an ihre Zukunft glauben. Wir machen ihnen Mut und versichern, dass ihre Dorfgemeinschaft durch die Naturkatastrophe zusammenwachsen und gestärkt werden wird. Bald würden sie stolz darauf sein, dass sie den Wiederaufbau gemeinsam geschafft und trotz großer Not nicht resigniert haben. Inzwischen ist das kleine Gebäude im Zentrum von Santa Rosa fertig. Dort gibt es nun für alle Flutopfer, die ihr Haus verloren haben, eine Suppenküche.

Des Weiteren konnten wir 20.000 € für ein Notprogramm in Piura im Norden Perus zur Verfügung stellen: Dort verloren Tausende von Familien ihr Zuhause und leben nun in großen Hilfszelten. Es mangelt an vielem. Wir konnten mit den Spenden vor allem Medizin, Nahrungsmittel und Hygieneartikel zur Verfügung stellen. Vor Ort ist ein befreundeter Architekt, der die Logistik betreut.

Die Reise in die von den Sturzfluten geschädigten Regionen war äußerst bedrückend. Besonders die Begegnungen mit den Menschen, die auch das wenige was sie haben, noch komplett verloren haben. So erzählte uns eine Frau völlig verzweifelt, mit leeren tramatisierten Blick ihre Not. Sie steht auf dem Ort, wo noch vor wenigen Tagen ihre Hütte stand. Alles, aber auch alles sei weggeschwemmt worden, darunter auch die mühsam ersparten 1800 Soles (ca. 500 €), die sie für die Anschaffung einer kleinen Nähmaschine gespart hatte. Sie habe tagelang verzweifelt mit den Händen an dem Ort, an dem ihr Haus stand, im Schlamm gegraben, aber nichts mehr gefunden. Heute ist der Schlamm hart wie Beton. Viele bewegende Geschichten.

* zur Person

Albin Dannhäuser war von 1984 bis 2007 Präsident des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbandes (BLLV) und ist heute dessen Ehrenpräsident. Die Gründung der BLLV –Kinderhilfe e.V. 1993 geht auf seine Initiative zurück.