Demokratie in der Schule- Interview als Ausblick auf den Fachtag am 17.10.2017

Richtig streiten - eine soziale Kompetenz

Demokratie hat eine ganze Menge mit dem täglichen Leben zu tun. Denn richtig Streiten will gelernt sein. Warum Schule der ideale Ort ist, die dafür nötigen sozialen Komptenzen zu trainieren, erklärt Monika Faltermeier*. Die Grund- und Mittelschullehrerin ist Regionalbeauftrage des Schülerwettbewerbs "Demokratisch handeln" für Bayern.

Was verbindet das Streitschlichter-Konzept mit Demokratiepädagogik?
Monika Faltermeier:
Beim Streitschlichten lernen Kinder, mit anderen Meinungen umzugehen, Kompromisse zu finden, anzuerkennen, dass unterschiedliche Menschen unterschiedliche Ansichten haben, man sich aber deswegen nicht körperlich in die Haare kriegen muss. Sie lernen auch, dass man meistens, wenn man einander zuhört, auch eine Lösung findet und dann feststellt, dass man mehr Gemeinsamkeiten hat, als man denkt. Das will man ja auch in der Demokratie erreichen: Dass die verschiedenen Meinungen gehört werden, dass man einen Kompromiss findet, dass man andere Meinungen akzeptiert.

In der Schule sich in Demokratie zu üben hat also ganz viel damit zu tun, das tägliche Miteinander zu trainieren und soziale Kompetenzen zu entwickeln.

Genau. Es geht darum, dass man den Kindern beibringt, wie sie sich einbringen können, wie sie ihre Meinung vertreten und sinnvolle Diskussionen führen können. Das sind Kompetenzen, die ich erlernen muss. Die Schule ist der ideale Ort dafür, denn sie bietet den größten Raum für sozialen Interaktionen. Wenn wir diese Kompetenzen nicht schulen, ziehen wir uns sehr passive zukünftige Erwachsene heran. Wir brauchen aber Menschen, die sich aktiv in die Demokratie einbringen wollen.

Wenn sich eine Schule um eine demokratische Kultur bemüht, hat das positiven Einfluss auf das Schulklima?

Ja, es ist in der Tat so, dass sich das Schulklima verbessert. Bayern hinkt da leider hinterher. In anderen Bundesländern wie etwa in Nordrhein-Westfalen sind Schülerparlamente etwas ganz Normales. Wenn es dort um Angelegenheiten geht, die auch die Schüler betreffen, zum Beispiel das Essen in der Mensa oder eine neue Hausordnung, wird das nicht einfach von der Schulleitung oder vom Lehrerkollegium entschieden. Sondern die Schüler sind über das Schülerparlament aktiv an den Entwicklungen und Entscheidungen beteiligt, sie gestalten die Hausordnung mit, sie entscheiden mit, welchen Caterer sie haben wollen. Sie erleben sich selbst als aktiver Teil der Schule, der diese mitgestaltet.

Und wenn Schülerinnen und Schüler mitbestimmen können, sind auch eher bereit Verantwortung zu übernehmen.

Genau. Sie merken, dass sie Dinge positiv verändern können. Und ich hoffe, dass sie aus dieser Erfahrungen heraus später als Erwachsene ihre Ideen in die Gesellschaft einbringen.

Trägt eine demokratische Schulkultur zur Prävention vor Gewalt, Mobbing und Ausgrenzung bei?

Ich würde nicht sagen, dass das dann nicht mehr vorkommt, aber die Wahrscheinlichkeit ist geringer. Bei Mobbing sind beim Täter die sozialen Kompetenzen nicht gut entwickelt und die Mehrheit unternimmt nichts, weil sie sich nicht traut. Wenn aber die Schüler seit der fünften Klasse gelernt haben, sich stark zu machen, sich einzubringen, ihre Meinung zu vertreten, dann trauen sie sich eher zu dem Täter zu sagen "Lass den in Ruhe".

Zur Person

* Monika Faltermeier (32) hat ursprünglich Lehramt Gymnasium studiert, ist dann aber nach einer Weiterqualifizierung zu einer Grund- und Mittelschule gewechselt. Sie ist Vorsitzende des "Junger BLLV", der Junglehrerorganisation im BLLV. Zusammen mit der zweiten Vorsitzenden Julia Hanglberger betreut sie für das Land Bayern den Schülerwettbewerb "Demokratisch handeln".

 

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