Beschlüsse des Ganztagsgipfels zur Ganztagsschule

Der BLLV fordert ein Sonderinvestitionsprogramm „Ganztag“. Für die Schulen bedeutet das Kombimodell nicht nur eine pädagogische Chance, sondern auch eine zusätzliche arbeits- und ressourcenintensive Aufgabe. Die derzeitigen Mittel des Schulfinanzierungsgesetzes reichen nicht aus für eine schnelle Verbesserung.

Petition an Landtagspräsidentin Barbara Stamm am 14.7.2015

Nachfolgende Petition richte ich namens des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbands (BLLV) an Sie mit der Bitte um Weiterleitung an den zuständigen Fachausschuss. Bitte informieren Sie mich über den geplanten Termin der Behandlung dieser Petition im Fachausschuss und teilen mir die Namen der Berichterstatter/innen vorab mit.

Vereinbarungen zur Ganztagsschule
Die Vereinbarung vom 24.03.2015 zwischen der Bayerischen Staatsregierung und den kommunalen Spitzenverbänden zum Thema Ganztagsschule bietet eine erste Basis für eine mögliche positive Entwicklung. Mit der Einführung offener Ganztagsangebote für die Grundschulen wird eine höchst problematische Lücke geschlossen. Der BLLV begrüßt, dass Bayern seine Verantwortung endlich anerkennt und bereit ist, Geld bereitzustellen.

Einen großen Fortschritt wird aus Sicht vieler Eltern die geplante Ausweitung der Betreuungszeiten bis 18 Uhr und in die Ferien bedeuten. Auch aus pädagogischer Sicht liegt in der stärkeren Verzahnung von Jugendhilfe und Schule eine große Chance. Alle Studien belegen, dass ein pädagogischer Mehrwert nur dann entsteht, wenn das Unterrichts- und das Betreuungsangebot miteinander verzahnt sind: Das Grundschulkind ist dann den ganzen Tag in einer Einrichtung und ungute System- und Betreuungswechsel fallen weg.

Der BLLV begrüßt die Vielfalt der Angebote. Diese ist angesichts des breiten Spektrums an Bedarf und den völlig unterschiedlichen Umsetzungsmöglichkeiten vor Ort höchst sinnvoll. Sie eröffnet die Chance, dass die Beteiligten vor Ort sich für das jeweils passgenaue Angebot entscheiden können.

P e t i t u m

Was die Bayerische Staatsregierung und die kommunalen Spitzenverbände vorgelegt haben, weist in die richtige Richtung. Allerdings fordert der BLLV, den eingeschlagenen Weg deutlich beherzter anzugehen. Das Ministerium für Bildung und Kultus, Wissenschaft und Kunst strebt für nächstes Schuljahr lediglich 300 Gruppen nach dem "Kombimodell" an, bei dem Angebote der Schule und freier Träger verschmolzen werden. Das reicht selbst dann bei weitem nicht aus, wenn in den Folgejahren wie geplant jeweils 1.000 Gruppen hinzukommen.

Des Weiteren fordert der BLLV ein Sonderinvestitionsprogramm "Ganztag". Für die Schulen bedeutet das Kombimodell nicht nur eine pädagogische Chance, sondern auch eine zusätzliche arbeits- und ressourcenintensive Aufgabe. Die derzeitigen Mittel des Schulfinanzierungsgesetzes reichen nicht aus für eine schnelle Verbesserung. Nicht nur die finanzstarken Gemeinden sollen dieses neue Angebot vorhalten können, sondern alle Gemeinden, in denen es Bedarf gibt. Bildungsgerechtigkeit ist das oberste Gebot. Der BLLV fordert daher, dass an den Schulen für geeignete räumliche Voraussetzungen gesorgt wird, damit die erforderliche bauliche Umgebung qualitativen Mindeststandards genügt.

Um das erhebliche Plus an Koordination und Organisation leisten zu können, fordert der BLLV für die Schulleitungen, die Koordinationsteams und die Verwaltungen eine entsprechende zusätzliche personelle und zeitliche Mehrausstattung.

Jede Schule, die sich das Kombimodell wünscht und ein sinnvolles Konzept dafür vorlegt, muss in den Genuss des Programms kommen können. Der BLLV fordert daher, dass das Kombimodell auch auf gebundene Ganztagsangebote ausgeweitet wird, die im Moment noch außen vor sind. Ansonsten droht dem gebundenen Ganztag, der aus Sicht des BLLV das pädagogisch wertvollste Angebot darstellt, vielleicht das Aus, wenn Eltern, die das Kombimodell zeitlich für attraktiver halten, gezwungen sind, sich deshalb gegen den gebundenen Ganztag zu entscheiden. Es darf nicht zu einer Konkurrenz zwischen gebundenem Ganztagsangebot und dem Kombimodell kommen.