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Bindungsentwicklung

BLLV-AKADEMIE - Der renommierte Kinder- und Jugendpsychiater Prof. Dr. med. Karl Heinz Brisch sprach beim Kamingespräch über die Bedeutung und Auswirkungen von sicherer emotionaler Bindungen für Kinder.

Kinder brauchen nicht nur Kleidung, Schlaf und etwas zu essen, sondern auch „emotionale Nahrung“. Eine sichere emotionale Bindung des Kindes an seine Eltern ist die „Wiege des Urvertrauens“ und ein bedeutender Schutzfaktor in der kindlichen Entwicklung.

Kinder mit einer sicheren Bindung haben viele Vorteile: Sie verfügen über ein größeres Einfühlungsvermögen, zeigen weniger aggressives Verhalten, können besser mit Schwierigkeiten umgehen, haben eine bessere Sprachentwicklung, sind kreativer und können sich besser konzentrieren. Auch die Gestaltung von Freundschaften und späteren Paarbeziehungen wird durch die frühen Bindungserfahrungen positiv beeinflusst. Sicher gebundene Kinder werden voraussichtlich glücklichere Menschen.

Heute wollen Eltern für ihre Kinder oftmals nicht nur eine gute, sondern eine optimale Entwicklung. Insbesondere auch die schulische „Karriere“ soll optimal verlaufen. Diese Haltung setzt sie selbst und ihre Kinder – aber auch Lehrpersonen – unter großen Druck. Wie können sie die Bedürfnisse und Interessen ihrer Kinder und die Anforderungen der Gesellschaft an sie selbst und an ihre Kinder miteinander vereinen? Kinder stehen unter Optimierungsdruck, wenn sie den oft widerstreitenden Anforderungen ihrer Eltern, der Schule und der Gesellschaft gerecht werden wollen. Wie können Eltern und Kinder diesem Dilemma entrinnen?

Zur Person

Karl Heinz Brisch, Univ.-Prof. an der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität (PMU) in Salzburg, Dr. med. habil., ist Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie Psychiatrie und Psychosomatische Medizin und Psychotherapie sowie Neurologie. Psychoanalytiker für Kinder, Jugendliche, Erwachsene und Gruppen. Ausbildung in spezieller Psychotraumatologie für Kinder, Jugendliche und Erwachsene. Er ist Vorstand des weltweit ersten Lehrstuhls für Early Life Care und leitet das gleichnamige Forschungsinstitut an der PMU in Salzburg.

Seine klinische Tätigkeit und sein Forschungsschwerpunkt umfassen den Bereich der frühkindlichen Entwicklung und der Psychotherapie von bindungstraumatisierten Menschen in allen Altersgruppen.

Brisch leitet seit vielen Jahren die Abteilung für Pädiatrische Psychosomatik und Psychotherapie am Dr. von Haunerschen Kinderspital der Universität München und entwickelte dort das MOSES®-Therapiemodell zur erfolgreichen Intensiv-Psychotherapie von früh traumatisierten Kindern und Jugendlichen.

Brisch entwickelte die Präventionsprogramme “SAFE® - Sichere Ausbildung für Eltern” und “B.A.S.E® - Babywatching”, die inzwischen in vielen Ländern Europas, aber etwa auch in Australien, Neuseeland und Russland Verbreitung gefunden haben.

Er ist Gründungsmitglied der „Gesellschaft für Seelische Gesundheit in der Frühen Kindheit“ (GAIMH e. V. – German-Speaking Association for Infant Mental Health), und war dort viele Jahre lang im Vorstand. Die GAIMH ist eine Tochtergesellschaft der WAIMH – World Association for Infant Mental Health.