26.04.2018 - ÜbertrittsdruckZeit für Bildung

BLLV: Schule muss alle Kinder motivieren

PRESSEMITTEILUNG - Präsidentin Fleischmann: „Die Zeit des Übertritts ist für viele Kinder besonders belastend. Das muss nicht sein. Alle Kinder müssen gefordert und gefördert werden“

München - Die Zeit des Übertritts ist für viele Kinder und Familien sehr belastend. Viele fühlen sich vom Lernpensum, dem Lernrhythmus und dem damit verbundenen Leistungsdruck überfordert. Die Folge ist psychischer Stress bei vielen Schülerinnen und Schülern. "Jeder geht freilich anders damit um. Was der eine gut wegsteckt, kann sich bei einem anderen zu einer psychosomatischen Störung entwickeln", erklärte die Präsidentin des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbandes (BLLV), Simone Fleischmann, heute in München, wenige Tage vor Vergabe der Übertrittszeugnisse am 2. Mai an Grundschulkinder der vierten Klassen. Dass die Zeit des Übertritts besonders anstrengend und für manche Kinder quälend sei, wüssten alle, die ein Schulkind in dieser Phase begleiteten. Und doch wiederhole sich die Prozedur jedes Jahr aufs Neue - genauso wie die damit verbundene längerfristige Forderung nach einer veränderten Form des Übertritts und die kurzfristige Forderung der Freigabe des Elternwillens. "Unser Ziel muss doch sein, dass keiner an der Schnittstelle nach der vierten Klasse verloren geht. Wir müssen dafür Sorge tragen, dass alle Kinder motiviert lernen wol-len."

Es sei eine Tatsache, dass der Übertrittsdruck an vielen Kindern nicht spurlos vorüber gehe, sagte Fleischmann. Er löse Stresssymptome aus, die sich auch in Konzentrationsproblemen oder Schlafstörungen zeigten. Tausende erhielten Nachhilfeunterricht, damit sie ins Gymnasium oder wenigstens auf die Realschule wechseln könnten. Somit verkürze sich ihre Freizeit nochmals. "Viele Schülerinnen und Schüler haben Terminkalender, die so voll sind wie bei einem Erwachsenen." Für ungezwungenes Spielen und freie Zeit bleibe immer weniger Zeit. "Wir reden hier von zehnjährigen Kindern", betonte die BLLV-Präsidentin. Weil ihre Bedürfnisse viel zu wenig berücksichtigt würden, könnten Krankheitssymptome auftreten, die ihre Gesundheit nachhaltig gefährden.

Der Druck sei aber nicht mit der Grundschule vorbei. Er setze sich fort und begleite Heranwachsende während ihrer kompletten Schulzeit. "Mädchen und Jungen, die den Sprung auf ein Gymnasium oder in eine Realschule geschafft haben, wissen genau, dass sie ausgesiebt werden, wenn ihre Leistungen nicht stimmen." Der Druck in der Schule und die Angst, zu versagen, könnten bei Kindern, die ohnehin angegriffen sind, Krankheitsbilder auslösen oder bestehende verstärken. "Generell steht fest, dass die Erwartungen, die heute an Kinder gestellt werden, immens sind."

Intensive Förderung an jeder Schulart

Um den Druck zu entschärfen verlangte die BLLV-Präsidentin Sofortmaßnahmen wie eine intensive individuelle Förderung an jeder Schulart. Jeder Schüler sollte zudem an der von ihm bzw. den Eltern gewählten Schulart verbleiben können.

Grundsätzlich müssten Lehrer und Schüler so schnell wie möglich vom "Zwang der Auslese" und der "Abschulung" befreit werden. Im Mittelpunkt schulischer Arbeit müsse vielmehr die Beziehung zwischen Lehrer und Schüler stehen, es müsse darüber hinaus auch ein moderner Lernbegriff gelebt und neue, pädagogisch sinnvolle Formen der Leistungserhebung ermöglicht werden.

Die BLLV-Kampagne Zeit für Bildung lege hier den richtigen Fokus: "Alle Kinder müssen gefordert und gefördert werden - egal welche Stärken und Schwächen sie haben - egal wie ihre Bedürfnisse sind. Alle Kinder haben ein Recht auf individuelle Förderung und das die ganze Schulbiographie lang", betonte Fleischmann.

 

Andrea Schwarz, M.A., BLLV-Pressereferentin, Tel: 089/ 72 100 129, presse(at)bllv.de