Lehrermangel im BR-Faktencheck 05.11.2021 Startseite TopmeldungLehrerbildungArbeitsbedingungen

Die Lösung ist einfach: bessere Arbeitsbedingungen

Gibt es in Bayern zu wenige Lehrkräfte oder nicht? Der BLLV bringt seine Expertise beim großen BR-Faktencheck "Faktenfuchs" ein. Vom Ergebnis ist der BLLV wenig überrascht.

Als Format, das den Dingen auf den Grund geht, hat sich "Faktenfuchs" bereits einen Namen gemacht. Laut Eigenbeschreibung deckt es "populäre Irrtümer und Falschinformationen auf". In seiner aktuellen Ausgabe will es wissen, ob Lehrerverbände wie der BLLV mit ihrer Aussage Recht haben, dass ein eklatanter Lehrermangel herrscht, der sich in den kommenden Jahren weiter verschlimmern wird oder ob die Staatsregierung richtig mit der Aussage liegt, dass es genügend Lehrkräfte in Bayern gibt.

Aufgeteilt auf zwei Teile hinterfragt der "Faktenfuchs" die aktuelle Situation und wirft einen Blick in die Zukunft. Als Expertin dazu herangezogen wird dabei unter anderem auch BLLV-Präsidentin Simone Fleischmann.

Klassenteilung in Bayern erst ab 33 Kindern - zu spät

Zum Thema „Klassengröße“ verweist Fleischmann darauf, dass es wenig bringe, einen bayernweiten Durchschnitt zu betrachten. „Wenn wir zum Beispiel in einer Mittelschule auf dem Land Klassen mit 13 Kindern und in der Stadt Klassen mit 29 Kindern haben, dann haben die 13 Kinder natürlich eine wesentlich höhere Bildungsqualität als die 29 Kinder.”

Der BLLV steuert in diesem Zusammenhang eine Auswertung bei, laut der im Schuljahr 2020/2021 21,6 Prozent aller bayerischen Klassen 26 bis 30 Schüler, 2,5 Prozent haben mehr als 30 hätten. In den Realschulen ist der Anteil dieser großen Klassen am größten: Er beträgt hier 8,2 Prozent. Der BLLV kritisiert, dass in Bayern erst die Klassenteilung ab 33, in anderen Bundesländern schon teilweise ab 28 Schulkindern vollzogen wird.

Stehen wirklich Lehrer vor einer Klasse?

Außerdem weist der Fleischmann darauf hin, dass an manchen Schulen in Bayern laut  Auswertungen des BLLVs nur noch 50 Prozent tatsächlich ausgebildete Lehrer unterrichten. Die andere Hälfte der Belegschaft machten etwa Schulassistenten, Ein-Fach-Lehrer oder Quereinsteiger aus. Um guten Unterricht anbieten zu können, brauche es aber gut ausgebildete Lehrer.

Leider reichen die aktuellen Bemühungen seitens des Kultusministeriums, mehr Lehrkräfte zu gewinnen, mit Blick auf die Zukunft nicht aus, resümiert „Faktenfuchs“: Mittel-, Förder- und Realschulen werden noch deutlicher bemerken, dass sie den Schulbetrieb mit einer nicht ausreichenden Zahl an Lehrkräften stemmen müssen.

Gleichwertige Besoldung muss her

Simone Fleischmann fordert im "Faktenfuchs" Maßnahmen, um in Zukunft mehr Studierende für das Lehramt zu gewinnen. Eine "gleichwertige Besoldung" für alle Schularten: das heißt, eine Grundschullehrerin solle genauso viel wie eine Kollegin am Gymnasium verdienen.

Die Lehrerausbildung müsse außerdem möglichst lange Schulart-unabhängig erfolgen. Erst kurz vor dem Ende solle es dann in Richtung einer bestimmten Schulart gehen, so Fleischmann. "Und dann braucht es bessere Arbeitsbedingungen jetzt", fordert sie, und die gesellschaftliche Anerkennung, damit Lehrerin als attraktiver und angesehener Beruf gelte. "Ich kann an diesen vier, fünf Bedingungen drehen und da sind wir überzeugt davon, dass das zusammen dazu führen würde, dass wir dann die passgenaue Anzahl an Lehrerinnen und Lehrern für den Bedarf der Schularten in der Zukunft hätten", sagt Fleischmann.

>> Teil 1 BR "Faktenfuchs" Fokus Lehrermangel: Gibt es genügend Lehrkräfte aktuell?

>> Teil 2 BR "Faktenfuchs" Fokus Lehrermangel: Wird Bayern in Zukunft mit Lehrermangel kämpfen müssen?

 

Weitere Informationen

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