Bertelsmann-Studie "Inklusion" 2018Themen

Echte Wahlfreiheit kostet

INKLUSION – In Bayern geht die Mehrheit der Förderkinder nach wie vor auf Förderschulen. Das ist das Ergebnis der aktuellen Inklusionsstudie der Bertelsmann-Stiftung. Bayern setze eben auf „vielfältige Konzepte und Förderorte“, kommentierte Kultusminister Bernd Sibler das Ergebnis. BLLV-Präsidentin Simone Fleischmann ergänzt: „Vielfältige Konzepte und Förderorte sind wichtig. Echte Wahlfreiheit besteht für die Schülerinnen und Schüler und deren Eltern aber nur dann, wenn alle Förderorte personell und finanziell auch gleich gut ausgestattet sind.“

Fast 54.000 Förderschülerinnen und -schüler wurden im Schuljahr 2016/17 laut Studie an Sonderpädagogischen Förderzentren unterrichtet, nur knapp 20.000 nahmen am Unterricht in Regelschulen teil. Damit ist Bayern neben Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz eines von drei Bundesländern, in denen im Schuljahr 2016/17 prozentual wieder mehr Kinder in eine Förderschule gingen. Rechnerisch liegt Bayern so bei einem Inklusionsanteil von 26,6 % (bundesweit: 39 %) und rangiert in der bundesweiten Statistik auf dem letzten Platz.

Mit den Sonderpädagogischen Förderzentren, der Einzelinklusion an Regel- und Profilschulen und/oder der Teilnahme an Partner- und Kooperationsklassen aus Kindern mit und ohne Förderbedarf gibt es in Bayern im Wesentlichen drei Wege der Inklusion. Das sei eine Vielfalt, die so kaum ein anderes Bundesland anbiete, so Fleischmann.

„Damit hat Bayern allerdings auch den teuersten Weg der Inklusion gewählt“, so Fleischmann. Voraussetzung für diese Vielfalt sei nämlich, dass alle Varianten personell und finanziell gleich gut ausgestattet seien. „Nur dann können die Kolleginnen und Kollegen an allen Förderorten gleich professionell arbeiten. Nur dann haben die Schülerinnen und Schüler und deren Eltern eine echte Wahl.“

Kinder und Jugendliche mit Lernbehinderung machten im Schuljahr 2016/17 in Bayern die Gruppe mit dem häufigsten Förderbedarf (26 %) aus, gefolgt von Kindern mit Beeinträchtigungen in den geistigen Entwicklung (15%) und Kindern mit emotional-sozialen Entwickungsstörungen (9%). / 3.09.18 / sha