Kommentar Jochen Fischer (Leiter der Fachgruppe Förderlehrer)Startseite

Förderlehrkräfte als Feuerwehr

Eine Landtagsanfrage der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen zeigt: Das Lehrerstundenbudget von Förderlehrkräften soll ab dem nächsten Schuljahr von bisher 8 auf 10 Lehrerstunden angehoben werden. Eine Gruppe, die vom KM immer noch keinen offiziellen Lehrerstatus zuerkannt bekommen hat, soll jetzt den Lehrermangel bekämpfen.

Die aktuellen Maßnahmen aus dem Kultusministerium zur Milderung des Lehrermangels erinnern nun langsam an das Szenario eines um sein Überleben kämpfenden Nichtschwimmers im tiefen Wasser, der planlos um sich schlägt und panisch nach allem greift, um nicht unterzugehen.

Eine Landtagsanfrage der Fraktion Bündnis90/Die Grünen brachte es ans Tageslicht: im Kultusministerium schreckt man auch vor keiner noch so absurden Maßnahme zurück, um der Öffentlichkeit eine gesicherte Lehrerversorgung an den Grund-, Mittel- und Förderschulen im Freistaat vorzugaukeln. Diesmal trifft es die Förderlehrkräfte, deren Anteil am Lehrerstundenbudget ab dem nächsten Schuljahr von bisher 8 auf 10 Lehrerstunden angehoben werden soll. Nicht-Lehrer sollen nun die Lehrerversorgung sicherstellen!

Förderlehrer - wichtiger Teil von multiprofessionellen Teams

Förderlehrer hießen früher „Pädagogische Assistenten“, wurden vor fünfzig Jahren zur Unterstützung und Förderung im bayerischen Schulsystem eingeführt. Seitdem sind sie die Spezialisten an ihren Schulen, wenn es um Individualisierung und Differenzierung geht – und damit auch ein wichtiges Element in der Diskussion um multiprofessionelle Teams an unseren Schulen.

Neben ihrer regulären Unterrichtsverpflichtung von 28 Stunden müssen sie als einziges Lehrpersonal noch zusätzlich 300 Minuten pro Woche pädagogische Schulverwaltung ableisten. Eine Altlast, die seit der Einführung dieser Profession vehement von der Administration und den Regierenden verteidigt wurde, obwohl sich das Berufsbild in hohem Maße weiterentwickelt hat und es gerade in der Schule von heute stetig an Bedeutung gewinnt.

Lehrerstatus fehlt

Trotz des Namensanteils „-lehrer“ in der Berufsbezeichnung, verweigern das Kultusministerium und die politisch Verantwortlichen den Förderlehrerinnen und -lehrern noch immer den Status „Lehrer“! Sie sind bis dato als „weiteres pädagogisches Personal“ im Bayerischen Erziehungs- und Unterrichtsgesetz erfasst und mit einer Eingangsbesoldung A9 meilenweit von A12 oder A13 angesiedelt. Auch dürfen sie, gemäß ihrer Dienstanweisung, keine Pflicht-, Wahlpflicht- oder Wahlfächer eigenverantwortlich unterrichten und somit auch keine Noten geben. Dennoch ist es an vielen Schulen üblich, dass Förderlehrkräfte statt des vorgesehenen Unterrichts und der Förderung in Kleingruppen, viele Stunden in Vertretung erkrankter oder gar nicht vorhandener „echter“ Lehrkräfte Unterricht in den verwaisten Klassen durchführen. So schließen Förderlehrkräfte seit Jahrzehnten als leicht verfügbare Lehrerreserve heimlich die personellen Lücken der mindestens 3 Gehaltsstufen über ihnen angesiedelten, aber nicht vorhandenen „echten“ Lehrer.

Förderlehrkräfte stopfen Lücken

Das Kultusministerium hat in den letzten dreißig Jahren bei Engpässen im Lehrerbudget den rechnerischen Anteil des Unterrichts der Förderlehrkräfte im Lehrerbudget von anfänglich 0 auf 8 Stunden pro Woche kontinuierlich erhöht, sich aber bis dato stets geweigert, diese Erhöhung der Aufgabengebiete und Arbeitszeit in irgendeiner Form zu berücksichtigen.  Zudem hat das Ministerium bereits vor Jahren verfügt, dass die Gesamtheit aller Förderlehrkräfte in Bayern dieses Lehrerstundenbudget – unabhängig vom individuellen Beschäftigungsstatus – analog zum Musketier-Prinzip zu erbringen hat. Somit müssen viele Förderlehrkräfte in einem Teilzeitbeschäftigungsverhältnis überwiegend oder ausschließlich ihre unterrichtliche Verpflichtung als „echte“ Lehrkraft erbringen – erhalten aber dafür weiterhin nur das wesentlich niedrigere Gehalt.

BLLV fordert höhere Besoldung

Dass nun diese neuerliche Erhöhung lediglich rein statistisch die Zahlen aus dem Kultusministerium zur Lehrerversorgung im nächsten Jahr aufhübschen wird und damit keine einzige fehlende Lehrkraft gewonnen werden kann, stört die Verantwortlichen offensichtlich ebenso wenig, wie die Tatsache, dass durch die wesentlich niedrigere Entlohnung der Förderlehrkräfte im Vergleich zu "normalen" Lehrern sich der Verdacht einer Vorteilsnahme nach Gutsherrenart noch verstärken wird.

Die Hütte brennt also noch immer! Deshalb fordert der BLLV hier nun endlich eine längst fällige Anhebung der Besoldung und eine Anpassung des Status der Förderlehrkräfte, wenn diese Profession wieder einmal als Feuerwehr herhalten soll.

 

-> Ein Kommentar von Jochen Fischer (Leiter der Fachgruppe Förderlehrer)

Protest-Plakat zum Download

Das Protest-Plakat mit den zentralen Forderungen des BLLV zum Herunterladen

Protest mit individueller Note: Schreiben Sie Michael Piazolo mit dieser Postkarte, was Ihnen persönlich an den Notmaßnahmen ganz besonders stinkt.