Foto: Arbeit muss trotzdem gemacht werden - und das kann für Eltern und Kinder im Homeoffice eine Herausforderung sein. (Symbolbild)
Mit (Schul-)Kindern durch die CoronakriseStartseite

Folge 1: Die ersten Tage im Wahnsinn

In der neuen Serie "Mit (Schul)-Kindern durch die Corona-Krise" berichtet BLLV-Online-Redakteurin Lara Hoffmann in der ersten Folge, wie sie die neue Situation zwischen Schulschließungen und Ausgangsbeschränkungen erlebt.

Lara Hoffmann kümmert sich beim BLLV um Website und Social Media. Sie hat einen Sohn (4) und eine Tochter (7) und lebt mit ihrer Familie in Schwabing. Für den BLLV beschreibt sie in loser Folge, wie sie den Alltag mit ihrer Familie in Corona-Zeiten erlebt.

"Gerade einmal zwei Wochen ist es her, seit Schulen, Kitas und Co. geschlossen sind, damit das Corona-Virus sich nicht ganz so schnell ausbreitet. Eine Woche später kam die Ausgangsbeschränkung und alles wurde so still. Die Grenzen wurden dicht gemacht und auch durch meine Straße fuhren Feuerwehrautos und verkündeten das Motto für die kommenden Wochen: Bleiben Sie zuhause!

Zuhause bleiben, für sich bleiben - ziemlich genau also das Gegenteil von dem, was wir bis dahin als Familie gemacht haben. Wir mögen es, Freunden und Familie nah zu sein, unternehmen am Wochenende Ausflüge an die Berge und Seen im Münchner Umland und lieben die Museen dieser Stadt. Geht jetzt alles nicht mehr. „OHHH, COROOOONAAA!“ - stöhnt mein vierjähriger Sohn, wenn wir ihm erklären, warum das jetzt alles eine Weile lang nicht mehr geht. 

Das Lernpensum meiner Tochter ist mir erst einmal herzlich egal

In den ersten Tagen nach der Schulschließung bekomme ich nur das Allernötigste gebacken. Ich muss erstmal begreifen, was gerade um mich herum passiert. Zwar rufen schon am Tag der Schulschließungen Journalisten bei uns im Pressereferat an und bitten Frau Fleischmann um Tipps fürs Lernen daheim, die ich dann auch auf unserer Website zusammenstelle. Für mich gilt in den ersten Tagen aber erst einmal: selber damit klarkommen. Mit meinen Kindern und mit meinem Mann über alles reden. Ich telefoniere mich durch Bayern und Deutschland und frage, wie es meiner Familie und meinen Freunden in der neuen Situation geht. 

Das tägliche Lernpensum meiner Tochter, einer Erstklässlerin, ist mir erst einmal herzlich egal. Wichtiger ist es mir, Ruhe in den Laden zu bringen. Zu zeigen, dass wir jetzt andere Dinge machen können, die auch sehr schön sind: Spaziergänge entlang der Bäche im Nördlichen Englischen Garten, Enten füttern im Olympiapark, Leoparden-Kekse backen, Balkon bepflanzen und am Wochenende Filme glotzen mit einer Schüssel voll selbst gemachtem Popcorn auf dem Schoß. Gelingt uns gut.

Irgendwann wird funktioniert das Atmen wieder besser

Natürlich geht es auch bei der Arbeit weiter - nur nicht mehr in der Geschäftsstelle an der Theresienwiese, sondern bei mir im Homeoffice. Ich organisiere mir einen ausrangierten, etwa 15 Zentimeter zu niedrigen Gartentisch und sitze fortan gekrümmt vor meinem Laptop. Für mögliche Videokonferenzen entstaube und ordne ich das Regal im Hintergrund. Stelle James Joyces „Ulysses“ und Jonathan Franzens „Freiheit“ in den Bildausschnitt meiner Laptop-Kamera. Meine Kochzeitschriften rutschen ein Regalabteil weiter nach links aus dem Ausschnitt heraus.  

Und irgendwann ist das enge Gefühl im Brustkorb weg und das Atmen funktioniert wieder normal. Das ist dann der Punkt, wo ich mich hinsetzen kann, um mit meiner Tochter die Aufgaben zu sortieren, die sie von ihrer Lehrerin zugeschickt bekommen hat. Was meine Tochter aber noch viel spannender findet als die Arbeitsblätter, erzähle ich in der nächsten Folge."

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Am: 01.04.2020