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Schulleitungen noch immer in Not

VBE-Studie zur Berufszufriedenheit von Schulleitungen macht erneut klar: Schulen brauchen mehr Zeit und Personal. BLLV-Präsidentin Simone Fleischmann konstatiert: „Die Probleme sind bekannt - gelöst werden sie nicht.“

Eine Schule leiten - das sollte eigentlich erfüllend sein und Freude bereiten. Schlechte Rahmenbedingungen und extreme Arbeitsbelastungen machen jedoch vielen Schulleitungen das Leben schwer.

Auf diesen Nenner lassen sich die Ergebnisse der zweiten forsa-Studie zur „Berufszufriedenheit von Schulleitungen, Lehrermangel, Gesundhaltung“ bringen. Die Studie hat der BLLV-Dachverband, der Verband Bildung und Erziehung (VBE), in Auftrag gegeben. Ergebnisse veröffentlichte der VBE heute beim Deutschen Schulleiterkongress in Düsseldorf. „Sie werfen ein bezeichnendes Licht auf die Situation an den Schulen“, kommentierte die Präsidentin des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbandes, Simone Fleischmann, die Ergebnisse der Studie.

„Verantwortungsvolle Bildungspolitik sieht anders aus. Sie orientiert sich bei der Bereitstellung von Ressourcen an den tatsächlichen und zukünftigen Aufgaben von Schule“, so auch der Vorsitzende des VBE, Udo Beckmann.

Zusätzliche Aufgaben bei Personalmangel

Die Berufszufriedenheits-Studie wurde unter 1.232 Schulleiterinnen und Schulleiter aus ganz Deutschland im Frühjahr 2019 durchgeführt. Immer wieder werde eines klar: „Schulleitungen sind in Not. Sie brauchen mehr Unterstützung und dringend Entlastung“, so Fleischmann.

Wie die forsa Studie zeige, sehen sich viele Schulleitungen vor das unlösbare Problem gestellt, eine Fülle zusätzlicher Aufgaben ohne Personal, ohne finanzielle Mittel und ohne Freistellung bewältigen zu müssen, sagte Fleischmann. „Der Lehrermangel hat sich innerhalb eines Jahres deutlich verstärkt. Der Mangel ist kein Randphänomen, er ist bestimmend für die Schullandschaft geworden“, betonte Beckmann.

Die Zahlen sprechen Bände: Die größten Belastungsfaktoren für Schulleitungen sind aus Sicht der Befragten das stetig wachsendes Aufgabenspektrum (91%), die steigenden Verwaltungsarbeiten (88%), dass Politiker bei ihren Entscheidungen den tatsächlichen Schulalltag nicht ausreichend beachten (86%), mangelndes Zeitbudget (74%) und der personelle Engpass (72%).

Schulleiter sind Manager

Die Politik reagiere nicht angemessen genug auf die sich rasant verändernden Aufgaben moderner Schulleitungen, kritisierte Fleischmann. Der Beruf sei nicht mehr mit dem vor 50 Jahren vergleichbar. Schulen von heute erforderten Managementqualifikationen. „Dieser Tatsche werden weder die Ausbildung noch die Bezahlung gerecht.“

Die Liste der zu bewältigenden Aufgaben werde immer länger: ausufernde Bürokratie, ständige Reformen, Verwaltung des Mangels - überall fehlt Personal - schwierigere und verhaltensauffälligere Kinder, fordernde Eltern, Kooperations- und Repräsentationsaufgaben sowie die Umsetzung der UN-Konvention zur Inklusion. Gleichzeitig seien die Erwartungen an die Schulleiterinnen und -leiter enorm: Sie sollen eine gute Unterrichtsversorgung sicherstellen, Schulen in mehr Selbständigkeit führen, Ganztagsangebote einrichten und die Digitalisierung umsetzen.

Lehrermangel produziert Lehrermangel

Es verwundere daher nicht, dass der Lehrerberuf unter diesen Voraussetzungen kräftezehrend sei und viele auch krank machen könne, wie die forsa Studie belege: „Und es gibt sogar eine ‚doppelte Abwärtsspirale‘, denn die originär ausgebildeten Lehrkräfte werden in Zeiten des Lehrermangels immer stärker beansprucht. Jede dritte Schulleitung gibt an, dass die Zahl der langfristig aufgrund psychischer Erkrankungen Ausfallenden zunimmt. So produziert der Lehrermangel eine Verschärfung des Lehrermangels“, so Beckmann.

„Die Situation muss sich nachhaltig verbessern“, forderte Fleischmann. Die Probleme seien bekannt, gelöst würden sie aber nicht. Der BLLV mahne schon seit Jahren Verbesserungen an und es gebe durchaus auch erste Erfolge. „Wir erkennen diese auch ausdrücklich an.“ So hätte im März 2018 als Reaktion auf den BLLV-Brandbrief „Mehr geht nicht mehr!“ vom Februar 2017 der damalige Kultusminister Ludwig Spaenle zugesagt, noch im laufenden Schuljahr 150 zusätzliche Stellen für Verwaltungsangestellte an Schulen aller Schularten bereitzustellen. Auch für das laufende Schuljahr 2018/2019 seien noch zusätzlich weitere 150 Stellen für Leitungszeit bei Schulleitungen geschaffen worden.

Beruf insgesamt aufwerten

„Das kommt gut an - trotzdem reicht es nicht“, sagte die BLLV-Präsidentin. Aus ihrer Sicht müssen weitere Anstrengungen unternommen werden:

Damit der Fach- und Führungskräftemangel nicht auch noch den Bildungsbereich in voller Härte treffe, müssten entsprechende Maßnahmen eingeleitet werden. Der Beruf müsse aufgewertet und attraktiver gestaltet werden. Der BLLV wiederhole daher seine Forderung nach Anerkennung der Gleichwertigkeit von Schulleitungen, eine angemessene Bezahlung und entsprechende Ausbildung, die Erhöhung der Anrechnungszeiten für Schulleitungen, eine hinreichende Ausstattung der Schulen mit Verwaltungspersonal sowie eine gezielte Nachwuchsgewinnung für schulische Führungskräfte.

Mehr zur forsa-Studie  unter: https://bllv.de/studie-berufszufriedenheit2019