OECD-Studie "Bildung auf einen Blick 2018"Akademie

Unterschiedliche Bildungschancen trotz Verbesserungen

STUDIE - Deutschland hat im vergangenen Jahrzehnt in Schule und Bildung in einigen Bereichen aufgeholt. Allerdings besteht immer noch eine große Bildungsungerechtigkeit, gerade für Kinder aus ärmeren Familien oder mit Migrationshintergrund. Das zeigt die OECD-Studie „Bildung auf einen Blick 2018".

Betrachtet man den Bildungsstand von im Inland und im Ausland geborenen Erwachsenen, so findet man in Deutschland mit die größten Unterschiede unter den OECD-Staaten. Wie in vielen anderen Ländern auch, ist in der Bundesrepublik der Anteil der Erwachsenen, die mindestens über einen Bildungsabschluss im Sekundarbereich II verfügen, bei den im Inland geborenen größer als bei den im Ausland geborenen. Diese Schere zeigt sich in vielen anderen Ländern nicht oder nicht so deutlich. Auch das Alter ab dem die Personen mit Migrationshintergrund in das Schulsystem integriert werden, spielt dabei eine Rolle: In Deutschland besitzen mehr Erwachsene mit Migrationshintergrund einen Abschluss mindestens im Sekundarbereich II, wenn sie in jüngeren Jahren zugewandert sind (vgl. Grafik 1).

Grafik 1: Anteil Erwachsener die mindestens einen Abschluss im Sekundarbereich II haben in Prozent (Quelle: OECD (2018): Bildung auf einen Blick, S. 69).

Der Zugang zu Bildung und damit auch die Eröffnung von Zukunfts- und Lebenschancen hängen in Deutschland weiterhin stark von der Herkunft ab (vgl. Grafik 2). Im Ausland geborene Erwachsene erzielen meist schlechtere Arbeitsmarktergebnisse als im Inland geborene. Betrachtet man den Anteil der jungen Menschen (15 bis 29 Jahre), die sich weder in Beschäftigung noch in Ausbildung befinden, wird deutlich: Gerade in Deutschland haben junge Menschen mit Migrationshintergrund schlechtere Chancen auf dem Arbeitsmarkt als die im Inland geborenen. Der Anteil der jungen Menschen die weder in Beschäftigung noch in Ausbildung sind liegt bei im Inland geborenen bei 6,6%, bei im Ausland geborenen bei rund 24%.

Grafik 2: Anteil im Inland und im Ausland geborener 15- bis 29-jähriger, die sich weder in Beschäftigung noch in Ausbildung befinden (Quelle: OECD (2018): Bildung auf einen Blick, S. 83).

Einschränkend muss v.a. bei den jüngeren Altersgruppen festgehalten werden, dass diese auch die gerade angekommenen Menschen mit Fluchthintergrund umfassen. Viele von ihnen befinden sich möglicherweise noch in Sprachkursen, um sie auf den deutschen Arbeitsmarkt vorzubereiten oder sind bisher noch gar nicht in die Bildungsprogramme integriert. Diese Integration in Schule und Bildung trägt letztendlich maßgeblich zu den späteren Berufschancen bei. Je früher, desto besser, gerade in der frühkindlichen Bildung.

Die frühkindliche Bildung, Betreuung und Erziehung (FBBE) ist in Deutschland in den vergangenen Jahrzehnten laut OECD stark in den Blickpunt der politischen Aufmerksamkeit gerückt. Dies wirkt sich auch in Zahlen zur Bildungsbeteiligung im frühkindlichen Bereich aus (vgl. Grafik 3). Im Jahr 2016 besuchten 37% der Kinder unter 3 Jahren Kindertageseinrichtungen, was einem Anstieg um 20 Prozentpunkte gegenüber dem Jahr 2005 entspricht. Bei den 3- bis 5-Jährigen ist dieser Anstieg nicht ganz so stark, was allerdings auch an der generell sehr hohen Bildungsbeteiligung liegt (2005: 88%, 2016: 95%).

Grafik 3: Entwicklung der Bildungsbeteiligung in der frühkindlichen Bildung (Quelle: OECD (2018): Bildung auf einen Blick, S. 225).

 

Unterschiede ergeben sich je nach Vorbildung des Elternhauses. So nehmen in Deutschland 49% der Kinder unter 3 Jahren, deren Mütter einen Tertiärabschluss haben, an FBBE-Angeboten teil, im Vergleich zu lediglich 37% der Kinder von Müttern ohne Tertiärbildung. Bedeutender Bestandteil der OECD-Studie bildet für 2018 das Feld „Lehrkräfte, das Lernumfeld und die Organisation von Schulen“ (ab Seite 427). Neben internationalen Vergleichen wie viel Zeit Schülerinnen und Schüler im Klassenzimmer verbringen, wie die Lehrer-Schüler-Relation ist, wie hoch die Gehälter von Lehrkräften und Schulleitungen sind sowie der Frage wie die Kollegien zusammengesetzt sind, geht die OECD der Thematik nach, welche Ebene die wichtigen Entscheidungen im Bildungssystem trifft. Diese Verteilung der Zuständigkeiten zwischen nationalen, regionalen und lokalen Behörden und den Schulen ist in der Bildungspolitik seit jeher ein viel diskutiertes Thema. Das Ergebnis: In vielen Ländern werden Entscheidungen in Bezug auf unterschiedlichste Aspekte in öffentlichen Bildungseinrichtungen des Sekundarbereichs I zu großen Teilen auf Schulebene getroffen – nicht so in Deutschland, hier überwiegt die zentralstaatliche bzw. bundesstaatliche Ebene (vgl. Grafik 4). Im Durchschnitt der OECD-Länder wird fast ein Drittel der Entscheidungen auf Schul- oder lokaler Ebene völlig autonom getroffen und zwei Drittel innerhalb eines von einer höheren Ebene vorgegebenen Rahmens.

Grafik 4: Anteil der auf den einzelnen Entscheidungsebenen getroffenen Entscheidungen in Bezug auf öffentliche Bildungseinrichtungen im Sekundarbereich I (Quelle: OECD (2018): Bildung auf einen Blick, S. 525).

 

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