Impulse für ein neues Lernen 12.11.2021 StartseiteBildungsqualität

Was bisher geschah

Jeden Monat lädt der BLLV zu einer einstündigen virtuellen Session mit bekannten Expertinnen und Experten ein, um über gegenwärtige Herausforderungen zu diskutieren. Ein Rückblick auf die vergangenen vier Veranstaltungen mit Informationen und Videos.

Mehr zum Thema

Schlagwörter:
#Bildungsqualität
Themen:
Leistung

Der BLLV beschäftigt sich schon seit Jahren mit einem neuen, ganzheitlichen, kindgerechten und somit zukunftsweisenden Lern- und Leistungsbegriff. Viele Fachanhörungen und Expertengespräche, sowie das Schauen über den Tellerrand, was alles möglich und erfolgreich ist, hat uns darin bestärkt nicht locker zu lassen und immer wieder neue Impulse zu setzen. Gerade die letzten fast zwei Jahre haben uns gezeigt, dass die Zeit mehr als reif ist, Lernen und Leistung grundsätzlich neu zu denken.

Vor diesem Hintergrund luden wir einmal im Monat zu einstündigen virtuellen Sessions mit bekannten Expertinnen und Experten ein, um über gegenwärtige Herausforderungen in diesem Feld zu diskutieren. Die Veranstaltungsreihe „Weiterdenken“ rund um das Themenfeld Lernen im 21. Jahrhundert, die bis zum Ende des Schuljahres 2021/22 läuft, richtet sich nicht nur an Lehrerinnen und Lehrer, Pädagoginnen und Pädagoginnen, sondern an alle an Schule und Bildungspolitik Interessierte. Nach einem kurzen Impulsvortrag, der einen spezifischen Aspekt des Themenfelds Lernen genauer beleuchtet, folgt jeweils eine offene Diskussion unter den Fragestellungen:

  • Was bedeutet das Gehörte für unsere schulische Praxis?
  • Was benötigen wir zur Umsetzung der Erkenntnisse in die Praxis?
  • Wo liegen besondere Chancen aber auch Stolpersteine und Risiken?
  • Welche politischen Forderungen ergeben sich daraus?

 

Lernen im Zeitalter der Digitalität

Den Auftakt machte im Juni 2021 die Münchner Professorin für Grundschulpädagogik, Prof. Dr. Uta Hauck-Thum, zum Thema „Lernen im Zeitalter der Digitalität“. Sie machte in ihrem Impulsreferat deutlich, dass die Entwicklung der digitalen Technologien mit einem kulturellen Wandel einhergeht. Ähnlich wie die Erfindung des Buchdrucks eröffne die Digitalisierung einen völlig neuen kulturellen Möglichkeitsraum und erlaubt neue Formen der Gemeinschaftlichkeit. Bezogen auf den Bildungsprozess bedeutet das, dass die gemeinschaftliche Auseinandersetzung mit dem Unterrichtsgegenstand im Vordergrund stehen muss, anstatt allen Individuen vorgegebene Lerninhalte anzubieten. Dafür bedarf es aber weitreichender digitaler Kompetenzen, die ausgebildet werden müssen. Frau Prof Hauck-Thum spricht von einem themenorientierten, partizipativen und vernetztem Lernen über Fächergrenzen und Stundentafeln hinweg – mit den Kindern gemeinsam also einen Weg gehen, der vorher noch nicht bekannt ist. Es müssen Transformationsprozesse in Gang gesetzt werden die weit über den Unterricht hinaus ein Umdenken in der Gesellschaft anfachen.

Eltern als entscheidender Lernfaktor

Im Juli sprach Frau Prof. Dr. Tanja Betz, Professorin für Allgemeine Erziehungswissenschaft an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz, zum Thema „Eltern als entscheidender Lernfaktor“. Lehrerinnen und Lehrer sollten nach Frau Prof. Betz die individuellen und familiären Voraussetzungen ihrer Schülerinnen und Schüler noch besser kennen und beachten, aber häufig steht diesem verständnisintensiven Vorgehen eine Defizitorientierung gegenüber, die leider noch immer fest in der Schulkultur verankert ist. Häufig werden Lernstanddefizite einer unbeeinflussbaren familiären Lebensführung benachteiligter Schülerinnen und Schüler zugeschrieben und somit kein Handlungsspielraum gesehen. Deshalb ist es wichtig, psychosoziale Prozessfaktoren der Schüler-Lehrer-Eltern-Beziehung in den Blick zu nehmen!

Lernen in Zeiten von Corona

Im September vertiefte Prof. Dr. Klaus Zierer, Ordinarius für Schulpädagogik an der Universität Augsburg, das Thema mit dem hochaktuellen Impuls „Lernen in Zeiten von Corona“. Die Corona-Pandemie hat Schulen und Elternhäuser ins sprichwörtlich kalte Wasser gestoßen. Das sogenannte ‚Homeschooling‘ war zumindest im ersten Jahr der Pandemie eine der größten Herausforderungen für Familien und hat deren Alltag häufig zutiefst belastet. Prof. Zierer ist der festen Meinung, dass wir die Welt der Bildung verändern können durch Mut, Tatendrang – indem wir Menschen stärken, Unterricht professionalisieren und neue Strukturen schaffen. Hierzu müssen Lernende, Eltern und Lehrpersonal eine Einheit bilden, denn in Zeiten der Pandemie hat sich gezeigt, dass Schulen mit einer kollektiven Wirksamkeitserwartung sehr erfolgreich waren. Schule nicht nur als Lernort sondern vor allem als Lebensraum zu begreifen, in dem schulisches Lernen in der Gemeinschaft Freude macht, ist Prof. Zierer ein wichtiges Anliegen. Einen wichtigen Appell gibt er in Richtung nun zu verzeichnendem Technikschub: Dieser darf keinesfalls unpädagogisch übernommen werden.

Sozial-Emotionales Lernen (SEL)

Im Oktober sprach Prof. Dr. Fabienne Becker-Stoll, Direktorin des Instituts für Frühpädagogik, über die zentrale Rolle, die sozial-emotionale Kompetenzen für den Lern- und Bildungsprozess spielen. Dabei stellte sie heraus, dass eine bewusste Berücksichtigung dieser in Form entsprechender Programme zur Förderung der Selbstwahrnehmung/-achtsamkeit, der Selbstregulation, der sozialen Wahrnehmung/Achtsamkeit, der Beziehungskompetenz und dem verantwortungsvollen Treffen von Entscheidungen nicht nur zu höheren sozialen und emotionalen Kompetenzen der Schülerinnen und Schüler, zu einer positiveren Einstellung gegenüber sich selbst und anderen, zu positiverem Sozialverhalten, zu weniger Problemverhalten und zu weniger emotionalen Stress führe, sondern erstaunlicherweise sogar auch die Schulleistungen um durchschnittlich 11 % steigere.

Ein besonders wichtiger Punkt ist dabei die Frage der Verantwortung, denn diese liege immer bei den Erwachsenen. Mit Hinweis auf die Reckahner Reflexionen zur Ethik pädagogischer Beziehungen (paedagogische-beziehungen.eu) stellte Frau Becker-Stoll klar, dass Kinder und Jugendliche nicht für Dinge verantwortlich gemacht werden dürften, die sie noch gar nicht können oder gerade erst lernen. Von Erwachsenen, insbesondere ausgebildeten Pädagoginnen und Pädagogen, dürfe man dies hingegen schon erwarten. Ein Weg zur Förderung der sozial-emotionalen Kompetenzen sowohl auf Seiten der Pädagoginnen und Pädagogen als auch auf Seiten der Schülerinnen und Schüler sei die Arbeit mit Videofeedback, die bislang noch zu wenig genutzt wird, denn dort entstehen Reflexionsprozesse, die für die sozial-emotionalen Kompetenzen zentral sind.

Weitere Informationen

Lernen im 21. Jahrhundert - Impulsreihe Weiterdenken: Hier finden Sie alle Termine und aktuellen Informationen zur Veranstaltungsreihe.