Einstimmiger Beschluss des BLLV-Landesvorstands am 12. Juli 2017Inklusion

Zehn Thesen zur schulischen Inklusion

Der BLLV bekennt sich zum Ziel der schulischen Inklusion und zur Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention. Der gemeinsame Unterricht von Menschen mit und ohne Behinderung ist elementarer Bestandteil einer guten Schule.

Angesichts der aktuellen Diskussion um den Stand der schulischen Inklusion in Deutschland stellen wir fest, dass eine erfolgreiche Inklusion es erfordert, dass folgende Voraussetzungen und Bedingungen erfüllt sind:

  1. Die Vielfalt der Art und des Grades der Behinderungen macht pauschale Aussagenüber die Ausgestaltung eines inklusiven Schulsystems unmöglich.

  2. Inklusion verträgt sich nicht mit einem auf Konkurrenz ausgelegten Leistungsverständnis, wie es sich durch Zwang zur Notengebung im gegliedertenSchulwesen darstellt.

  3. Derzeit konzentriert sich Inklusion in den weiterführenden Schulen fast ausschließlichauf die Mittelschule. Es kann nicht sein, dass diese wichtige gesamtgesellschaftlicheAufgabe ausschließlich an eine einzige Schulart delegiert wird.

  4. Schulische Inklusion in den Regelschulen findet in Einzelfällen ihre Grenzen bei Kindern, deren individueller Förderbedarf so hoch ist, dass er dort nicht erfülltwerden kann.

  5. Inklusion bedarf zusätzlicher Mittel und darf auf keinen Fall zur Einsparung von Ressourcen missbraucht werden.

  6. Inklusion braucht ausreichende sonderpädagogische Kompetenz an den Regelschulen.

  7. Inklusion braucht multiprofessionelle Teams, die kontinuierlich zusammenarbeiten und denen sowohl ausreichend Zeit als auch Strukturen zur Kooperation zur Verfügung stehen.

  8. Schulbegleitung muss ergänzt werden durch eine qualifizierte und kontinuierlich beschäftigte Schulassistenz, die auch Kindern ohne sonderpädagogischenFörderbedarf zugutekommen muss.

  9. Inklusion braucht sowohl auf Seiten der Ministerien als auch in der Region enge Kooperation und Vernetzung zwischen Jugendhilfe und schulischem Bereich.

  10. Inklusion verträgt sich nicht mit Besitzstandsdenken und Konkurrenz zwischen den beteiligten Institutionen und Körperschaften.