SPENDEN

Die BLLV-Kinderhilfe arbeitet zu 100 % ehrenamtlich.
Die Verwaltungskosten liegen unter 3 %.
Die BLLV-Kinderhilfe trägt das Deutsche Transparenzsiegel.

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Der Film: Das Kinderhaus in der Pandemie

Der lange Weg zurück in die Normalität

Corona hat die Arbeit im BLLV-Kinderhaus grundlegend verändert. Es arbeitet nun schon seit fast zwei Jahren im Ausnahmezustand. Nur sehr langsam kehrt ein Stück Normalität zurück. Not und Verzweiflung in der armen Bevölkerung sind groß. Die Pandemie hat die Menschen traumatisiert. Verzweiflung und Resignation sind überall zu spüren. Umso wichtiger ist es, dass das Mitarbeiterteam des BLLV-Kinderhauses Zeichen der Hoffnung setzt. Es hilft Hunderten von Familien physisch und psychisch zu überleben und es schenkt Kindern und Jugendlichen wieder etwas Lebensmut.

„Corona ist in unser Leben von einem Moment auf den anderen hineingeplatzt, völlig unerwartet, und hat alles auf den Kopf gestellt. Corona hat uns den Boden unter den Füßen weggezogen,“ schreibt Estéfany Alany Chumbes, eine junge Mitarbeiterin, die das wöchentliche Radioprogramm des Kinderhauses moderiert. Und weiter: „Nichts ist mehr wie früher. Covid ist nicht nur eine lebensbedrohliche Krankheit. Covid hat uns Not, Angst, Schmerz, Verzweiflung und ein furchtbares Gefühl der Ohnmacht gebracht, das uns seitdem begleitet. Es hat uns alle Sicherheiten genommen.“   Wie ein Trauma hat sich diese Pandemie in die Gefühle der Menschen eingebrannt.

 

Zwar scheint in Peru das Schlimmste überwunden zu sein. Allerdings zu einem sehr hohen Preis. Das Land hat im weltweiten Vergleich mit Abstand die höchste Sterberate: 602 Tote pro 100.000 Einwohner (Mitte Sept). Auch wenn die Inzidenz inzwischen stark gesunken ist und allmählich auch die Impfungen vorankommen, ist die Bedrohung immer noch allgegenwärtig.

In allen Berichten, die uns von den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Kinderhauses erreichen, wird deutlich, dass ihre Arbeit viel abverlangt. Trotz Schutzkleidung und Vorsichtsmaßnahmen setzen sie sich ständig einer besonderen Ansteckungsgefahr aus, wenn sie in die Armenviertel gehen und Lebensmittel verteilen oder sich mit den Kindern und Jugendlichen treffen, um mit ihnen zu arbeiten. In einem Land, in dem das Gesundheitssystem kollabiert ist, in dem in der Bevölkerung große Unwissenheit herrscht, in dem die blanke Not die Einhaltung der Hygieneregeln oft unmöglich macht und in dem jede Familie Corona-Infizierte und Coronatote zu beklagen hat, verlangt das großen Mut und höchste Motivation.

Der Kampf gegen die häusliche Gewalt

Die Traumatisierung durch die Pandemie von den Kindern und ihren Eltern ist groß. Auch ist die Zahl der Opfer häuslicher Gewalt stark gestiegen. Besonders Mädchen und Frauen sind davon betroffen. In den Zeiten der Lockdowns saßen die Familien mit drei, vier Kindern wochenlang in ihren Hütten fest ohne irgendwelche Ablenkungen. Hinzu kam die Verzweiflung der verlorenen Arbeit und des Hungers. Aggression, Gewalt und auch Missbrauch nahmen sprunghaft zu. Deshalb ist die psychologische Betreuung der Kinder und Jugendlichen und ihrer Familien zu einem zentralen Teil der Arbeit des Kinderhauses geworden.

Auch die politische Arbeit gegen häusliche Gewalt steht auf der Liste der Aktivitäten des Kinderhauses. Es gilt, die häusliche Gewalt gegen Frauen und Kinder als das zu brandmarken, was es ist: Kein Kavaliersdelikt sondern ein Verbrechen. Das Kinderhaus startete mit Jugendlichen eine Kampagne unter dem Motto ALTO! Stoppt die häusliche Gewalt. Briefe an die örtlichen Behörden waren ebenso Teil wie Demonstrationen auf dem großen kolonialen Ortskern.

Mit Comics gegen das Trauma

Mit dem bekannten peruanischen Comiczeichner und Karikaturisten Juan Azavedo begann im Juli die Kampagne „Zeichne Deine Geschichte“. Juan Azavedo unterrichtet die Jugendlichen in der Gestaltung von Comicgeschichten – nicht nur das Zeichnen ist Teil des Unterrichts, sondern auch Gliederung, Dramaturgie und Struktur einer Geschichte. Die Jugendlichen sind begeistert dabei. Sie lernen, über ihre Erfahrungen zu berichten und sie zu reflektieren. Die Ängste und Sorgen der Kinder, die konkreten Erfahrungen während der mehrmaligen Lockdowns werden plötzlich sichtbar und werden bewusst. Die Geschichten bilden den Anknüpfungspunkt für viele Gespräche der Sozialpädagogen, Lehrer und Schulpsychologen mit den Kindern und mit den Familien. Aber auch die Jugendlichen selbst beginnen miteinander über ihre Erlebnisse zu sprechen. In einer Kultur, in der nicht über Gefühle gesprochen wird, ist dies in Zeiten kollektiver Traumatisierung besonders wichtig. Das Benennen der Erlebnisse, der Austausch darüber nimmt die Scham, schafft gegenseitige Solidarität und schafft neuen Mut.     

 

Das Miteinander der Kollegen stärken

In unzähligen Videokonferenzen galt es, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter immer wieder zu motivieren, sie zu stärken, ihnen ihre Bedeutung für die Familien unserer Kinder und Jugendlichen klar zu machen und ihnen die Angst zu nehmen. Alle berichten, wie der Zusammenhalt zwischen den Kollegen in den Zeiten der Pandemie wuchs, wie sie seitdem gegenseitig auf sich achten, sich umeinander kümmern, sich gegenseitig trösten, wenn in ihrer Familie Verwandte dem Virus zum Opfer gefallen sind. Sie unterstützen sich, wenn sie hinausfahren in die Armenviertel, die Essenspakete verteilen und die Suppenküchen begleiten. Zwar sind auch Mitarbeiterinnen des Kinderhauses an Covid-19 erkrankt, aber durch strikte Hygienemaßnahmen konnte ein Ausbreiten in der Kollegenschaft verhindert werden. Und alle sind genesen.

Draußen in den Armenvierteln ist die Dankbarkeit groß, wenn die Mitarbeiter des Kinderhauses kommen und mit den Kindern und Jugendlichen arbeiten, mit ihnen lernen, malen, spielen, Workshops durchführen, wenn sie den Familien Lebensmittel bringen und mit ihnen sprechen. Auch dieser Dank motiviert, gibt neuen Lebensmut und Kraft weiterzumachen.

Acht weitere Suppenküchen im Entstehen

Auf dem Höhepunkt der Pandemie erhielten über 550 Familien der Kinder und Jugendlichen, die zuvor das Kinderhaus oder das Berufsbildungszentrum besuchten, alle zwei Wochen. Zusätzlich wurden an fast 300 bedürftige Familien, die hungerten, Lebensmittelpakete verteilt – über 5 000 Menschen konnten sich auf diese Weise ernähren. Die Sozialpädagogen des Kinderhauses besuchen regelmäßig die Familien und überprüfen, ob der Bedarf noch vorhanden ist. Wenn die Väter und Mütter Arbeit finden, dann wird die Lebensmittelunterstützung reduziert oder auch wieder ganz eingestellt. Die Philosophie des Kinderhauses: Es darf keine langfristige Abhängigkeit von ausländischer humanitärer Hilfe geschaffen werden. Dies führt zu Untätigkeit und zerstört die Eigeninitiative der Menschen. 

Inzwischen wurden in Ayacucho fünf Suppenküchen in den Armenvierteln mit Mitteln der BLLV-Kinderhilfe errichtet. Acht weitere sind in enger Absprache mit der örtlichen Verwaltung am Entstehen. In der Hauptstadt Lima wurden mit Mitteln der BLLV-Kinderhilfe 11 Suppenküchen eingerichtet. Räume werden von den Gemeinden zur Verfügung gestellt, die BLLV-Kinderhilfe übernimmt die Finanzierung des Materials für den Ausbau und die Küchenausstattung (Herd, Töpfe, Mobiliar etc.), die Renovierungsarbeiten werden von den Einwohnern selbst übernommen. Das Küchenteam wird von unseren Mitarbeitern gesucht und geschult. Es geht ja nicht nur um das Kochen, sondern auch um die Verteilung der Aufgaben und die Organisation, das Aufstellen von Hygienplänen und vor allem um den Einkauf und die Lagerung der Lebensmittel. Die Kosten für die Lebensmittel werden für einen begrenzten Zeitraum mit den Spenden aus Bayern finanziert.

Manche Suppenküchen wurden in den letzten Monaten auch zu kleinen Gemeindezentren, in denen auch Maßnahmen zur Bekämpfung des Virus und zur Verbesserung der Situation in der Nachbarschaft diskutiert und beschlossen werden.

Ein neuer Anfang

Die Arbeit im Kinderhaus hat sich durch die Pandemie grundlegend verändert, stellt Mariela Molinari fest. Die humanitäre Arbeit nahm 1 ½ Jahre einen großen Raum ein. Das so wichtige Miteinander der Kinder im Haus gab es nicht. Im Moment arbeiten die Sozialpädagogen vor allem noch draußen vor Ort mit den Kindern. Sie treffen sich auf öffentlichen Plätzen und lernen und spielen dort miteinander. Aber allmählich können wieder Präsenzangebote gemacht werden. Auch die ersten Berufsbildungskurse finden wieder in Präsenz statt. Aber bis zur Normalität ist es trotzdem noch ein langer Weg.

„Die Pandemie kostet uns alle immer noch viel Kraft. Und die aktuelle wirtschaftliche und politische Situation in Peru ist sehr angespannt,“ resümiert Mariela Molinari. Immer wieder müssten die Mitarbeiter sich gegenseitig Mut machen, Mut zum Durchhalten und sich die Hoffnung geben, dass es wieder besser wird. Das langsam zurückkehrende Lachen der Kinder und die vielen intensiven Begegnungen mit ihnen, die ersten Präsenzangebote im Haus deuten alle auf einen  Neustart hin.

Mariela Molinari fügt hinzu: „Wir haben bei aller Not in dieser furchtbaren Epidemie auch viel gelernt über uns selbst, über die Kinder und Jugendlichen und über unsere Gesellschaft. Das wird uns helfen bei unserem Neuanfang.“ Und dann ergänzt sie: „ Dass uns die vielen Kolleginnen und Kollegen in Bayern beistehen, dass Ihr an uns denkt und uns helft, das ist so wichtig für uns. Eure Hilfe in dieser Krise ist viel mehr als nur das Geld. Es ist der Glaube an den Wert menschlicher Solidarität und an das Gute im Menschen, was hier im Pandemie-Alltag unterzugehen droht. Dafür sind wir Euch für immer dankbar.“  

 

dr

Grüß Gott! Willkommen in unserem Kinderhaus!

Seit 1994 engagiert sich die BLLV-Kinderhilfe in Peru. In diesen Jahren der intensiven Zusammenarbeit und des regelmäßigen Austauschs zwischen dem örtlichen Träger und dem BLLV ist in der  Bezirkshauptstadt Ayacucho ein Modellprojekt für wirksame Überwindung von Kinderarmut entstanden. Dabei wird besonderer Wert auf die ganzheitliche Entwicklung der von extremer Armut gezeichneten Kinder und Jugendlichen gelegt - ein Ansatz, der mit den Überzeugungen des BLLV übereinstimmt.

Das Kinderhaus CASADENI ist anerkannt als besonders wirksam arbeitende Einrichtung. Die fast 30 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind hoch motiviert und kompetent. Jährlich hospitieren Lehramtsstudentinnen aus Bayern im Rahmen des BLLV-Auslandsprogramms für zwei Monate im Kinderhaus. Dadurch ist eine besondere Verbundenheit mit dem BLLV entstanden. Auch wird das Kinderhaus regelmäßig von Mitarbeitern der BLLV-Kinderhilfe besucht.