Die Lehrerwaisenstiftung des BLLV

Hilfe in stiller Not

Wenn Fernsehbilder von Eltern, die um ihre Kinder weinen, von zerstörten Häusern und überflutetem Land in deutschen Wohnzimmern ihren Schrecken verbreiten, ist die Spendenbereitschaft oftmals groß. Doch es gibt auch die Not, die nicht an die Öffentlichkeit gelangt, die leise und oft verzagt bittet und auf Hilfe angewiesen ist. Es gibt sie in unserer unmittelbaren Nähe, im Kreis unserer Kolleginnen und Kollegen und deren Angehöriger. Gerade in diesen Fällen will die Lehrerwaisenstiftung des BLLV helfen, die ärgste Not zu lindern.

Ein junger Kollege etwa verlor in der Zeit als Berufseinsteiger durch einen Verkehrsunfall die Ehefrau und Mutter des gemeinsamen Kindes. Die Familie hatte Schulden gemacht, um sich ein gemeinsames Leben aufbauen zu können. Das Geld war noch längst nicht zurückgezahlt und das Einkommen des Vaters nach wie vor gering. Dazu musste nun aber das Kind untergebracht werden. So geriet der Kollege in immer größere finanzielle Not.Der Sozialreferent des zuständigen BLLV-Kreisverbandes machte ihn auf die Lehrerwaisenstiftung aufmerksam. Die stieg in die regelmäßige Förderung ein. Die Förderung wird erst dann eingestellt werden, wenn die Bedürftigkeit nicht mehr gegeben ist, das Kind die geltende Altersgrenze erreicht oder seine Berufsausbildung erfolgreich beendet hat.

Die Lehrerwaisenstiftung will bedürftigen Halb- und Vollwaisen von Lehrerinnen und Lehrern während ihrer Ausbildung finanzielle Unterstützung bis zum Alter von 25 Jahren gewähren. Das ist schon seit 1864 so, als der damalige Bayerische Lehrerverein (BLV) sie als Selbsthilfeeinrichtung gegründet hatte.

Heute ist sie eine rechtsfähige öffentliche Stiftung bürgerlichen Rechts für gemeinnützige und mildtätige Zwecke mit Sitz in München. Die Kriterien zur Unterstützung unterliegen strengen und überprüfbaren Maßstäben. Die zur Erfüllung des Stiftungszwecks erforderlichen Mittel werden aus den finanziellen Erträgen des Stiftungsvermögens und aus Stiftungen und Spenden vor allem von BLLV-Mitgliedern aufgebracht. Das Stiftungsvermögen darf nicht für Unterstützungszwecke gemindert werden.

Gesunkene Spendenbereitschaft

Ein zum Stiftungsvermögen gehörendes kleines Altenheim in Oettingen musste 1996 seinen Betrieb einstellen, da die Vorgaben des neuen, strengeren Heimgesetzes vor allem in personeller Hinsicht nicht erfüllt werden konnten. Elf Bewohnerinnen mussten damals in anderen Heimen untergebracht werden. Seitdem steht das Gebäude leer. Ein auf demselben Grundstück stehendes „Schlösschen“ ist mit seinen vier Wohnungen vermietet. Die Einnahmen hieraus werden größtenteils für den Unterhalt des gesamten Anwesens benötigt, der Rest kann für Unterstützungszwecke eingesetzt werden. Da die früher große Spendenbereitschaft in den vergangenen Jahren deutlich gesunken ist, musste ab 2005 die Höhe der möglichen Unterstützungsgelder um pauschal 20 Prozent gekürzt werden. Die derzeitige Höchstförderung pro Monat liegt bei 200.- €.

Die Lehrerwaisenstiftung wird von sieben ehrenamtlich tätigen BLLV-Mitgliedern geleitet. Mögliche Ausschüttungen erfolgen vierteljährlich. Derzeit hat die Lehrerwaisenstiftung regelmäßig zehn Halb- beziehungsweise Vollwaisen in meist langjähriger Förderung. Wenn auch der Schmerz über den Verlust von Eltern nicht genommen werden kann, so kann doch die ärgste finanzielle Not durch eine finanzielle Unterstützung gemildert werden. Auch die Erfahrung der Solidarität von Kolleginnen und Kollegen kann so vermittelt werden.

Ein weiteres Beispiel verdeutlicht wie notwendig die Arbeit der Lehrerwaisenstiftung ist: Nach Abitur und Zivildienst begann ein junger Mann sein Studium im europäischen Ausland. Zwei Jahre nach Studienbeginn starb seine schwer erkrankte Mutter. Sie war Zeit Ihres Berufslebens BLLV-Mitglied gewesen. Wenige Zeit darauf erhielt er während des Semesters die Mitteilung vom plötzlichen Tod seines Vaters. Da er als Auslandsstudent kein Bafög erhielt, war die finanzielle Lage so kritisch, dass er erwägen musste, sein bis dahin sehr erfolgreiches Studium abzubrechen. Von einem Verwandten, der früher selbst durch die Lehrerwaisenstiftung unterstützt worden war, erhielt er den Rat, sich an diese Einrichtung zu wenden. Durch die Zuerkennung der Höchstbedürftigkeit konnte die Lehrerwaisenstiftung mithelfen, die brennendste Not zu überbrücken. Der Kollege hat inzwischen promoviert.

Dank, der zu Herzen geht

Immer wieder erreichen den Stiftungsausschuss Dankesbriefe von unterstützten Halb- oder Vollwaisen oder deren Beauftragten. Der Dank kommt oft auch für kleinere Beträge und geht sehr zu Herzen. Er kann alle, die in gesicherten finanziellen Verhältnissen leben, nachdenklich stimmen und zeigt, dass die Lehrerwaisenstiftung nach wie vor eine dringend benötigte Hilfseinrichtung des BLLV darstellt.

Die eingehenden Spenden sind jedoch auch in den letzten Monaten deutlich zurückgegangen. Um weiter im erforderlichen Umgang helfen zu können, benötigen wir dringend Ihre solidarische Mithilfe durch Ihre Spenden an die Lehrerwaisenstiftung. Sie erhalten von uns für jede Spende eine Spendenbescheinigung für das Finanzamt. Wir ermuntern aber auch alle Waisen beziehungsweise Halbwaisen, die eventuell für eine Unterstützung in Frage kommend, sich in finanziellen Notfällen an die Lehrerwaisenstiftung des BLLV zu wenden. Die Funktionsträger unseres Verbandes bitten wir, die betroffenen Mitglieder auf diese Hilfsmöglichkeit des BLLV hinzuweisen und sie beratend zu unterstützen.

Herbert Schamper