Bildung ist Kapital

Bildung ist der Schlüssel zur Zukunft. Sie erweitert die Gestaltungsmöglich-keiten der Menschen und ist Grundlage für wirtschaftliche Entwicklung, kulturellen Reichtum und sozialen Zusammenhalt. Damit lässt sich Bildung auch als Kapital beschreiben - für den Einzelnen, für die Gesellschaft und für den Staat.

                                                                                                                 Von Wolfram Schneider*

In der Volkswirtschaft beziffert man "Bildung" danach, wie hoch ihr wirtschaftlicher Output ist. Doch der eigentliche Wert von Bildung besteht darin, wie nachhaltig die Zukunft des Individuums, der Gesellschaft und des Staates gesichert wird. Allgemein kann man von "Bildungserträgen" sprechen. Was damit gemeint ist, zeigt folgende Tabelle:

 

 

Ein gerechtes Bildungssystem kostet Geld. Geld, das bereits jetzt in den Bildungsetat fließt, das aber an vielen Stellen ineffizient eingesetzt wird. Richtig eingesetzt, bedeuten diese Investitionen jedoch vielfältigen Gewinn für alle Beteiligten. Die finanziellen Mittel, die dafür nötig sind, fallen keineswegs aus dem bisherigen Investionsrahmen.

 

 

ERTRÄGE - KOSTEN - EFFIZIENZ VON BILDUNG

Wiederholer

In Bayern wiederholen jedes Jahr rd. 49.000 Kinder und Jugendliche eine Klassenstufe. Dabei sind Nicht-Versetzungen aus pädagogischen Gründen höchst fragwürdig. In zahlreichen wissenschaftlichen Studien wird belegt, dass das Wiederholen einer Klassenstufe zu keiner besseren Lernleistung bei Kindern führt. Ziel einer bedarfsgerechten Umsetzung von Schule und Bildung sollte daher immer auch sein, die hohe Anzahl der Nichtversetzungen zu reduzieren. Davon würden nicht nur die jungen Menschen profitieren, auch der Freistaat könnte dadurch maximal rd. 440 Millionen Euro pro Jahr sparen.

Schülergesundheit

Ein gutes Klassen- bzw. Schulklima, sowie schulisches Wohlbefinden, hat einen starken Zusammenhang mit der kognitiven, (psycho-)sozialen und gesundheitlichen Entwicklung der Schülerinnen und Schüler. So geben Schüler/innen mit einer hohen Schulzufriedenheit nur zu 9% an eine schlechte Gesundheit zu haben, während dies 24% der Schüler mit einer geringen Schulzufriedenheit berichten. Ähnliche Effekte sind zu sehen, wenn die Kinder und Jugendlichen angeben, dass sie hohe Partizipation im Unterricht erleben: 13% der Schüler/innen die ein hohes Mitspracherecht angeben berichten von schlechter Gesundheit, während dies 19% derjenigen berichten, die wenig Mitspracherecht haben.

Fehltage

Krankheitsbedingte Fehltage nehmen bei Schüler/innen zu, je schlechter Klassenklima und Unterrichtsqualität empfunden werden. 11 Prozent der Schüler/innen mit hoher Schulzufriedenheit fehlen mehr als drei Tage, während es bei Schüler/innen mit niedriger Zufriedenheit 18 Prozent sind. In gleichem Maße nehmen die krankheitsbedingten Fehltage zu, je weniger Möglichkeiten zur Partizipation und je weniger zur Interaktion angegeben werden.

Schulabgänger

Im Schuljahr 2016/17 gab es in Bayern 12.260 Abgänger an den beruflichen Schulen, die den Bildungsgang zwar vollständig durchlaufen, jedoch nicht erfolgreich abgeschlossen haben. Zusätzlich dazu haben 36.700 Abgänger die berufliche Ausbildung vor Beendigung der Ausbildungszeit abgebrochen. Diese Abgänger kosten den Freistaat pro Jahr rd. 250 Millionen Euro.

Frühpensionierungen

Es gehen heute deutlich mehr Lehrerinnen und Lehrer wegen Dienstunfähigkeit in Pension als noch vor einigen Jahren. 2016 lag der Anteil der neuen Pensionäre, die aufgrund von Dienstunfähigkeit den Schuldienst verließen, in Bayern bei 18,3%. Deutschlandweit lag er im gleichen Jahr mit 11,9% deutlich niedriger. Neben den Einzelschicksalen, die zwar durch die Verbesserung der Rahmenbedingungen nicht vollständig vermieden, aber dennoch verringert werden könnten, kostete das den Freistaat in besagtem Jahr laut BLLV-Schätzung rd. 600 Millionen Euro.

Lehramtsstudium

In Bayern gibt es pro Kohorte rd. 4.000 Lehramtsstudierende, die vom ersten Studienjahr bis zum Abschluss „verloren gehen“. Darunter sind auch viele, die aufgrund unzureichender Studienbedingungen ihr Lehramtsstudium nicht beenden oder nicht in den Lehrerberuf gehen. Neben möglichen negativen Auswirkungen auf die Persönlichkeit der jungen Menschen, bedeutet dies auch einen Verlust für den Freistaat und verursacht laut Schätzungen des BLLV Kosten in Höhe von rd. 30 Millionen Euro pro Jahr.

Wirtschaftliches Wachstum durch individuelle Förderung

Die Förderung der Kompetenzen der Kinder und Jugendlichen hat nicht nur Auswirkungen auf die einzelnen Personen, sondern auch auf die volkswirtschaftliche Leistungsfähigkeit eines Landes. Wenn z.B. die leistungsschwachen Schüler/innen in Bayern durch angemessene Bildung auf ein angemessenes Kompetenzniveau angehoben werden würden, dann steigt das Bruttoinlandsprodukt des Freistaats nach einiger Zeit stark an. Bis 2029 steigert sich das BIP in Bayern um zusätzlich 1 Milliarde Euro, bis 2043 um zusätzliche 10 Milliarden Euro und ab dem Jahr 2049 wird das BIP um 18,7 Milliarden Euro höher sein, dies entspricht exakt den Ausgaben des Freistaates für Bildung im Jahre 2017. Summiert man das jährlich erhöhte BIP über all diese Jahre auf, ergeben sich bis 2033 zusätzlich 10 Milliarden mehr BIP und bis 2046 zusätzlich 100 Milliarden Euro mehr für das BIP für Bayern.

Folgekosten aufgrund nicht geglückter Übergänge

In Bayern gibt es jedes Jahr tausende Jugendliche, denen kein Übergang in die berufliche Ausbildung gelingt. Dies hat zuallererst persönliche Folgen: Die Erwerbsbiografie dieser Menschen wird von hohem Arbeitslosigkeitsrisiko und niedrigem Einkommen geprägt sein. Die Lebens- und Teilhabechancen sind oftmals geringer als von anderen Menschen. Aber auch die volkswirtschaftlichen Kosten unzureichender Bildung sind sehr hoch. Pro Kopf ergeben sich hierbei Folgekosten in Höhe von rd. 10.800 Euro. Die Kosten, die sich für den Staat langfristig daraus ergeben, liegen pro Jahr bei rd. 7 Milliarden Euro.

 

*Zur Person

Dr. Wolfram Schneider ist Pädagoge, promovierter Sozialwissenschaften promoviert und wissenschaftlicher Mitarbeiter des BLLV. Außerdem ist er der Autor der Expertise "Zeit für Bildung - gerecht.investieren".