Werkstattgespräch im LandtagThemenGesundheit

Behördliches Gesundheitsmanagement an Schulen

In keinem Beruf gibt es so viele Frühverrentungen aufgrund gesundheitlicher Probleme wie im Lehrerberuf. Was tun, damit die Lehrerschaft gesund bleibt? Dieser Frage gingen namenhafte Experten bei einem von Health Care Bayern e.V in Kooperation mit dem BLLV veranstalteten Werkstattgespräch im Bayerischen Landtag nach.

In keinem Beruf gibt es so viele Frühverrentungen aufgrund gesundheitlicher Probleme wie im Lehrerberuf. Rund ein Drittel aller Lehrkräfte geben an, unter zu hoher Arbeitsintensität oder emotionalen und körperlichen Anforderungen zu leiden. Die Anzahl der Lehrerinnen und Lehrer, die wegen Dienstunfähigkeit in Frühpension gehen, stagniert seit Jahren auf hohem Niveau. Was tun, damit die Lehrerschaft gesund bleibt? Welche Präventionsangebote können helfen? Wie kann ein funktionierendes Gesundheitsmanagement aussehen?

Diesen Fragen gingen namenhafte Experten bei einem von Health Care Bayern e.V in Kooperation mit dem BLLV veranstalteten Werkstattgespräch im Bayerischen Landtag nach. Moderiert wurde das Gespräch vom Health Care Bayern Vorstandsmitglied Bernhard Seidenath, zugleich Vorsitzender des Landtagsausschusses für Gesundheit und Pflege. Diskutiert wurde über den Status quo der Gesundheitsförderung für die 160.000 Lehrerinnen und Lehrer an bayerischen Schulen. Es sollte geklärt werden, wie und in welcher Form Betriebliches Gesundheitsmanagement an den Schulen Einzug halten kann.

"Viele brennen aus"

„Gesunde Lehrer sind starke Lehrer und starke Lehrer machen gute Schule! Weil das so ist, muss alles daran gesetzt werden, die Lehrergesundheit zu erhalten“, stellte BLLV-Präsidentin Simone Fleischmann fest. Für vorzeitige Pensionierungen muss der Freistaat jedes Jahr dreistellige Millionensummen ausgeben. „Dieses Geld ist doch viel sinnvoller in Maßnahmen zum Erhalt der Lehrergesundheit investiert“, sagte Fleischmann. Es sei bekannt, dass viele Lehrerinnen und Lehrer angesichts der immensen Herausforderungen und der personellen Knappheit über Jahre hinweg ihre persönliche Belastungsgrenze überschritten. „Viele brennen aus.“ Weil Entlastungsmaßahmen, präventive Angebote und Ansprechpartner im Krisenfall fehlten, seien viele Betroffene auf sich allein gestellt. Die Folge: Krankheit und das vorzeitige berufliche Aus.

Das Thema wird als Querschnittsaufgabe betrachtet, das Kultusministerium arbeitet mit Gesundheitsministerium und Finanzministerium zusammen. Zum Werkstattgespräch kamen daher drei Experten aus unterschiedlichen Fachbereichen. Michael Luber, der stellvertretende Abteilungsleiter und Leiter des Grundsatzreferats im Finanzministeriums informierte über das Behördliche Gesundheitsmanagement (BGM). Alle zwei Jahre wird eine Fehlzeiten- und Krankheitsstatistik erstellt. Für Maßnahmen wie Behördensport, Augentraining, einen Fitnessraum mit Duschen brauche es zwar „etwas Geld“, sagte Luber, „aber nicht viel Geld“.

Neues Arbeitsmedizinisches und Sicherheitstechnisches Institut für staatliche Schulen

Rosemarie Kulzer, Leiterin der Abteilung für Prävention und Gesundheitsschutz im Gesundheitsministerium, informierte über die Aufgaben des neuen Arbeitsmedizinischen und Sicherheitstechnischen Instituts für staatliche Schulen (AMIS), das ans Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) angegliedert ist. Das Institut soll schrittweise bis 2023 aufgebaut werden. Mitarbeiter in 55 neu geschaffenen Stellen an zwei Zentren (München und Bamberg) werden in der Bereichen Arbeitspsychologie, Arbeitsmedizin, Arbeitssicherheit und Medizinische Dienste beraten und konzeptionell arbeiten.

In Mecklenburg-Vorpommern ist betriebliche Gesundheitsförderung an öffentlichen Schulen bereits institutionalisiert. Ralf Schattschneider, Landeskoordinator für Betriebliches Gesundheitsmanagement an öffentlichen Schulen, stellte das Programm vor. Er monierte, dass das Thema Lehrergesundheit und Arbeitssicherheit von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich aufgebaut sei, obwohl es doch immer um das gleiche Thema gehe. Entscheidend für den Erfolg des Programms sei die Freiwilligkeit, „die Schule vor Ort muss es selbst wollen“. Das Budget orientiere sich an den individuell geplanten Maßnahmen. Verantwortlich für die Umsetzung sind die Schulen selbst, es werden „keine überflüssigen Dokumentationen oder Evaluationen“ gefordert, die den Lehrer nur vom Kind abhalten würden.

Die anschließende Diskussion ergab: Lehrkräfte in Bayern brauchen zielgerichtete und präventive Angebote, die ihnen helfen, ihre Gesundheit zu erhalten, aber auch eine angepasste Arbeitsplatzbeschreibung. Die derzeitige arbeitsmedizinische Zuordnung zu den Bürotätigkeiten werde dem Beruf nicht gerecht. Die tatsächlichen Belastungssituationen betreffen auch Lärm und Stimme. Der Ausschussvorsitzede Bernhard Seidenath versprach: Sollte sich ein Nachbesserungsbedarf finanzieller Art ergeben, den weder Kultus- noch Finanzministerium aufbringen können, werde er „die entsprechenden Möglichkeiten auftun“. Das Thema sei wichtig, „und letztlich zahlt sich jeder Euro aus“.

Artikel aus der bayerischen schule #1 2020

Der BLLV setzt sich seit vielen Jahren für den Schutz der Gesundheit von Lehrerinnen und Lehrern ein. Mitgliedern bietet die BLLV-Akademie im Ressort Gesundheit  Seminare, Beratungsgespräche, Hintergrundinfos und schulinterne Fortbildungen. Außerdem setzt sich der BLLV erfolgreich dafür ein, die Vorgaben in Sachen Betriebliches Gesundheitsmanagement auf der Basis entsprechender europäischer Gesetzesinitiativen auch an Schulen verbindlich zu verankern.


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BLLV-Ressort: Gesundheit

Am: 03.12.2019