PressemitteilungStartseite

BLLV fordert Aufwertung der kulturellen Bildung

Studie „STEP 2019“ zur Handschrift belegt: An den Schulen verkommen Basiskompetenzen zur Nebensache / BLLV-Präsidentin Fleischmann fordert, den alarmierenden Trend zu stoppen

München - Stundenkürzungen, Fachlehrermangel und die Konzentration auf reine Wissensvermittlung drängen die kulturelle Bildung an den Rand. „Im Unterrichtsalltag bayerischer Schulen spielt sie oft eine untergeordnete Rolle und ist stark vom Engagement der Lehrkräfte abhängig. Selbstverständlicher Bestandteil im täglichen Schulleben ist kulturelle Bildung jedoch nicht“, stellte die Präsidentin des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbandes (BLLV), Simone Fleischmann, heute in München bei einer Pressekonferenz fest. Selbst ein altes Kulturgut wie die Handschrift könne nur noch unzureichend vermittelt werden. Das belegen Ergebnisse der bundesweiten Studie „STEP 2019“, die der BLLV-Dachverband, Verband Bildung und Erziehung (VBE) in Kooperation mit dem Schreibmotorik Institut über die „Entwicklung, Probleme und Interventionen zum Thema Handschreiben“ durchgeführt hat. Von den 2000 befragten Lehrkräften, darunter rund 400 aus Bayern, geben 86% an, dass sich die Handschrift der Schüler/innen verschlechtert hat - das sagen auch 87% aller befragten Lehrkräfte aus Bayern. Eine ungute Entwicklung, die wir dringend stoppen müssen, gerade auch im digitalen Zeitalter“, so Fleischmann. Sie verlangte mehr Zeit und Personal, um jungen Menschen das zu vermitteln, worauf es mehr denn je ankommt: Basiskompetenzen.

Die Ergebnisse der Studie „STEP 2019“ seien alarmierend. „Wenn eine Basiskompetenz wie die Handschrift verloren geht, verlieren Schülerinnen und Schüler auch ein Stück Persönlichkeit. Denn mit der Handschrift drücken wir uns aus“, erklärte Fleischmann. Wie die Studie zeige, falle es jungen Menschen schwer, eine gut lesbare, flüssige Handschrift zu entwickeln - auch in Bayern.

Handschrift im Grundschullehrplan verankert

Immerhin sei im Grundschullehrplan der Prozess zum Erwerb der Handschrift noch fest verankert - was der BLLV bei der Einführung des neuen Lehrplans ausdrücklich gefordert hatte. „Wir müssen aber dafür Sorge tragen, dass möglichst viele Kinder nach vier Grundschuljahren diese Fähigkeit sicher und gut beherrschen.“ Für Heranwachsende sei die Schule noch der einzige Ort, an dem sie mit der Hand schreiben müssten und diese Fähigkeit gefragt sei - doch auch hier gebe es inzwischen zu wenig Zeit, sich in ausreichendem Maß damit beschäftigen, wie die Ergebnisse der Studie „STEP 2019“ belegten: Nur neun Prozent der befragten Lehrerinnen und Lehrer geben an, dass in der Schule ausreichend Zeit vorhanden ist, mit den Schüler/innen die Handschrift einüben zu können. 74 Prozent sagen, dass im Lehrplan zu wenig Wert auf Schreiben-Lernen gelegt wird.

Kulturelle Bildung stärken

Fleischmann forderte daher mehr Ressourcen für Schulen und Kitas, um junge Menschen entsprechend ganzheitlich fördern zu können. Die Handschrift dürfe trotz Smartphones und Tablets nicht stiefmütterlich behandelt werden. „Weil ausschließlich Faktenwissen zählt, kommen Basiskompetenzen wie die Handschrift zu kurz - obwohl sie Möglichkeiten bietet, eigenes Kreativitätspotential auszuleben und wesentliche Kernkompetenzen zu entwickeln“, beklagte Fleischmann. Kulturelle Bildung müsse daher an allen Schulen gestärkt und besser in den Schulalltag integriert werden.

Allen Schulen müsste ein ganzheitliches Bildungsverständnis zugrunde gelegt werden, so die BLLV-Präsidentin. Es definiere sich nicht ausschließlich über Faktenwissen, sondern umfasse alle Bereiche des Lebens. „Es integriert und stabilisiert, es bietet Orientierung in einer Welt, die immer komplexer wird. Und es erfordert lebenslanges Bemühen.“

Rahmenbedingungen wichtig

Damit auch die Aufwertung des Schreiben-Lernens gelingen könne, müssten für die Lehrerinnen und Lehrer entsprechende Rahmenbedingungen erfüllt sein: „Dazu gehört ausreichend Zeit, genügend Personal und Möglichkeiten, mit den Kindern in Ruhe und ohne Prüfungsdruck zu trainieren. Die jungen Schülerinnen und Schüler sollten Schreiben lernen als Prozess erleben dürfen, an dem sie wachsen und reifen.“

Mehr zur Studie „STEP 2019“ unter www.bllv.de/handschriftstudie2019