Digitales KlassenzimmerDigitalisierung

Das Digitale Klassenzimmer – Lernen ohne Grenzen

Im Klassenzimmer der Zukunft hat die Schulbank ausgedient. Beispielprojekte aus Australien und Deutschland zeigen, wie die Digitalisierung das Lernen verändern könnte. Der Einstieg in die digitale Welt ist sogar schon mit einfachen Mitteln möglich.

Beispiele aus Deutschland und Australien

 

100 Kinder in einem einzigen Raum, unterrichtet von sechs Lehrkräften: Wie die Zukunft des Lernens aussehen könnte, zeigt Northern Beaches Christian School am Rande von Sydney gelegen. Die Klassenzimmer haben die Architekten durch eine Lernlandschaft mit Lerninseln und Lernecken ersetzt. „Collaborative learning space without borders“ nennt sich das Konzept.

 

Einige Schüler sitzen in Gruppen zusammen auf plüschigen grünen Hockern oder Sofas, andere lernen für sich allein. Jeder von Ihnen hat einen Tablet-PC vor sich liegen oder auf dem Schoß, um sich mit Hilfe digitaler Medien neuen Stoff selbstständig zu erarbeiten. Angeleitet werden sie von den Lehrkräften, bei denen sie sich Lernangebote abholen.

 

Miteinander Lernen am runden Tisch
Die Bilder, die Dr. Michael Kirch von einem Australienaufenthalt mitbrachte und beim BLLV-Kongress „Digitalisierung und Schule“ zeigte, lassen die Zuhörer staunen.  In Deutschland beschränkt sich der Einsatz digitaler Medien vielerorts auf Whiteboards, die grüne Wandtafeln ersetzen. An den Unterrichtskonzepten ändert sich aber nur wenig. „Das Digitale macht Unterricht nicht besser“, weiß Kirch, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Grundschulpädagogik und Didaktik an der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität (LMU). „In den richtigen Händen kann es Unterricht aber positiv gestalten.“

Wie das hierzulande in kleinerem Rahmen funktionieren könnte, erforschen Dr. Kirch und sein Team im Rahmen des Projekts „UNI-Klassenzimmer“. An mehreren Münchner Schulen hat die LMU in Kooperation mit der Stadt München solche Klassenzimmer eingerichtet. Darin erproben die Wissenschaftler neue Unterrichtskonzepte und den Einsatz digitaler Medien im Alltag.

Wie im australischen Beispiel lernen die Kinder auch im Münchner UNI-Klassenzimmer je nach Unterrichtsphase zum Teil gemeinsam, zum Teil allein. Zum kollaborativen Lernen versammeln sich alle Schüler an einem großen runden Tisch, jedes mit einem eigenen Tablet-PC. „Das erleichtert die Zusammenarbeit“, sagt Kirch.

 

Einstieg auch mit geringen Mitteln möglich
Sowohl die UNI-Klassenzimmer als auch die australischen Schule brechen radikal mit herkömmlichen Vorstellungen von Lernen. Beide Konzepte punkten mit einer umfassenden, hochwertigen Ausstattung mit digitalen Unterrichtsmedien. Das wird sich nicht jeder Sachaufwandsträger leisten können oder wollen. Es geht aber auch mit weniger Aufwand. Diese Ausstattungsstandards sind möglich:

  • one class one device: Ein Gerät pro Klassenzimmer.
  • part of class equipment:  Die Schüler teilen sich mehrere Geräte.
  • privat use of school equipment: Die Schule schafft die Geräte an und stellt sie den Schülern zur Verfügung.
  • Bring your adviced device: Schüler bringen ihre eigenen Geräte mit. Die Schule gibt Empfehlungen zur Auswahl ab.
  • Bring your own device: Schüler arbeiten mit dem eigenen, selbst ausgewählten Gerät.

 

Für jede Variante gibt es ein Für und Wider. Das Modell „Privat use of school equipment“ käme den Sachaufwandsträgern am teuersten, würde aber im Gegensatz zu „Bring your own device“ helfen, soziale Härten zu vermeiden. Schließlich sind nicht alle Eltern in der Lage, ihren Sprößlingen die nötige Hard- und Software zu spendieren.

Solche Diskussionen dürfte so mancher Schulleiter  für überflüssig halten. Denn viele Schulen in Deutschland stehen noch ganz am Anfang der Digitalisierung.  „Mit einem Tablet pro Lehrer könnten wir schon viel erreichen“, sagt Dr. Kirch. Könnte man den Sachaufwandsträger dazu bringen, wenigstens jeder Lehrkraft oder Klasse ein Gerät zur Verfügung zu stellen, wäre das aus seiner Sicht ein erster großer Schritt.

Lehrkräfte sollten aber nicht darauf warten, dass eine Kommune oder ein Vorgesetzter von sich aus aktiv wird. Der Wandel müsse von der Basis vorangetrieben werden, betont Kirch. „You have to be the change.“