Gesundheit - Burnout Prävention 09.04.2014 Service

Immer mehr Lehrkräfte leiden an psychischen Erkrankungen

Lehrer unter Druck: 30 Prozent der Beschäftigten im Bildungswesen leiden unter psychischen Problemen. Der Aktionsrat Bildung der Bayerischen Wirtschaft fordert mehr frühzeitige Präventionsmaßnahmen. Das Kultusministerium hält das nicht für notwendig.

Ausgebrannt: Damit es nicht soweit kommt, fordert der Aktionsrat Bildung mehr Prävention und Hilfe für Lehrkräfte.

Mangelndes Prestige des Lehrerberufs, Mobbing, Überstunden und eine häufig fehlende Feedback-Kultur seien einige der Gründe, warum die Diagnosen psychischer Erkrankungen im Bildungswesen anstiegen, heißt es in einem jetzt vorgestellten Gutachten des Expertengremiums. Diesem gehören namhafte Wissenschafter wie Pisa-Experte Manfred Prenzel oder der Ökonom Ludger Wößmann vom Münchern ifo-Institut an. „Die Belastungen haben deutlich zugenommen“, sagt dazu auch der Präsident des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbands (BLLV), Klaus Wenzel. Hinzu komme, dass Erziehungsaufgaben immer mehr auf die Schule abgewälzt würden. Die Folge: Burnout-Symptome wie chronische emotionale Erschöpfung, Schlafstörungen und eine Unfähigkeit, abschalten zu können, könnten dann zu Fehlzeiten und Frühpensionierungen führen.

Kranke Lehrer, schlechte Bildung

Nach Angaben des Aktionsrats hat sich die Zahl der Krankheitstage wegen psychischer Leiden seit 2000 fast verdoppelt. „Bleibt der Status Quo unverändert, sind Abstriche in der Bildungsqualität die Folge. Diese werden auch Auswirkungen auf den Ausbildungsstatus der nachwachsenden Generationen und damit langfristige Effekte haben“, sagt Prof. Dr. Dieter Lenzen, Vorsitzender des Aktionsrats.

Zwar gilt Burn-out nicht als medizinisch anerkanntes Krankheitsbild. „Wir sprechen von psychischen Erkrankungen, die in der Regel einen Mix aus privaten und beruflichen Hintergründen als Ursache haben. Einen pauschalen Zusammenhang zwischen Arbeitswelt und steigenden psychischen Erkrankungen gibt es nicht“, betont Alfred Gaffal, Präsident der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft (vbw), die den Aktionsrat Bildung finanziert. „Klar ist aber: Wir brauchen Lösungen und Angebote für die Betroffenen. Bildungspolitik und Bildungseinrichtungen müssen ihren Beitrag zur Prävention leisten.“ Das Expertengremium hat dazu konkrete Handlungsvorschläge formuliert.

Regierung schmettert BLLV-Forderungen seit Jahren ab

BLLV-Präsident Klaus Wenzel begrüßte den Vorstoß. „Die Staatsregierung ist in Sachen Lehrergesundheit bis heute weitgehend untätig geblieben“, kritisierte er. Vor allem Schulleiter treffe dieses Versäumnis hart: Sie müssten bei Krankheitsfällen improvisieren. Der Unterricht sei dann kaum aufrechtzuerhalten, da die Lehrerversorgung zu knapp sei.

Der BLLV fordert die Verantwortlichen seit Jahren zum Handeln auf und hat mehrfach konkrete Vorschläge zum Gesundheitsschutz vorgelegt. Die Initiativen des BLLV sind von der Politik aber stets abgeschmettert worden, so zuletzt auch die 2013 eingereichte Petition „Umsetzung des Arbeitsschutzgesetzes“. Der Petitionsausschuss des Landtags hatte diese mit der Stimmenmehrheit der CSU abgelehnt und war der Stellungnahme des Kultusministeriums gefolgt, wonach für den Schutz der Gesundheit von Lehrkräften bereits genügend getan werde.

Nun bekommt der BLLV Unterstützung von prominenter Seite: Der Aktionsrat Bildung und die Bayerische Wirtschaft fordern Politik, Verwaltung und Bildungseinrichtungen auf, Gesundheitsprävention zu fördern.

Prävention beginnt schon mit der Ausbildung

Der Aktionsrat empfiehlt unter anderem:

  • An einem Lehramtsstudium interessierte müssen noch vor, aber auch während des Studiums über die tatsächlichen Anforderungen im Alltag aufgeklärt und beraten werden. Viele Bewerber hätten zu idealistische Vorstellungen vom Lehrerberuf.
  • Zur Prävention sind mehr und bessere Aus- und Fortbildungsangebote in Studium, Referendariat und berufsbegleitend notwendig, um Lehrkräfte in ihren Kompetenzen im Umgang mit psychischen Belastungen zu stärken.
  • Das Einzelkämpfertum im Lehrerberuf ist ein Stressfaktor. Lehrkräfte im aktiven Dienst brauchen vor Ort an ihren Schulen kontinuierliche Supervision, Begleitung und Unterstützung durch Kollegen sowie Weiterbildung.
  • Die Einführung eines betrieblichen Gesundheitsmanagements und von der Verwaltung bereitgestellter Unterstützungssysteme, zum Beispiel ein telefonischen Beratungsservice.

Ministerium verweist auf verbesserte Rahmenbedingungen

Das Kultusministerium wies die Kritik von vbw und Aktionsrat Bildung zurück. Es entgegnete, die Rahmenbedingungen in den Schulen seien bereits deutlich verbessert worden. Lehrerarbeitszeit und Klassenstärken seien gesenkt worden. Der Umgang mit beruflichen Belastungen gehöre zu den Studieninhalten. In ähnlicher Weise hatte sich das Ministerium vergangenes Jahr zur BLLV-Petition geäußert.

Mit Material von dpa

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