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In das Verstehen investieren

Was steckt hinter dem Phänomen „Ausgrenzung“ und was kann dagegen getan werden? Das war Thema der „Gespräche gegen das Vergessen“. BLLV-Präsidentin Simone Fleischmann sprach sich für mehr Zeit für Tiefgang und für den Umgang miteinander aus.

„Ausgrenzung ist nicht etwas Dramatisches von heute auf morgen. Das ist etwas, dass sich wie eine Pest heranschleicht“, erklärte der Rabbiner Dr. h. c. Henry G. Brandt zu Beginn der „Gespräche gegen das Vergessen“. Die Veranstaltung im Münchner Volkstheater setzte sich mit dem Thema „Ausgrenzung – Der gefährliche Mechanismus“ auseinander. Wie konnte es 1935 zur Einführung der „Nürnberger Rassengesetze“ kommen? Was für ein Muster steckt hinter dem Phänomen "Ausgrenzung" und was kann heute präventiv getan werden, um diesen gefährlichen Mechanismus rechtzeitig zu erkennen und ihm entgegen zu wirken? Diesen Fragen gingen der Zeitzeuge und Rabbiner Dr. Henry G. Brandt, der Historiker und Antisemitismus-Experte Dr. Götz Aly, der Kabarettist und Schauspieler Fatih Çevikkollu sowie BLLV-Präsidentin Simone Fleischmann nach.

Schülerinnen und Schüler beim Erinnern begleiten

Ein Thema des Gesprächs war die Auseinandersetzung mit der Geschichte. „Wir sind der Meinung, dass Schülerinnen und Schüler sich ganz eng damit beschäftigen können, indem sie zum Beispiel Biografien studieren“, sagte Simone Fleischmann. „Das ist ein Kernstück der Erinnerungsarbeit, die wir anbieten, um Schülerinnen und Schüler an diese Zeit heranzuführen. Sie schauen sich ganz genau eine Biografie an und erleben damit ein Leben nach.“ Für solche Projekte sind Zeit, Freiräume und Tiefgang nötig, betonte Fleischmann. „Die Jugendlichen brauchen Begleitung und sie müssen die Chance kriegen viel Zeit zu investieren in das Verstehen. Das geht nicht so zack, zack, zack, wie wir uns das bei manch anderen Themen vorstellen.“

Zeit für Miteinander

Zudem plädierte Fleischmann dafür im Alltag genau hinzusehen: „Weil ich dafür werben will, dass wir alle miteinander sehr achtsam hinschauen, was in der Jetztzeit passiert.“ In den Schulen könnten Kinder und Jugendliche erleben, was ein normaler, respektvoller Umgang bedeutet, so die BLLV-Präsidentin. „Wir müssen ganz stark Wert darauf legen, dass es Zeit gibt für diese Ebenen des Miteinanders.“

>> Gespräche gegen das Vergessen: Komplette Sendung in der BR-Mediathek

Mit dem Projekt Erinnern setzt sich der BLLV mit der Geschichte jüdischer und verfolgter Lehrer und Lehrerinnen im Nationalsozialismus auseinander. Das Projekt soll einen Beitrag liefern zu einer nachhaltigen Erinnerungsarbeit an die Opfer des Nationalsozialismus auch nach dem Tod der letzten Zeitzeugen.


Weitere Informationen

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Geschichtsprojekt des BLLV: Erinnern

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