Schulgipfel im Bund 22.09.2020 Startseite

Jetzt handeln statt reden!

Bundeskanzlerin und Kultusminister sprechen beim Schulgipfel über Laptops und Bildungsplattformen. BLLV-Präsidentin Simone Fleischmann fordert schnelles Handeln und Fokus aufs Wesentliche: Es fehlen nicht nur Geräte, sondern vor allem Lehrkräfte!

Gipfel heißt, es wird ganz oben über wichtige Themen gesprochen: Bundeskanzlerin Angela Merkel hat die Frage der Bildung in der Corona-Pandemie mit dem gestrigen Schulgipfel zur Chefsache gemacht. Geredet wurde dann auch, und zwar vor allem über Geräte, Tools und technische Rahmenbedingungen, wo es definitiv Nachholbedarf gibt.

Nur leider ist der Schulgipfel nicht das erste Mal, dass über Digitalisierung an Schulen gesprochen wurde. So hatte schon Ende letzten Schuljahres Ministerpräsident Söder für Bayern den „Digitalturbo“ verkündet. An der Situation vor Ort hat das aber wenig verändert, wie BLLV-Präsidentin Simone Fleischmann gegenüber der Rundschau des Bayerischen Fernsehens klarstellt:

„Was bringt ein Digitalgipfel des Ministerpräsidenten und ein Schulgipfel der Kanzlerin, wenn die schön reden, analysieren und Absichtserklärungen von sich geben?“, fragt Fleischmann und fordert: „Wir brauchen Lösungen vor Ort! Es muss sich jetzt endlich was tun: Reden ist okay, Handeln ist gefragt!

Kein Wort zum Lehrermangel…

Selbst wenn nun endlich das Tempo in die Bildungspolitik im Bereich Digitalisierung kommt, das seit Jahren fehlt, zeigte der gestrige Termin aus Sicht des BLLV vor allem eines: Man ist auf dem Gipfel leider recht hoch über dem Boden der Tatsachen, denn das Hauptproblem an Schulen sind derzeit nicht fehlende Laptops oder Luftreiniger, sondern fehlende Lehrkräfte:

„Da können Hygienemaßnahmen aus dem Kultusministerium noch so ausgeklügelt in hunderten offiziellen Schreiben daherkommen: Wenn vor Ort die Schulleitungen in immer mehr coronabedingten Verwaltungsaufgaben ertrinken und hinten und vorne Lehrerinnen und Lehrer fehlen, um die Maßnahmen auch umzusetzen, dann läuft das alles ins Leere“, stellt Simone Fleischmann klar.

Ehrliche Analyse, sinnvolle Maßnahmen

Die Aussage von Kultusminister Piazolo, dass Bayerns Schulen angesichts steigender Infektionszahlen für ein möglicherweise nötiges Umschalten auf einen Mix aus Präsenz- und Distanzunterricht gut gerüstet seien, sieht der BLLV entsprechend kritisch. Denn diese Frage wird in Öffentlichkeit und Politik auf Endgeräte und Digitalkompetenz verengt, weil hier schnelle Lösungen möglich scheinen. Selbst wenn in dieser Hinsicht alles perfekt wäre, nützt das aber nichts, wenn aktuell die Lehrerinnen und Lehrer für geteilte Klassen mit dann doppeltem Lehraufwand nicht da sind. „Wir brauchen vor allem Menschen, nicht nur Geräte und Geld!“, fordert Simone Fleischmann daher.

Der BLLV wird in einer Pressekonferenz am 7. Oktober ein kritisches Fazit der ersten Schulwochen ziehen und die Realität, wie sie sich an Bayerns Schulen vor Ort gezeigt hat, zur Grundlage einer ehrlichen Diskussion darüber machen, was es konkret braucht, damit Bildung auch unter Pandemiebedingungen gelingen kann.