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Mathematik-Abitur: Transparente Analyse und modernere Leistungsmessung!

Im Disput um das Mathematik-Abitur begrüßt BLLV-Präsidentin Simone Fleischmann die Ankündigung des Kultusministers, die vollständigen Ergebnisse abzuwarten. Statt Aufregung sei Transparenz wichtig, dann eine modernere Leistungsmessung.

Einer Online-Petition von etwa 73.000 Menschen, die wegen des vergleichsweise hohen Schwierigkeitsgrads des diesjährigen Mathematik-Abiturs eine Anpassung der Benotung gefordert hatten, hat Kultusminister Michael Piazolo (FW) vorerst eine Absage erteilt: Mit Blick auf die ersten Korrekturen sei zwar ein etwas schlechterer Notenschnitt als in den letzten Jahren zu erwarten, doch dieser läge in der „üblichen Schwankungsbreite“. Daher sieht Piazolo „aktuell noch keinen Anlass, in die laufende Abiturprüfung einzugreifen“, wie unter anderem die Zeitung DIE WELT berichtet. Er versprach aber: „Wir behalten die weiteren Entwicklungen im Auge“.

Auch BLLV-Präsidentin Simone Fleischmann warnte mit Blick auf die Schülerinnen und Schüler, die sich weiter in Prüfungssituationen befinden, vor Hektik und Aufregung. Zuerst sei die sachliche Analyse wichtig: „Wir sind dafür, dass man die Meinungen der Schülerinnen und Schüler ernst nimmt – zunächst aber die Experten hört, die Lehrerinnen und Lehrer, die Ministerialbeauftragten und alle, die an der Konzeption und an der Korrektur beteiligt sind“, sagte Fleischmann im Radio-Interview mit Bayern 2. „Ernst nehmen“ heißt dabei, dass unabhängig von der Entscheidung über die Notengebung, „volle Transparenz am Schluss des Abiturs für die Schüler“ sichergestellt werde, so Fleischmann in der Rundschau des Bayerischen Fernsehens.

Leistungsmessung und Lehrplan in Einklang bringen

Das entscheidende Kriterium für das weitere Geschehen sei Bildungsgerechtigkeit: „Erfolg kann nicht vom Glück oder Pech abhängen, in welchem Jahrgang man Abitur macht“, stellt Fleischmann im BR2-Gespräch klar. „Wir können bei den Standards in den Abiturprüfungen keine Schwankungen hinnehmen.“ Kultusminister Piazolo hatte dazu lediglich auf den geringen Anteil der Mathematikprüfung an der Abiturgesamtnote hingewiesen und beschwichtigt, dass die dort offenbar schlechteren Noten sich meist durch Ergebnisse in anderen Fächern wieder ausgleichen würden.

Die BLLV-Präsidentin regt im Anschluss an die Analyse der Abiturergebnisse eine Diskussion über die richtigen Konsequenzen an: „Wir würden sehr gerne über die Verpflichtung im Bayerischen Abitur sprechen, Mathematik, Deutsch und eine Fremdsprache abzuprüfen“. Mehr Wahlmöglichkeiten in der Abiturprüfung für Schülerinnen und Schüler würde bereits im Vorfeld Druck reduzieren, was auch Piazolo als ein Anliegen nannte. Fleischmann wünscht sich auch einen Austausch über die Konzeption der gymnasialen Oberstufe insgesamt.

Für Fleischmann zeigt sich am Beispiel des diesjährigen Streits um das Mathematik-Abitur aber vor allem ein grundsätzliches systemisches Problem, das nicht nur am Gymnasium angegangen werden muss: „Für den BLLV ist es ganz entscheidend, dass wir uns über den Lern- und Leistungsbegriff in allen Schularten unterhalten: Wir haben überall sehr gute, vertiefte, kompetenzorientierte und moderne Lehrpläne, stellen aber fest, dass die Leistungserhebungen insgesamt noch nicht kompetenzorientiert sind“, konstatiert die BLLV-Präsidentin.

Hintergrund: Kompetenz & Leistung


Damit Kinder und Jugendliche Lerninhalte nicht nur reproduzieren, sondern nachhaltig Kompetenzen erwerben, braucht es aus Sicht des BLLV einen anderen Leistungsbegriff. Lernfortschritt muss individuell und prozesshaft betrachtet werden. Coaching, Beratung und motivierende Formen der Leistungsrückmeldung sind entscheidend, damit Schülerinnen und Schüler ihre Talente, Potenziale und Fähigkeiten voll entwickeln können. Denn sie benötigen in der komplexen Welt von morgen mehr als theoretisches Wissen: Offenheit, Kreativität, Eigeninitiative, emotionale Intelligenz und eine demokratische Werteorientierung.

Dafür braucht es einen ganzheitlichen Bildungsbegriff und Lehrerinnen und Lehrer, die an Schulen den ganzen Menschen in den Blick nehmen. Darum hat der BLLV seine kommende Landesdelegiertenversammlung im Anklang an Pestalozzi unter das Motto „Herz. Kopf. Hand. Bildung ist Zeit für Menschen“ gestellt. Dort werden auch Formen moderner Leistungsmessung diskutiert, die diesen Ansprüchen gerecht werden.


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