Vorsitzende des Jungen BLLV Oberbayern im InterviewStartseite

„Schöne Aufgabe mit großen Herausforderungen“

Gründe für den Lehrermangel und Gegenmaßnahmen, besondere Freude und besondere Aufgaben: Marion Ostermeier, Grundschullehrerin und Vorsitzende des Jungen BLLV Oberbayern, im Interview mit dem Donaukurier zum Schuljahresbeginn.

„Gerade die Grundschulkinder geben einem viel zurück“, sagt Marion Ostermeier über ihre Arbeit an der Grundschule am Graben in Eichstätt. Im Gespräch mit dem Donaukurier berichtet sie von positivem Feedback und Wertschätzung, auch durch Eltern.

Für sie ist klar: Die Vermittlung grundlegender Kompetenzen an Grundschulen ist die Voraussetzung, damit Kinder „erfolgreich in den weiterführenden Schulen Fuß fassen“ und damit eine entscheidende Weichenstellung für ihre Zukunft, genau wie das auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier in seiner Rede zum Festakt „100 Jahre Grundschule“ betont hatte.

Spezifische Anforderungen bei Erst-Lese- und -Schreibunterricht

Für den akuten Lehrermangel an Grundschulen nennt Ostermeier als Gründe einen zu geringen gesellschaftlichen Stellenwert und die vergleichsweise schlechte Bezahlung: „Wir steigen mit A12 ein, die Aufstiegschancen gehen für einen Lehrer bis A13, der Realschullehrer beispielsweise fängt da gerade erst an.“ Dazu kämen die Herausforderungen durch eine zunehmend heterogene Schülerschaft mit teils großem Nachholbedarf in grundlegenden Erziehungsbereichen und ein grundlegender Werteverfall teils auch bei Eltern.

Bei Kolleginnen und Kollegen aus anderen Schularten, die über die Zweitqualifikation an die Grundschulen kamen, um dort den Lehrermangel abzumildern, berichtet sie von Schwierigkeiten: „Manche sind in diesem Ausbildungsmodell an ihre Grenzen gestoßen. Die Grundschule hat spezifische Herausforderungen, etwa der Erst-Lese und Schreib-Unterricht.“ Diese Arbeit sei auch Voraussetzung, um Schülerinnen und Schüler in Sachen Digitalisierung weiterzubringen: „Ohne richtig lesen zu können, nützt auch ein Smartphone wenig“, stellt Ostermeier klar.

Erste die Pädagogik, dann die Schulart

Damit an Grundschulen nicht mit Quereinsteigern gearbeitet werden muss, sei es daher insgesamt sinnvoll, schon bei der Lehrerbildung mehr Flexibilität zu etablieren, wie es der BLLV in seinem Modell seit Langem fordert. „Zuerst wird eine grundlegende pädagogische, psychologische Ausbildung stattfinden, später entscheidet man sich für eine entsprechende Stufe und spezialisiert sich dann mit dem Referendariat auf die entsprechende Schulart“, beschreibt Ostermeier das Modell, das aber häufig noch „auf taube Ohren“ stoße.

Als besonders hilfreich erlebt die Vorsitzende des Jungen BLLV Oberbayern die Zusammenarbeit an ihrer Schule mit einer Jungendsozialarbeiterin – ein Ansatz im Bereich multiprofessioneller Teams, der dringend ausgebaut werden müsste: „Meiner Meinung nach bräuchte jede Schule, anteilig an ihrer Schülerzahl gemessen, einen Jugendsozialarbeiter, der zumindest ein oder zwei Tage da ist und ein Stück weit mit eingreift.“

Für ihre jungen Kolleginnen und Kollegen, die nun ihr erstes Berufsjahr bestreiten, hat sie angesichts solcher Herausforderungen und der großen Freude, die ihre Aufgabe bringen kann, hat Ostermeier vier Wünsche: „Ganz viel Kraft, einen kompetenten Betreuungslehrer, der die vielen schönen Facetten unseres Berufs aufzeigt, einen Schulleiter, der hinter den jungen Kollegen steht, und eine nette Lerngruppe, zu der sie schnell eine gute Beziehung aufbauen.“

» Das Interview im Wortlaut

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