Ganzheitliche Bildung in der PraxisThemen

Schule der Zukunft gestalten: Eckpunkte der BLLV-Politik

Von der Lehrerbildung bis zu den Arbeitsbedingungen, von Digitalisierung, Demokratiepädagogik, oder Leistungsbegriff bis Nachhaltigkeit: Die Landesdelegiertenversammlung des BLLV erarbeitet, wie ganzheitliche Bildung in der Praxis gelingen kann.

Der BLLV ist dran an allen wichtigen Fragen der bayerischen Bildungspolitik und hat den Diskurs und sein Wirken auch in zahlreichen Web-Dossiers dokumentiert. Wie diese Arbeit in den nächsten Jahren vor dem Hintergrund eines ganzheitlichen Bildungsbegriffs im Detail weitergehen soll, das entscheiden die 600 Delegierten auf der 54. Landesdelegiertenversammlung (LDV): Sie diskutieren und verabschieden 14 Positionspapiere, 287 Anträge und die Resolution „Gewalt gegen Lehrkräfte“.

Pädagogische Grundlage ist dabei der ganzheitliche Bildungsbegriff im Sinne von Johann Heinrich Pestalozzi, der sich im Motto der LDV widerspiegelt: „Herz. Kopf. Hand. Bildung ist Zeit für Menschen“. Dazu hat der BLLV ein Manifest formuliert, in dem die Grundlagen für eine Schule postuliert sind, die junge Menschen auf die Gesellschaft von Morgen vorbereitet.

Schutz vor Gewalt, flexible Ausbildung

Neben Positionspapieren zu relevanten bildungspolitischen Fragen wie beispielsweise Digitalisierung, Inklusion oder Ganztagsschulen soll über die Resolution „Gewalt gegen Lehrkräfte“ sichergestellt werden, dass Lehrerinnen und Lehrer bestmöglich geschützt und unterstützt werden, damit sie ihre Aufgabe motiviert und professionell erfüllen können und sie Wertschätzung und Respekt erfahren als Architekten der Gesellschaft von Morgen. Zentrale Forderungen: Das öffentliche Dokumentieren aller Vorfälle in Statistiken und das konsequente Sanktionieren mit einer entsprechenden Verschärfung des Strafgesetzbuches.

Auch in der Vorbereitung auf den Beruf braucht es eine Veränderung, damit Lehrerinnen und Lehrer später allen Aufgaben gerecht werden können. Der BLLV propagiert daher sein Modell der flexiblen Lehrerbildung, das die Ausbildung adaptiv, innovativ und durchlässig macht, und so langfristig unter anderem auch eine bessere Unterrichtsversorgung ermöglicht. Es folgt dem Grundsatz „Alle Lehrer sind Lehrer“ und flexibilisiert die bisherige strikte Trennung nach Schularten.

Starke Lehrer machen starke Schüler – für eine nachhaltige Zukunft

Konsequenterweise fordert der BLLV im Leitantrag zu Dienstrecht und Besoldung unter anderem die Anhebung der Eingangsbesoldung auf A13 für alle Lehrämter und benennt wichtige Eckpunkte, um attraktive Arbeitsbedingungen zu schaffen im Kampf gegen Lehrermangel und für starke Lehrer, starke Schulen und starke Schüler.

Starke Schülerinnen und Schüler übernehmen Verantwortung für ihre Zukunft. Darum fordert der BLLV im Antrag Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) Strukturen und Ressourcen, damit sie in Schulen Möglichkeiten des Engagements für Umweltschutz und globale Gerechtigkeit erkennen, Handlungsspielräume nutzen und sich als selbstwirksam erleben können – und so eine lebenswerte Zukunft für alle gestalten.


Worum es im Schulalltag wirklich gehen sollte

Selbstwirksamkeit ist zudem ein wichtiges Ziel im Themenfeld Demokratiepädagogik, das der BLLV in seinem Positionspapier als essentiell für den Schutz unserer Demokratie und für eine zukunftsfähige Gesellschaft benennt. Ziel muss dabei sein, Demokratie über Leuchtturm-Projekte hinaus zum Kern des alltäglichen Schulgeschehens zu machen – dafür braucht es systematische Unterstützung durch Bildungspolitik und Schulverwaltung.

Denn noch steht im Mittelpunkt des Schulalltags zu oft das Erwerben, Reproduzieren und Abprüfen von Fachinhalten. Für den Übergang zu nachhaltigem Lernen und übergreifenden Kompetenzerwerb braucht es vor allem auch einen anderen Leistungsbegriff: Um Kinder und Jugendliche ganzheitlich zu fördern, bedarf es einer individuellen, prozesshaften Sicht auf Lernfortschritt, braucht es Coaching und Beratung statt Vergleichsbewertung sowie alternative, motivierende Formen der Leistungsrückmeldung. Das fordert der BLLV im Positionspapier „Leistung im 21. Jahrhundert“.

Gute Bildung lohnt sich – und ist bezahlbar

In seiner vielbeachteten Expertise „gerecht.investieren“ zur Bildungsfinanzierung hat der BLLV zehn Handlungsfelder benannt und detailliert analysiert, wo welche Investitionen nötig sind, damit im Sinn der erfolgreichen Kampagne „Zeit für Bildung“ Voraussetzungen geschaffen werden, dass Kinder und Jugendliche gemäß ihrer Bedarfe individuell gefördert werden können. Die Anträge, um diese Investitionen einzufordern, werden ebenfalls auf der LDV verabschiedet.


Das Motto „Herz. Kopf. Hand. Bildung ist Zeit für Menschen“ ist aber nicht nur die ganzheitliche pädagogische Grundlage für die Positionspapiere und Anträge des BLLV, es wird auch auf der LDV selbst in die Tat umgesetzt: Beispielsweise wird erstmals in einem moderierten Großgruppenprozess erarbeitet, wie das Motto im Sinne des Manifests zur ganzheitlichen Bildung in der Praxis umgesetzt werden kann, und eine Kunst-Installation von Sebastian Waßmann lässt Herz, Kopf und Hand ganz konkret Gestalt annehmen in Form von Holzskulpturen, die LDV-Teilnehmer um ihre ganz persönlichen Wünsche, Ziele und Vorstellungen auf farbigen Plakaten zum Motto erweitern, die der Künstler mittels Holzstäben live zu einer komplexen Konstruktion mit den Skulpturen verbinden wird. Darüber hinaus bietet sich in 14 Salons mit Meinungsführerinnen und –führern in der Gesellschaft die Gelegenheit zu erörtern, was Herz. Kopf. Hand für unsere moderne Gesellschaft und Schule bedeuten kann.

Mit allen Sinnen gestalten

Bei der öffentlichen Festveranstaltung werden sich Kultusminister Prof. Dr. Michael Piazolo und BLLV-Präsidentin Simone Fleischmann neben der aktuellen Schul- und Bildungspolitik auch zum Motto „Herz.Kopf.Hand. Bildung ist Zeit für Menschen“ äußern. Es wird auch eins der Themen in der vorherigen Talkrunde sein mit Vertreterinnen und Vertretern der Parteien im Bayerischen Landtag: Winfried Bausback (CSU), Thomas Gehring (Grüne), Horst Arnold (SPD), Anna Stolz (FW) und Matthias Fischbach (FDP). Sie wird moderiert vom Programmbeauftragten von ARDalpha, Werner Reuss.

So zeigt der BLLV, dass ganzheitliche Bildung kein theoretisches Ideal ist: In der konkreten praktischen Umsetzung, für die die Mitglieder des BLLV Experten sind, gibt sie die Antwort auf die bildungspolitischen Herausforderungen der Gegenwart, die der Schlüssel für die Gesellschaft der Zukunft sind. Diese Zukunft wollen Lehrerinnen und Lehrer kompetent und ernsthaft mitgestalten.

Die Landesdelegiertenversammlung des BLLV ist das höchste Beschlussorgan. 600 Delegierte vertreten 64.000 Mitglieder. Sie wählen Präsidium und Landesvorstand und beschließen die Ziele, Inhalte und Strategien für die Bildungs- und Lehrerpolitik des Verbandes. 2019 lautet das Motto „Herz.Kopf. Hand. Bildung ist Zeit für Menschen“.