Warum Schulleitungen Motor der Schulentwicklung sind (2009)Akademie

Schulleitung innovativ

Der radikale gesellschaftliche Umbruch geht nicht spurlos an der Schule vorbei. Der Veränderungsdruck auf die Schule steigt – das beginnt bereits in der Grundschule.

Gleichzeitig aber spüren wir, dass Megasysteme wie die Schule nicht mehr zentralistisch zu organisieren sind. Die aktive Gestaltung der Schule vor Ort wird zunehmend zu einer der zentralen Aufgaben der einzelnen Schule und damit der Schulleitung. Hier liegt eine bedeutende bildungspolitische Herausforderung des 21. Jahrhunderts.

Allerdings wird es ohne Schulleiter keine Schulentwicklung und keine Innovation geben. In der Schulleitung liegt der Schlüssel zu einer neuen modernen Schule. Dies haben fast alle Wissenschaftler erkannt und fast alle Politiker bekennen sich zu dieser Sichtweise. Nur es fehlen realistische Konzepte und Ressourcen. Visionen allein reichen nicht.

Auf der Fachanhörung Schulleitung innovativ wurde das Beispiel eines Grundschulleiters aus New Zealand aufgezeigt, rechtliche Aspekte einer konsequenten Verlagerung der Entscheidungskompetenzen an die einzelne Schule beleuchtet und Erfahrungen in NRW mit selbstständiger Schule aus Sicht der Schulleitung diskutiert.

 

Die Rolle der Schulleitung in New Zealand

Vortrag von Shawn Gielen, Schulleiter aus New Zealand

Einleitung

Mein Name ist Shawn Gielen. Ich bin Schulleiter an der Otorohanga South School in Otorohanga auf der Nordinsel von Neuseeland. In N.Z umfasst die Grundschule acht Jahre. In Otorohanga bin ich seit 6 Jahren Schulleiter. In meine Grundschule werden 350 Schüler im Alter von 5 bis 13 Jahre unterrichtet. Es arbeiten 23 Lehrer. Meine letzte Stelle war Leiter einer Grundschule mit 200 Schülern in Opotiki and der Ostküste. In 1999 erhielt ich meine erste Stelle als Schulleiter an einer kleinen Landschule mit 35 Schülern. Schulleiter in N.Z geben keinen Unterricht, wenn die Schule über 150 Schüler hat. Unsere Aufgabe ist es die Schule zu managen und weiterzuentwickeln. Schulentwicklung ist wichtige Aufgabe der Schulleitung.

Das durchschnittliche Alter eines Schulleiters in Neuseeland ist 56 Jahre. Offensichtlich gehöre ich nicht in diese Kategorie. Mit  26 Jahren war ich einmal der jüngste Schulleiter N. Z. Das ist eher unüblich. Aber die Schule, bei der ich mich als Schulleiter bewarb, nahm mich.

Neben meiner Schulleitertätigkeit arbeite ich zusätzlich für das neuseeländische Erziehungsministerium in Hamilton. Meine Aufgabe ist es, 270 Grund- und Oberschulen in ihrer strategischen Planung zu unterstützen um deren Schülern zu helfen ihre Lernziele besser zu erreichen. Diese Arbeit reduziert die Zeit für meine Schule um einen Tag pro Woche. Die Schule erhält hierfür einen finanziellen Ausgleich.

Das Thema meines Referates heute ist die Rolle der Schulleitung in der Schulentwicklung in Neuseeland.
 

Das neuseeländische Schulsystem

Unser System unterscheidet sich von den meisten anderer in der Welt durch seine dezentrale Struktur. Schulen haben die Möglichkeit, den neuseeländischen Unterrichtsplan und das dazu gehörige Curriculum auf ihre eigene Weise zu interpretieren, und die ihnen zur Verfügung gestellten Finanzen ihren eigenen Zielen gemäss zu verwenden.

Das neuseeländische Schulsystem wird von vielen als die am meisten dezentralisierte Verwaltung in der entwickelten Welt bezeichnet. Dies bezieht sich auf die Tatsache, dass die Leitung und Verwaltung der Schulen in Kooperation von Regierung und Schulgemeinde erfolgt. Gewählte Gemeindevertreter bilden zusammen mit dem Schulleiter und einem Vertreter des Kollegiums den Schulbeirat, das sogenannte „Board of Trustees“.

Hier ein kurzer historischer Hintergrund wie es zu dieser Entwicklung kam:

989 überprüfte die damalige Labour Regierung das Erziehungsgesetz und änderte das bis dahin weitgehend zentralistische Schulsystem radikal. Es wurde ersetzt durch ein System, das weitgehend von Eltern und Kollegium bzw. Schulleiter gesteuert wird. Diese Politik erhielt den weitbekannten Namen „Tomorrow’s Schools“, lose übersetzt als „ Schulen der Zukunft“. Das neuseeländische Schulsystem wird auch heute noch oft so bezeichnet. 

Neuseeland war nicht das einzige System, das mehr Schulautonomie umsetzte. Auch Australien und die USA und zu einem gewissen Grad England, Schottland und Kanada reformierten das strebten in diese Richtung.

Diese Reform war zu einem grossen Teil durch die wirtschaftliche Situation zu dieser Zeit bedingt. Man dachte, dass die niedrige Effektivität der teuren Zentralverwaltung am besten durch eine Stärkung der lokalen Verwaltung vermieden werden könnte. Ausserdem dachte man, dass durch einen grösseren Einfluss der Eltern die Schulen besser auf die Bedürfnisse der Schüler eingehen würden.

Board of Trustees

Das sogenannte „Board of Trustees“  ist der „Schulbeirat“ der einzelnen Schule, dessen Mitglieder alle  3 Jahre von der Elternschaft gewählt werden. Gewählt werden kann jedes Elternteil dessen Kind die Schule besucht.

Das Board of Trustees einer Schule gegenüber der Regierung nachzuweisen, dass:

  1. die Schüler einen hohen Stand der Ausbildung erhalten,
  2. die von der Regierung gesetzten Lehrziele von der Schule angestrebt werden, und...
  3. das Gelder effektiv genutzt werden um sicher zu stellen, dass den Schülern Lernprogramme von hoher Qualität geboten werden. 

Die Aufgabe des BOT ist es, die Richtlinien für die Verwaltung und Leitung der Schule festzulegen. Die Hauptverantwortung des BOT in diesem Rahmen ist es, den Einsatz der von ihnen zugeteilten Geldern festzulegen und zu überprüfen. Hierbei müssen die laufenden Kosten gedeckt, aber auch die festgelegten strategischen Ziele der Schule umgesetzt werden.

Dies ist eine sehr komplexe Aufgabe, und benötigt einen hohen Grad an strategischen und finanziellen Fähigkeiten, sowie guten Informationen über die Leistungen und Bedürfnisse der Schülerschaft. Der Schulleiter oder Schulleiterin hat im BOT die Position des Vorsitzenden und stellt den Grossteil der nötigen Informationen bereit.

Das BOT muss bereit sein, seine Tätigkeit und Entscheidungen öffentlich Rechenschaft ablegen. Seine Entscheidungen werden auch überprüft. Diese Überprüfung geschieht hauptsächlich durch das sogenannte „Education Review Office“ (Evaluationsbüro). Dieses Amt wurde nach der  Erziehungsreform 1989 als vom Erziehungsministerium unabhängige, externe Überprüfungsbehörde geschaffen. Es überprüft alle Bereiche der Schulverwaltung, Schulleitung und den Lernerfolge der Schüler in einem 3 jährlichen Zyklus.

Aufgabe des  Erziehungsministerium ist die Finanzierung der Schulgebäuden und die Bereitstellung der Mittel, um das Schulleben mit dem Unterricht sicher zu stellen. Ausserdem unterstütz das Erziehungsministerium die Schulen bei der Umsetzung der von der Regierung festgelegten Verwaltungsrichtlinien (NAG) und der Umsetzung der Erziehungsziele(NEG). Diese sind:

  • der Lehrplan,
  • die Richtlinien für die Einstellung von Personal und die
  • Planung des Budgets für Gebäude und Lehrmittel.

 

Spezifika des Neuseeländischen Schulystems

Unser Schulsystem hat verschiedene Eigenarten, die es von anderen unterscheidet.

  1. Die Position der Maori in unserem nationalen Denken verpflichtet uns, sicherzustellen, dass Maori Schueler gute Lernerfolge erzielen. Unsere Regierung ist überzeugt, dass diese Bestrebung ein Grundprinzip eines gerechten Erziehungswesens sein muss.

    Der „Treaty of Waitangi“ oder „Vertrag von Waitangi“ ist ein historisches Dokument, unterzeichnet in 1840 von Maori Fuehrern und Vertretern der englischen Krone. Dieses Dokument steht im Mittelpunkt unserer nationalen Identität und ist ein Symbol fuer unser kulturelles Erbe.

  2. Unser Erziehungssystems ist zwar staatlich, aber es sichert ein hohes Maß an Selbstbestimmung jeder einzelnen Schule.

    Diese hoch dezentralisierte Verwaltung eroeffnet viele Moeglichkeiten fuer Schulleiter eng mit ihren Board of Trustees  zusammenzuarbeiten, und ihre Rolle als professionelle Leiter und Leader wahrzunehmen. Dieser Ansatz foerdert die Mitwirkung der Schulgemeinde in Entscheidungsprozessen, und ermoeglicht es Schulen besser auf die individuellen Beduerfnisse ihrer Schueler, und die Erwartungen ihrer Gemeinde einzugehen.
    Die dezentralen Entscheidungsprozessen haben Schulleitern und Mitgliedern des Schulbeirates Möglichkeiten gegeben, eigene Ziele zu setzen und vorhandene Mittel entsprechend einzusetzen. Gesetzte Ziele sollten allerdings die von der Regierung gesetzten Prioritaeten übernehmen.
    Obwohl diese Form der  Selbstständigkeit Schulleitern ermöglicht, besser auf die Bedürfnisse ihrer Schüler einzugehen, hat es auch gleichzeitig den Umfang der Verwaltungsarbeit stark vergroessert. Einige Untersuchungen deuten darauf hin, dass Schulleiter in Neuseeland fast doppelt soviel Zeit für Verwaltungsarbeit verwenden wie ihre Kollegen in anderen Ländern.

  3. Die Aufgabe der Schulleiter liegt in der Verwirklichung der von dem BOT gesetzten Ziele. In jeder neuseelaendischen Schule ist es letzendlich der Schulleiter, der für die Qualität und Effektivität der schulischen Erziehungsarbeit und der Verwaltung der Schule verantwortlich ist.

    Die vielfältigen Anforderungen als Führungs- und Verwaltungskraft kann es für Schulleiter schwierig machen zu entscheiden, wie sie ihre verfügbare Zeit gerecht und sinnvoll für diese diversen Aufgaben priorisieren sollen.

  4. Die schulischen Rahmenbedingungen sind innerhalb Neuseelands sehr verschieden, von isolierten laendlichen Schulen mit nicht mehr als 5 Schuelern, bis zu Schulen in Stadtzentren mit 3000 Schülern.

    40% aller Grundschulen in Neuseeland haben weniger als 100 Schüler. Dort unterrichten die Schulleiter zugleich. In Schulen über 150 Schüler geben die Schulleiter keinen Unterricht mehr.
    Es gibt Schulen die ausschliesslich in Maori unterrichten und katholische Schulen, die ihren religiösen Glauben in das Schulleben einbeziehen.
    Diese unterschiedlichen Rahmenbedingungen konfrontieren sowohl Schulleiter als auch Lehrer mit einer Vielfalt von Herausforderungen. Als Führungskräfte im Erziehungswesen wird von den Schulleitern erwartet, ihren Führungsstil und ihre Arbeit den Bedürfnissen ihrer Schule anzupassen.

  5. Der Grossteil aller Schulleiter befürwortet diese selbstbestimmende System, weil es ihnen die Freiheit gibt die Wuensche und Beduerfnisse ihrer Schuelerschaft und Gemeinde zu unterstuetzen.

Trotzdem besteht die Notwendigkeit, noch existierende Schwierigkeiten und Herausforderungen zu überwinden, insbesondere im Bereich von Rekrutierung, Bindung und  Qualifizierung von guten Führungskräften.
 

Das Kiwi Leadership for Principals“ (KPL)

Eins der von der Regierung und anderen erzieherischen Gruppen initierten Modelle um diese Herausforderungen zu bewaeltigen, ist das sogenannte „Das Kiwi Leadership for Principals uebersetzt: „Kiwi Führungsprogramm für Schulleiter“.

Ich möchte ihnen jetzt erklaeren welche Ziele für Führungskräfte dieses Modell beinhaltet, und ihnen einige Beispiele geben wie die Verwirklichung dieser Ziele in der Realitaet  aussieht:

Erzieherische Führungsqualitäten stehen im Mittelpunkt der Grundstruktur des KPL. Führungskräfte werden angeregt und dabei unterstützt:

1. Die Lernergebnisse aller Schüler zu verbessern, insbesondere von Maoris und Schülern pazifischer Abstammung

Zur Zeit werden zwei Programme umgesetzt:

  • „Kahikitia“ (Das Maori Wort fuer ......) und
  • „P.I.MP“ (Pasifika Islanders making Progress). 

Diese Initiativen wurden vom Erziehungsministerium entwickelt, um die schulische Erziehung dieser Schülergruppe von der Vorschulerziehung bis zur Oberschule zu verbessern. Sie zielen unter anderem daruf ab, die Eltern und Gemeinden miteinzubeziehen, um Schüler zu ermutigen, sich mehr für ihre Bildung zu engagieren. In der Oberschule liegt der Schwerpunkt darin, die regelmässige Anwesenheit der Schüler im Unterricht zu erhöhen, da viele Schüler mit Erreichen des Endes der schulpflichtigen Alters (16 Jahre) ohne Abschluss die Schule verlassen.

Mit dem verstärkten Engagement soll zugleich der Wert, den ein Schueler seiner/ ihrer Ausbildung beimisst, erhöht werden. Dies ist erfolgreicher, je mehr die positive Einstellung zur Bildung auch von der Umgebung ausserhalb der Schule unterstützt wird.

Das Decile System der Mittelverteilung stellt Schulen mit einem höheren Anteil an Schülern aus sozio-ökonomisch schwierigen Umfeld mehr Geld (und andere Mittel) zur Verfügung als Schulen mit einem geringen Anteil sozial benachteiligter Kinder.

Der Anteil von Maorikindern und Kindern pazifischer Abstammung ist in allen den sozial-kulturellen Bereichen überproportional vertreten, die als Lerndefizite begünstigen wie zum Beispiel:

  • Niedriges Einkommen der Eltern
  • Das Leben in ueberfuellten Haushalten
  • Schüler die keine Vorschulerziehungszentren besuchen
  • Schüler die von Schulen verwiesen werden
  • Schüler deren Lesefähigkeit unter ihrem Altersdurchschnitt liegt
  • Schüler die wegen ihres Verhaltens von Schulen verwiesen werden
  • Schüler die früh von der Schule abgehen, zB. 15 jaehrig
  • Schüler die ohne Schulabschluss von der Schule abgehen
  • Schüler die keine weiterfuehrende Ausbildung beginnen

 

2. Erzieherische Führungsqualitäten stehen im Mittelpunkt der Grundstruktur des KPL. Führungskräfte werden angeregt und dabei unterstützt:

Die Herstellung von Netzwerken von Führungskräften innerhalb und ausserhalb der Schule

Die Vereinigung Neuseelaendischer Schulleiter (NZPF) ist eine aktive Organisation der tausende von Schulleitern und Schulleiterinnen aus ganz Neuseeland angehören. Diese Organisation bietet ihren Mitglieder Unterstuetztung und Weiterbildung durch

  • Die Organisation einer jährlichen Konferenz
  • Eine telefonische Beratungsstelle
  • Eine Vierteljahreszeitschrift
  • Eine Internetseite mit Hilfestellungen und Zugang zu wissenschaftlichen
  • Abhandlungen von relevanten Themen
  • Anbegote von Stipendien zur Finanzierung von  Weiterbildung
  • Die NZPF trifft sich regelmässig mit der Erziehungsministerin um wichtige Angelegenheiten zu besprechen 

Jede Schule gehört einem lokalen Schulleiterverband an, in dem gemeinsame Themen und Probleme diskutiert werden und gemeinsame Veranstaltungen geplant werden.

Eine kürzlich vom Erziehungsministerium ins Leben gerufene Initiative ist „Principles Professional Learning Groups“ ( PPLG), uebersetzt „professionelle Lerngruppen fuer Schulleiter“ Hier werden regionale  Gruppen von Schulleitern finanziell unterstuetzt sich 2 mal pro Vierteljahr zu treffen, um aktuelle Literatur  zu lesen und zu diskutieren, die sich mit wichtigen Themen wie Lehrplan, Führungsqualitäten, Verhaltensmanagement, und anderem beschäftigt.

Im Mittelpunkt steht hier die kritische Betrachtung der eigenen Tätigkeit und des schulischen Umfeldes, sowie die Ausweitung der gegenseitigen Unterstützung.

Das Erziehungsministerium hat ausserdem eine Internetseite speziell fuer Schulleiter eingerichtet. Sie nennt sich „leadspace“, und stellt Schulleitern eine Vielzahl von Ressourcen zur Unterstuetzung ihrer Arbeit zur Verfügung. Zusätzlich erleichtert sie den Zugang zu schulspezischen Informationen. Sowohl Informationen als auch andere Resourcen sind dazu gedacht Schulleiter dabei zu unterstützen, die besten und effektivsten Entscheidungen im Hinblick auf die Optimierung von Lernerfolgen ihrer Schüler zu ermoeglichen.
 

Die Ausbildung von Führungskräften

Es ist von grösster Wichtigkeit, dass das Erziehungsministerium und andere Organisiationen innerhalb des Erziehungswesens daraufhin arbeiten, ambitionierte zukünftige Führungskräfte zu  fördern. Das Ergebnis einer kürzlichen Lehrerumfrage der Lehrergewerkschaft hat gezeigt, dass nur 8 % aller Lehrer einen Aufstieg zum Schulleiter oder Schulleiterin in Erwägung ziehen. In Anbetracht dieser Tatsache und dem derzeitigen Durchschnittsalter eines Schulleiters von 56 Jahren, muss es eine Priorität sein, unsere Führungsbasis stark und attraktiv zu gestalten, um andere für diese Aufgabe zu inspirieren. Die Zukunft unserer Schulen hängt davon ab.

Das Erziehungsministerium und Schulleiter- und Lehrergewerkschaften und Lehrerverbände haben in diesem Sinn eine Reihe von Initiativen entwickelt um „aufstrebende“ potentielle Schulleiter zu unterstützen.  Eine der Hauptaufgaben dieser Initiativen ist es, Lehrern zu ermöglichen innerhalb ihrer Karriere Führungsqualitäten zu entwickeln und zu stärken, bevor sie tatsächlich die Stelle eines Schulleiters übernehmen. Hierzu gehört auch die Schaffung von der Vergabe von Einkommensanreizen.

Ein weiterer Aspekt ist die jaehrliche Veranstaltung von Seminaren, die speziell auf die Förderung zum Aufstieg vom mittleren ins höhere  Management ausgerichtet sind. Viele vorrausschauende Schulleiter lassen ihre Lehrerschaft direkt und offen an ihrer Arbeit und Entscheidungen teilnehmen, so dass diese die täglichen Themen und Probleme der Schulleitung früh kennenlernen.  

Die Fähigkeiten meiner Stellvertreterin zum Beispiel hat sich in den letzten 5 Jahre sehr stark entwickelt. Sie hat die vielen Möglichkeiten wahrgenommen, die sich ihr boten, mit Veränderungen umzugehen, andere Lehrer in der Entwicklung ihrer Fähigkeiten zu leiten, und mit Eltern und der Gemeinde zusammen zu arbeiten.

Der Aufstieg zum Schulleiter/ Schulleiterin muss in der Praxis verankert sein, und sich auf neueste Erkenntnisse der Führungspädagogik stützen. In Neuseeland brauchen Schulleiter keinen spezifischen Ausbildungsabschluss.

Es ist die Aufgabe des Schulbeirats (BOT) zu entscheiden, welcher der Bewerber ihrer Meinung nach der beste Kandidat für eine ausgeschriebene Stelle ist. Dies wird oft als die weitreichendste Entscheidung eines BOT angesehen: Inzwischen gibt es eine Zahl von qualifizierten Beratungsstellen, die dem Schulbeirat  in dieser wichtigen Entscheidung zur Seite stehen können.

Dieser Prozess ermöglicht es manchen kompetenten jungen Lehrern bereits, in kleinen ländlichen Schulen schon kurz nach ihrem Ausbildungsabschluss eine Position als Schulleiter angeboten zu bekommen und wahrzunehmen.

Im Jahr 2002 wurde das „First Time Principals Training Programme“, ein Ausbildungsprogramm fuer junge Schulleiter ins Leben gerufen. Dies ist ein Programm, an dem neue Schulleiter teilnehmen. Es wird in Zusammenarbeit mit der Universität angeboten. In den Semsterferien finden Blockseminare statt. Die Ausbildung wird mit einem Zertifikat der Universität abgeschlossen.
 

Die Entwicklung von Schulen als Lernzentren

Das Selbstverwaltungssystem unserer Schulen hat viele Beispiele von innovativen Lehrplaenen und Partnerschaften zwischen Schulen, Familien und Gemeinden hervorgebracht, die gemeinsam versuchen auf die Beduerfnisse ihrer Schueler einzugehen. Der neue neuseelaendische Lehrplan, der im Januar 2010 in vollem Umfang eingeführt ist, eröffnet Schulen weitere Moeglichkeiten, die individuelle Lage und Beduerfnisse ihrer Schülerschaft in den Lehrplan einzubeziehen, und das Engagement der Eltern bei der Ausbildung ihrer Kinder zu staerken.

Mit dem neuen Lehrplan „lernen“ wir von unseren Gemeinden, welche Art des Lernens, und welcher Lernzusammenhang für unsere Schuler am besten geeignet sind. So werden Schulen auch als „Lerngemeinden“ bezeichnet, in denen alle Beteiligten und Betroffenen, einschliesslich der Lehrer und Schulleiter, zusammen lernen. Schulleiter in Neuseeland werden deshalb auch als „Leaders of Learning“ bezeichnet. Um ihre Rolle als „Leaders of Learning“ effektiv zu erfüllen muss ihnen Zeit zur Verfügung stehen.

Malachi Pancoast, der Director der „Breakthrough Coach“ Company aus den USA, war der  Hauptredner auf der Schulleiterkonferenz in 2008. Er stellte uns die Herausforderung, intelligenter und weniger zu arbeiten, unser Leben ausserhalb der Arbeit nicht zu vernachlaessigen, und trotzdem die Leistungen der Schüler zu heben.

Pancoast glaubt, dass die Hauptaufgabe in der Leitung einer Schule am besten auf folgende Weise zusammengefasst werden kann: „Unsere fundamentale Aufgabe als Schulleiter ist es, uns auf die Leistungen und das Wohlergehen der Schueler zu konzentrieren, indem wir die Leistungen unserer Lehrer beobachten, ihnen sinnvolles Feed-back geben, und sie durch Weiterbildungsmöglichkeiten unterstützen und fördern.

Er sprach insbesondere über die Kunst, Aufgaben erfolgreich zu delegieren, um für wichtige Dinge Zeit zu schaffen. Als Schulleiter müssen wir uns sehr klar darueber sein, welche Aspekte unseres Jobs fuer die Erreichung unserer Ziele am wichtigsten sind. Dies hilft uns, zu entscheiden welche Aufgaben an andere delegiert werden koennen. Hier sind einige Beispiele von Aufgaben die ich am meiner Schule an andere delegiere:

  • Mein Büromanager muss entscheiden können, wer mich wann sehen kann, so dass meine Zeit als wertvoll angesehen wird, und dementsprechend beansprucht wird.
  • Meine Buroangestellten müssen im Rahmen unserer Finanzplanung die Gehälter anweisen und Entscheidung über Materialkäufe und andere Anschaffungen treffen. Ebenso müssen sie die Ausgaben innerhalb des bestehenden Finanzplanes kontrollieren.
  • Das mittlere Management (Teamleiter und Fachberater)so zu schulen, so dass diese die anderen Lehrer und das BOT in ihrer Arbeit unterstützen koennen.
  • Durch die Vergabe von Leistungszulagen motiviere ich Lehrer, zusätzliche Aufgaben und Verantwortung zu uebernehmen, wie z.B. für die Organisation der zahlreichen Sportwettbewerbe oder der ICT-Infrastruktur.
  • Unterausschüsse des BOT werden beauftragt, sich um die Instandhaltung und Verbesserung der Gebäude und des Geländes zu kümmern. Sie melden die Ergebnisse direkt dem BOT. Zeitaufwendige Papierarbeit für Um- oder Neubauten werden so an die Ausschussmitglieder delegiert.
  • Mitglieder des BOT konsultieren die Gemeinde wenn es darum geht Richtlinien zu überdenken oder neue zu formulieren.

Dieser Ansatz ermöglicht es Schulleitern, ihre Zeit auf Aufgaben zu verwenden, die die Bildung der Schüler zum Ziel haben. Eine der wichtigsten und wirkungsvollsten Tätigkeiten eines Schulleiters ist es in diesem Sinne, selbst viel Zeit in den Klassen zu verbringen. Ich bin regelmäßig in den Klassen der Kollegen, unterhalte mich mit den Schülern während sie lernen und beobachte den Umgang zwischen Schülern und Lehrern und den Unterrichtsablauf. Sowohl Schueler als auch Lehrer reagieren auf diese „Besuche“ positiv. Diese Besuche haben es mir ermöglicht, dem BOT aus erster Hand zu berichten und mit Lehrern über mögliche Verbesserungen ihres Unterrichtes zu sprechen.

Pancoasts Vorschläge des intelligenten Arbeitens für Schulleiter wurde von den Konferenzteilnehmern so begeistert aufgenommen, das er auf Bitte des  Schulleiterverbandes und von diesem finanziell unterstuetzt, dieses Jahr durch Neuseeland reist und auf 5 weiteren Konferenzen spricht.
 

Resümee

Zum Abschluss möchte ich Dr. Vivian Robinson von der Waikato Universitaet und ihre Untersuchung von Beispielen guter Lehrpraxis und deren Fortentwicklung aus dem Jahr 2007 zitieren. Robinson schreibt:

„Schulische Führungskräfte (Schulleiter) müssen ihre eigenen professionellen Beziehungen, ihre Arbeitsinhalte und ihr eigenes Lernen auf ihre Hauptaufgabe ausrichten, nämlich Unterrichten und Lernen an ihrer Schule zu verbessern. Wenn das gelingt, können sie aktiv beitragen, die Lernerfolge ihrer Schüler zu verbessern.“ Der mit Abstand groesste Einflussfaktor auf den Lernerfolg der Schüler war in ihrer Untersuchung „der Einsatz der Schulleiter für, und die Beteiligung an der Entwicklung und Weiterbildung ihrer Lehrkräfte.“

Die größte Herausforderung für uns Schulleiter in Neuseeland ist es, nicht in einer Flut von administrativen und diversen anderen Anforderungen der Selbstverwaltung steckenzubleiben, sondern intelligenter zu arbeiten, und unseren Finger am Puls des Unterrichts und der Aktivitaeten in unseren Klassenräumen zu behalten.