Mediennutzung

Sicher durch den Mediendschungel – Was Eltern wissen müssen

ELTERNRATGEBER - Die Auswahl an Unterhaltung ist groß: Smartphones, Computerspiele, soziale Medien. Oft ist die Beschäftigung mit der technischen Spielerei so reizvoll, dass andere Aktivitäten und soziale Kontakte vernachlässigt werden. Der Elternratgeber informiert, wie Eltern mit dem Medienkonsum ihrer Kinder umgehen können.

Drei TV-Programme und manchmal sogar eine Spielekonsole: Als die heutige Elterngeneration in den Kinderschuhen steckte, war die Auswahl an technischer Unterhaltung an einer Hand abzuzählen. Heute wählen kleine und große Kinder zwischen Smartphones und Tablets, unterschiedlichsten Computerspielen, schauen oder produzieren eigene Videos auf Youtube, chatten oder skypen, sind auf Facebook und Twitter. Selbstgeschossene Fotos oder Videos werden auf Facebook oder Instagram eingestellt, kurze Nachrichten auf Twitter an Freunde und „Follower“ geschickt. Man tauscht sich in Foren und Blogs aus. Oft ist die Beschäftigung mit der technischen Spielerei so reizvoll, dass andere Aktivitäten und soziale Kontakte vernachlässigt werden.

Eltern stehen dieser Situation häufig hilflos gegenüber, zumal viele gar nicht wissen, womit sich die Tochter oder der Sohnemann eigentlich so exzessiv beschäftigen. „Bei aller Verunsicherung: Eltern haben auf die Mediennutzung ihrer Kinder großen Einfluss“, sagt der Vizepräsident des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbandes (BLLV), Tomi Neckov. „Sie sind das erste Vorbild im Leben ihrer Kinder und könnten bewusst vorleben, wie man die ungezählten Möglichkeiten von Smartphone, Computer oder Internet sinnvoll nutzt. Nötig sind viel Geduld, Tipps und manchmal auch Hilfe von außen - vor allem dann, wenn sich der Nachwuchs von aufgestellten Regeln nicht gerade begeistert zeigt.“

„Ab wann die Mediennutzung eines Kindes bedenklich ist, lässt sich nicht so einfach sagen. Faktoren, wie die Häufigkeit der Nutzung oder die dahinter stehende Motivation - etwa um Langeweile zu vertreiben, im Kontakt mit Freunden zu sein oder um aktuelle Ereignisse mitzubekommen - spielen eine große Rolle“, erklärt der BLLV-Experte. Eltern sollten aber hellhörig werden, wenn sie feststellen, dass die Mediennutzung überhandnimmt, Schulpflichten vernachlässigt werden, wenn ihr Kind anfängt, sich aus der Clique zu verabschieden oder Hobbys plötzlich uninteressant werden. Genauer hin schauen sollten Eltern auch, wenn die Tochter oder Sohn ständig gereizt ist oder innerlich „zu“ macht.

„Ein guter Weg für alle ist es, wenn Eltern den Nachwuchs in der Medienbiografie begleiten“, rät Neckov, der auch Schulleiter einer Mittelschule in Schweinfurt und Vater zweier Töchter im „Teenie-Alter“ ist. Seine Überzeugung: „Medienkompetenz entsteht nicht durch Mediennutzung, sondern durch Medienverzicht.“ Das bedeute aber nicht, dass Kinder ganz ohne Medien aufwachsen müssten. „Für Grundschulkinder gibt es neben Büchern und Hörspielen altersgerechte Sendungen im Fernsehen oder geeignete Apps im Internet. „Einen Computer oder eine Spielekonsole sollten Kinder im Grundschulalter aber keinesfalls alleine im eigenen Zimmer bedienen.“ Auch ein Smartphone empfiehlt Neckov frühestens ab zehn Jahren.

„Eltern, die die Medienwelt gemeinsam mit ihren Kindern entdecken, helfen, sich zurecht zu finden und einen bewussten Umgang zu lernen. Gemeinsam ausgewählte Inhalte und festgelegte, verbindlich einzuhaltende Zeiten der Mediennutzung geben Orientierung.“ Neckov rät Eltern auch, den Medienkonsum Ihres Kindes zu kontrollieren und selbst ein gutes Vorbild zu sein: „Wer schon nach dem Aufstehen sofort zum Handy oder Tablet greift, muss sich über eine Nachahmung der Kinder nicht wundern. Hilfreich sei es auch, wenn Eltern grundsätzlich Interesse an dem zeigen, was ihre Kinder machen: „Wer weiß, was genau ein Kind mit den Medien anstellt, welche Seiten im Internet es mag und welche Spiele es spielt, ist klar im Vorteil.“

Grundsätzlich gelte: „Wer jungen Menschen ausreichend Zuwendung und Alternativen mit Freunden und der Familie anbietet, schafft Anreize, die die Lust anstacheln, das Handy oder Tablet mal bei Seite zu legen.“ Eltern, die unsicher sind, wieviel Zeit in welchem Alter für Medien sinnvoll ist oder Eltern, die weitere Hilfe zum Beispiel über Sicherheit im Netz benötigen, können sich kostenlos informieren, z.B. auf einer Website des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend: www.schau-hin.info oder unter www.klicksafe.de/fuer-kinder/ , einer EU-Initiative für mehr Sicherheit im Netz.