Die MLLV-Vorsitzende Waltraud Lucic (links) initiierte die Tagung
Fachlehrer tagten in MünchenStartseite

Verbraucher bilden

Wie entwickeln Kinder und Jugendliche ein gesundes Verhältnis zu ihrem Körper und zu ihrer Ernährung? Ein wichtiges Korrektiv gegenüber schädlichen Moden und der Macht der Medien sind die Fachlehrerinnen. Bei einer internationalen Fachtagung am Staatsinstitut für die Ausbildung von Fachlehrern (StiF) haben sie nun hochkarätige Unterstützung aus der Welt der Wissenschaft und der Regierung erhalten.

Zusammenschluss von drei Personen mit fünf Buchstaben? Kreuzworträtselfreunde kennen die Antwort. Pädagoginnen, Pädagogen die sich weniger mit Worttüfteleien als mit der Vermittlung eines Bewusstseins für Gesundheit und Ernährung befassen, ist der gesuchte Begriff spätestens seit Februar geläufig: Terzo.

Denn Terzo beschreibt das, was am Münchner Staatsinstitut für die Ausbildung von Fachlehrern (StiF) gelungen ist. Die drei Kooperationspartner HaBiFo (Haushalt in Bildung und Forschung e.V.), StiF und der BLLV haben eine grenz- und disziplinenüberschreitende Fachtagung auf die Beine gestellt. Die Bedeutung wurde auch von der Bayerischen Staatsregierung unterstrichen, die gleich drei Ministerien (Bildung und Kultus, Wissenschaft und Kunst; Umwelt und Verbraucherschutz; Ernährung, Landwirtschaft und Forsten) für die Schirmherrschaft stellte.

Namhafte Keynotespeaker brachten vor den zahlreich erschienenen Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus unterschiedlichen Fachbereichen und aus den drei Ländern Österreich, Schweiz und Deutschland (D-A-CH) neueste Erkenntnisse aus der Wissenschaft ein, die immer wieder vom fachkundigen Auditorium kommentiert und diskutiert wurden. Prof. Dr. Kirsten Schlegel-Matthies, HaBiFo-Vorsitzende, leitete die internationale Tagung in München mit den Worten ein: „Die alte Dame Hauswirtschaft ist nicht tot, sie lebt als junge Dame EVB – Ernährungs- und Verbraucherbildung – weiter und ist wichtiger denn je angesichts von Mythen, Märchen und alternativen Fakten“.

Prof. Dr. Birgit Peuker von der Europa-Universität forscht über das wachsende Interesse der Deutschen sich flexitarisch zu ernähren und über die zunehmende Bedeutung von Functional Food. Sie zeigte auf, dass Lernsituationen für die Schulpraxis geschaffen werden müssen, die dem Rechnung tragen. Unter anderem ist es notwendig, Fachpraxisräumeauszubauen, mehr Lernzeit für alle zur Verfügung zu stellen und eine Stundenkürzung von Fachlehrern zu verhindern. Der Vortrag der Ernährungswissenschaftlerin Christine Röger vom Freisinger Kompetenzzentrum für Ernährung (KErn) machte deutlich, wie groß die Bedeutung von gesundem Essen in unserer Gesellschaft ist, und dass Ernährungstrends immer vielfältiger werden. Geschickt entwickeln Autoren von Bestsellern des Typs „Wie Weizen schleichend Ihr Gehirn zerstört“ (David Perlmutter und Kristin Loberg) solche Trends und lassen sie zu einem Bestandteil unserer Gesellschaft werden. Röger bringt durch wissenschaftliche Herangehensweise Klarheit in solche Themen, sie stellte auch in ihrem Vortrag ausschließlich evidenzbasierte Erkenntnisse in den Mittelpunkt.

Waltraud Lučić, MLLV-Vorsitzende und BLLV-Verantwortliche für die HaBiFo-Kooperation, nutzte die Situation, um Forderungen an die Anwesenden weiterzugeben: Man solle sich systematisch einsetzen, um „eine Projektitis zu verhindern“. Der Schwerpunkt sollte darin liegen, Raum und Zeit zur Verfügung zu stellen, um ein Vorhaben in die Tat umzusetzen. Im Laufe der Veranstaltung wurde auch hinterfragt, wie etwa die Fernsehshow „Germany’s next Topmodel“, die Gestaltung von Comicfiguren und die Medien das Körperbild von jungen Menschen beeinflussen, aber auch inwieweit ethisches Bewusstsein beim Konsum eine Rolle spielt.