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Wendewundergeschichte und Grenzen überwinden im Ballon

Zwei Bücher über zwei Mal Deutschland und seine Grenzgänger: In "Fritzi war dabei" erlebt eine 9-jährige Leipzigerin, wie plötzlich ihre Mitmenschen verschwinden und "Ballon" erzählt eine spektakuläre, wahre Fluchtgeschichte.

Fritzi war dabei - Eine Wendewundergeschichte

Von Hanna Schott
Illustratorin Gerda Raidt

Verlag: Klett Kinderbuch
Seiten: 96
Preis: 11,00 Euro
ISBN: 978-3-95470-015-8
Altersempfehlung: ab 8 Jahren und zum Vorlesen

Die 9-jährige Fritzi lebt in Leipzig. Im Herbst 1989 erlebt sie aufregende Wochen, bis am 9. November das unfassbare Wunder geschieht: Die Mauer ist offen und sie fährt mitten in der Nacht mit ihrem Papa über die innerdeutsche Grenze nach München zu ihrer Oma, die sie noch nie zu Hause besuchen konnten.

Ein wirklich gelungenes Buch zum Thema „Wende“, das Kindern die historischen Geschehnisse nahebringt.

Inhalt

Die 9-jährige Fritzi lebt in Leipzig. Als im Herbst des Jahres 1989 die Schule wieder beginnt, kehren nicht alle nach den Sommerferien zurück. In Fritzis Klasse fehlt Sophie, die Geigenschülerin ihres Papas erscheint nicht zum Unterricht und bei Mama im Krankenhaus kann eine Operation nicht durchgeführt werden, weil der Arzt nicht mehr da ist. Die Fehlenden sind alle entweder in Ungarn oder sie sind in Prag.

Was die Leute da machen, bekommt Fritzi aber erst nach und nach heraus: Sie wollen die DDR auf diesem Weg verlassen. Dass DDR-Bürger nicht einfach in den Westen reisen dürfen, weiß Fritzi aus eigener Erfahrung, denn sie selbst dürfen beispielsweise ihre Großmutter, die in München wohnt, nicht besuchen. Fritzis Papa empört sich über das Verhalten der Leute, ihre Mama jedoch findet es richtig, was sie tun, weil sie selbst auch das unfreie Leben in der DDR äußerst kritisch sieht.

Und nicht nur das: Wenige Tage später nimmt Mama Fritzi und ihren kleinen Bruder Hanno mit zum Friedensgebet in der Nikolaikirche. Fritzi staunt über die vielen Menschen, die hier friedlich vereint sind, die allermeisten, um für eine Veränderung ihres Landes, der DDR, zu beten. An den folgenden Montagen werden es immer mehr Menschen, die auf die Straße gehen und für Freiheit in einem freien Land demonstrieren. Und auch Fritzis Papa entschließt sich mit zu demonstrieren.

Schließlich geschieht das unfassbare Wunder – die Mauer ist offen, und Fritzi fährt am 9. November des Jahres 1989 mitten in der Nacht über die Grenze zur Oma nach München.

Bewertung

Die Erzählung ist bereits 2009 erschienenen und stellt die  Vorlage für den Animationsfilm dar, der dieser Tage in den Kinos anläuft. In ihr lässt die Autorin die letzten Wochen vor dem Fall der Mauer wieder lebendig werden. Die Ich-Erzählerin schildert die Ereignisse aus ihrer kindlich-fragenden und beobachtenden Perspektive und macht sie so für junge Leser begreifbar.

Daneben erhalten sie einen kleinen Einblick in das Leben und den Alltag in der ehemaligen DDR, ein Leben mit weitreichender Unfreiheit, mit Indoktrination in der Schule, mit Mangelwirtschaft und mit der allgegenwärtigen Bespitzelung durch die Stasi – all das kindgerecht anhand der konkreten Situation in Fritzis Familie und ihrem Umfeld dargestellt.

Nicht ausgespart werden auch die Konflikte, die die historischen Entwicklungen mit sich gebracht haben und die bis in die einzelnen Familien hineingereicht haben: Es kommt immer wieder zu Streit zwischen den Eltern, weil Fritzis Mama selbst aktiv ist, während ihr Papa zunächst kritisch ist und erst nach und nach mitgerissen wird.

Eine wunderbare Ergänzung stellen die zahlreichen Illustrationen dar, die einzelne Szenen oder wichtige Motive der Geschichte veranschaulichen. Die Zeichnungen fangen das typische Zeit- und Ortskolorit perfekt ein und unterstützen so die Vorstellung der jungen Leser. So wird zum Beispiel auf zwei Doppelseiten die beeindruckende Massendemonstration der DDR-Bürger für ein freies Land dargestellt. Mehrere Illustrationen sind der strengen, regimetreuen Lehrerin, Frau Leisegang, gewidmet.

Ein wirklich gelungenes Buch zum Thema „Wende“, das Kindern die historischen Geschehnisse nahebringt und sich daher hervorragend für den Einsatz im Unterricht eignet. Dafür bietet der Verlag auch Material an, das über seine Website heruntergeladen werden kann.

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Mit dem Ballon in die Freiheit

Von Kirsten Fulton
Illustrationen: Torben Kuhlmann

Ravensburger Verlag
Seiten: 56
Preis: 20,00 Euro
ISBN: 978-3-473-44719-0
Altersempfehlung: ab 5 Jahren

Das beeindruckende Bilderbuch gibt einen kleinen Einblick in das Leben in der ehemaligen DDR und stellt die waghalsige Flucht zweier Familien, wie sie wirklich stattgefunden hat, sehr anschaulich und kindgemäß in den Mittelpunkt.

Inhalt

Peter lebt mit seiner Familie in der DDR. Hier ist das Leben ganz anders als in der BRD. Seine Eltern haben einen Geheimplan. Das bekommt der Junge mit, aber er verspricht, mit niemanden darüber zu sprechen. Zusammen mit einer anderen Familie gelingt ihnen im Jahr 1979 die Flucht über die Grenze, in einem Ballon, der von den Erwachsenen heimlich angefertigt worden war.

Bewertung

Dieses Bilderbuch erzählt die wahre Geschichte der Familien Wetzel und Strelzyk, und zwar aus der Perspektive des damals fünfjährigen Peter Wetzel. Die ausdrucksstarken, dunkel gehaltenen - die Handlung spielt meist nachts - Illustrationen des Bestseller-Illustrators Torben Kuhlmann veranschaulichen das damalige Leben, die Vorbereitungen und die eigentliche dramatische Flucht in die Freiheit.

Relativ kurze Textpassagen ergänzen die realistischen und präzise gezeichneten Bilder. Am Ende finden sich interessante Sachinformationen zur Flucht und zur damaligen politischen Situation.

Das Bilderbuch erklärt diese wichtige Zeit anhand einer wahren Geschichte, die letztes Jahr auch als Kinofilm  zu sehen war, für Kinder ab 5 Jahren eindrücklich, anschaulich und kindgemäß.

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