Elternratgeber: FreizeitstressStartseite

Weniger ist oft mehr!

Viele Kinder haben einen Terminkalender, der so manchen Manager erschauern lässt. Jede Minute ist verplant. Freie Zeit? Fehlanzeige. Der Elternratgeber des BLLV erklärt, wann es zu viel wird.

Nach der Schule geht’s ins Ballett, zum Reiten, in den Sprachkurs, den Sportverein, die Musikschule oder zur Nachhilfe - es gibt zahllose Angebote und sie machen durchaus auch Sinn. „Viele Eltern treibt ja auch der Wunsch um, ihren Kindern den bestmöglichsten Start ins Leben zu ermöglichen“, weiß die Leiterin der Abteilung Berufswissenschaften im Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV), Birgitt Dittmer-Glaubig. Die meisten meinten es gut, wenn sie den Nachwuchs von einem Termin zum nächsten fahren. „Sie vergessen aber, dass Kinder viel Zeit brauchen, um zur Ruhe zu kommen, um mit Freunden und der Familie zusammen zu sein, um zu spielen.“

Überaktivität könne Stress auslösen und der schade Kindern mindestens genauso wie Erwachsenen, so Dittmer-Glaubig. Ihr Rat: „Weniger ist oft mehr. Eltern sollten genau schauen, welches zusätzliche Angebot tatsächlich Sinn macht oder nicht. „Worauf es wirklich ankommt, sind Zeitressourcen, denn sie sind für eine gesunde Entwicklung Heranwachsender unentbehrlich.“ Eltern sollten daher auch darüber nachdenken, wie sie ihrem Kind Zeit schenken können.

Das gesunde Mittelmaß

Eltern wollten ihre Kinder stark machen. Sie wüssten, dass die Herausforderungen der Leistungsgesellschaft immens sind. „Da stellt sich die Frage, was macht Kinder stark? Sind es Nachhilfestunden, ist es Sport, Musizieren, ist es eine gesunde Ernährung - oder ist es Zeit? Und wie viel soll es von allem sein? Gibt es ein Rezept?“ Die BLLV-Expertin ist überzeugt, „das gesunde Mittelmaß machts!“

Soziale Beziehung und Emotionalität sind aus ihrer Sicht die Grundlage der intellektuellen Entwicklung. „Es gibt keine Motivation ohne Beziehung. Durch gute menschliche Beziehung kann der Körper sich seinen Motivationscocktail selbst mixen. Das Gehirn schüttet körpereigene Botenstoffe aus: Dopamin für die Leistungsbereitschaft, Opioide für das Wohlgefühl und Oxytozin für das Vertrauen.“ Aus neurobiologischer Sicht brauchen Kinder und Jugendliche zur Motivation das Zusammenspiel von sozialer Akzeptanz, die sich ausdrückt in Sätzen wie „ich mag dich so wie du bist“ oder „du bist wichtig.“ Fehlt dies, fahren die Stress-Symptome hoch: „Angst, Aggression, Depression können die Folge sein. Die Gefahr, dass Kinder Scheinlösungen in Süßigkeiten, Alkohol, Drogen oder übermäßigen Medienkonsum suchen und finden, ist groß.“

Vollen Terminkalender kritisch betrachten

„Die natürlichste und stärkste Droge für den Menschen ist der Mensch selbst“, ist Dittmer-Glaubig überzeugt. Deshalb appelliert sie an Eltern, den vollen Terminkalender ihrer Kinder kritisch zu betrachten und sich zu fragen, ob diese Aktivitäten wirklich alle nötig sind. „Wer seinem Kind Zeit schenkt - für einen Zoobesuch, zum Radfahren oder um einfach zusammen Musik zu hören, erreicht mehr: Das Gehirn mixt den Motivationscocktail, Familien kommen zur Ruhe, Kinder werden im Miteinander gestärkt. „Das Lernen geht dann leichter und der Besuch des vierten und fünften Vereins wird überflüssig. Manchmal kann etwas weniger auch mehr sein.“

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Am: 23.08.2019