VBE/Forsa-Umfrage zur WerteerziehungAkademie

Werteerziehung: Mehr Priorität! Mehr Gestaltungsfreiraum! Mehr Zeit!

Eine forsa-Umfrage im Auftrag des VBE offenbart: Werteerziehung in Schule ist für Eltern und Lehrkräfte von enormer Bedeutung. Aber: Für die Umsetzung fehlt es häufig an den notwendigen Rahmenbedingungen.

 

Werte- und Demokratieerziehung sind wesentliche Elemente, damit das Zusammenleben sowohl in Schule, wie auch in der Gesellschaft konstruktiv gestaltet und gelebt werden kann. Dies hat der Verband Bildung und Erziehung (VBE) zum Anlass genommen, eine Umfrage unter Eltern und Lehrkräften zum Thema Wertorientierungen und Werteerziehung in Auftrag zu geben. Für die Studie wurden 1.111 Eltern schulpflichtiger Kinder sowie 1.185 Lehrerinnen und Lehrer an allgemeinbildenden Schulen befragt. Die Ergebnisse liefern erstmals einen Abgleich zwischen den Erwartungen von Eltern und den Einschätzungen von Lehrkräften zu diesem Thema.

Eltern wie auch Lehrkräfte formulieren danach in überwältigender Deutlichkeit, wie wichtig Ihnen das Thema Werteerziehung und eine Orientierung an den gesetzlich verankerten Bildungs- und Erziehungszielen in Schule sind. Über 90 Prozent der Eltern geben für die Hälfte der abgefragten Bildungs- und Erziehungsziele an, dass ihnen diese (sehr) wichtig sind, über 90 Prozent der Lehrkräfte erachten sogar 12 der 16 Bildungs- und Erziehungsziele als (sehr) wichtig.

Grafik 1: Angaben zur Bedeutung und Erreichung von Bildungs- und Erziehungszielen aus Sicht von Eltern und Lehrkräften (Quelle: forsa (2018): Wertorientierung und Werterziehung. Ergebnisse einer Befragung von Lehrerinnen und Lehrern sowie von Eltern schulpflichtiger Kinder):

 

 

Gleichzeitig sehen sowohl Eltern als auch Lehrkräfte klare Defizite bei der Umsetzung aller Ziele. Gründe für ein Nicht-Erreichen einzelner Bildungs- und Erziehungsziele sehen Eltern wie auch Lehrkräfte vor allem in einer unzureichenden Berücksichtigung im Lehrplan. Eltern als auch Lehrkräfte beurteilen die praktische Auseinandersetzung mit dem jeweiligen Thema, etwa in Form von Projektwochen oder Workshops, als zweitwichtigsten Grund für das Erreichen bestimmter Werterziehungsziele.

„Die Schule hat die wichtige Aufgabe, demokratische und mündige Staatsbürger zu erziehen“, so die BLLV-Präsidentin Simone Fleischmann. „Dazu muss Demokratie- und Werteerziehung aber in den Schulen vom Lerngegenstand, dessen Funktionsweise und Institutionen im Lehrplan stehen, zu einer Lebensform werden, die im Unterricht und in der Schule erlebt und gelebt wird.“

Gefragt nach aktuellen Themen in der Wertedebatte vertreten über 90 Prozent der Eltern und Lehrkräfte die Meinung, dass auch in einer multikulturellen Gesellschaft bestimmte Werte für alle Menschen, die hier leben, gelten müssen. Nur 3 Prozent der Lehrkräfte und 10 Prozent der Eltern halten eine Wertediskussion in Schule für überflüssig. Immerhin 54 Prozent der Eltern und sogar 73 Prozent der Lehrkräfte sehen eine Gefahr, die von einer „Beliebigkeit in der Frage um Werte“ ausgehen würde. Hinsichtlich der Frage, wie wichtig bestimmte Akteure bei der Vermittlung von Werten gegenüber Kindern und Jugendlichen sind, betonen nahezu alle Eltern und Lehrkräfte die bedeutsame Rolle des Elternhauses. Eine große Mehrheit der Eltern und Lehrkräfte gibt zudem an, dass folgend mit ähnlicher Bedeutung auch Schule, die Partnerin bzw. der Partner, der Freundeskreis und der Eigeneinfluss eine wichtige Rolle spielen. Was die Umfrage auch zeigt: Nur ein Drittel der Eltern und Lehrkräfte geben an, dass die Kirche beziehungsweise Religionsgemeinschaft wichtig ist.

Die BLLV-Präsidentin Simone Fleischmann kommentiert anlässlich der durch den VBE Bundesverband veröffentlichten Umfrage: „Die Ergebnisse liefern wichtige Erkenntnisse zum Thema Werte- und Demokratieerziehung. Klar ist: Was es jetzt braucht, sind entschiedene und konkrete Handlungsschritte der Politik, die den von allen Seiten bekundeten hohen Stellenwert einer Werte- und Demokratieerziehung für Bayern manifestieren. Dazu gehört vor allem mehr Zeit um demokratische und werteorientierte Prozesse auch leben zu können.“

 

 

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