BLLV-Präsidentin und Abteilungsleiter Fritz Schäffer diskutieren Forderungen des BLLV zur Demokratiepädagogik im Landtag
Diskutierten über Demokratiepädagogik: Dr. Fritz Schäffer (rechts, Leiter der BLLV-Abteilung Schul- und Bildungspolitik), BLLV-Präsidentin Simone Fleischmann und Landtagspräsidentin Barbara Stamm (CSU).
BLLV diskutiert mit Landtagspolitikern ForderungspapierSchule und GesellschaftDemokratiepädagogik

„Wir wollen Demokratie in der Schule leben!“

Die Zeiten für die Demokratie und die offene Gesellschaft sind rauer geworden. Deshalb muss sich die Demokratiepädagogik neu aufstellen. Es sei zu wenig Zeit für nachhaltige Demokratiepädagogik, sie sei zu theorielastig: Das ist das Resümee vieler Lehrkräfte. Aus diesem Grund suchte der BLLV das parteienübergreifende Gespräch mit den politisch Verantwortlichen im Landtag. Der BLLV warb mit einem Sechs-Punkte-Papier für eine Aufwertung der Demokratiepädagogik.

Demokratiebildung genießt in der Bayerischen Verfassung oberste Priorität. "Die Schüler sind im Geiste der Demokratie zu erziehen", heißt es in Artikel 131. Der Alltag an den Schulen lässt dafür aber nur wenig Raum. Bei einer Blitzumfrage unter BLLV-Mitgliedern gaben 95 Prozent der 400 Teilnehmer an, mehr Zeit für die Förderung demokratischen Bewusstseins und Verhaltens im Unterricht zu brauchen. Die große Mehrheit wünscht sich mehr Partizipationsrechte bei der Schulentwicklung (90 Prozent) und Mitbestimmungsmöglichkeiten für Schülerinnen und Schüler (77 Prozent). Die Umfrage ist zwar nicht repräsentativ, zeigt aber einen klaren Trend an.

Demokratie muss an den Schulen gelebt werden

Mit Blick auf das Erstarken von populistischen und extremistischen Strömungen in Deutschland fordert der BLLV, dass demokratische Bildung an Bayerns Schulen deutlich aufgewertet und im Alltag stärker verankert werden muss. "Die Schule ist dazu verpflichtet, Schüler zu demokratisch gesinnten und mündigen Staatsbürger zu erziehen. Als mündige Staatsbürger verteidigen sie die Demokratie, weil sie sich mit ihr als Lebensform identifizieren", sagte BLLV-Präsidentin Simone Fleischmann bei der Vorstellung des BLLV-Positionspapiers im Bayerischen Landtag.

In der Praxis reduziert sich dieser aus der Verfassung abgeleitete Auftrag oft auf die bloße Vermittlung von Sachinformationen im Unterricht. "Demokratie soll nicht nur Lerngegenstand sein, sie muss zu einer Lebensform werden. Wir wollen Demokratie in der Schule leben", betonte Fleischmann vor Spitzenpolitikern der Landtagsfraktionen.

Schüler wollen über Politik reden

Dass die heutige Schülergeneration unpolitisch sei, hält Dr. Fritz Schäffer für ein Vorurteil. "Ich stelle ein großes Bedürfnis bei Schülern fest, sich im Unterricht über aktuelle politische Themen auszutauschen, zum Beispiel über die Bundestagswahl", berichtet der Leiter der BLLV-Abteilung Schul- und Bildungspolitik von seinen Erfahrungen als Lehrer. " Es ist wichtig, dass die Schule zu Themen, die Schülerinnen und Schüler tief bewegen, Raum für Gespräche anbietet." Schäffer warb auch dafür, Schülern und Eltern mehr Mitbestimmungsmöglichkeiten einzuräumen. "Damit verbunden ist auf der anderen Seite die Abgabe von Macht durch die Schulverwaltung, Schulleitung und auch durch uns Lehrkräfte."

Im Positionspapier fordert der BLLV unter anderem:

  • die Aufwertung der Bedeutung des Bildungsziels Demokratie, z.B. durch mehr Projektarbeiten und Zeit für demokratiepädagogische Prozesse,
  • die Stärkung der politischen Bildung, z.B. durch Ausweitung des Stundenumfangs der Fächer politischer Bildung,
  • die Stärkung der politischen Medienkompetenz, z.B. durch Stärkung der Kritikfähigkeit gegenüber Medieninhalten,
  • mehr Partizipation in einer demokratischen Schule, z.B. durch die Förderung neuer partizipativer Modelle wie Klassenrat und Schülerparlament,
  • einen demokratischen Unterricht, z.B. durch die Etablierung einer wechselseitigen Feedbackkultur im Unterricht,
  • mehr Demokratiepädagogik in der Lehrerbildung, z.B. durch die Stärkung demokratiepädagogischer Inhalte in allen drei Phasen der Lehrerbildung

 

>> zum Positionspapier Demokratiepädagogik des BLLV