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Zwischenzeugnisse: ein fragwürdiges Ritual

BLLV-Präsidentin Fleischmann fordert anlässlich der Vergabe der Zwischenzeugnisse ein pädagogisches Lern- und Leistungsverständnis, das Schülerinnen und Schüler in den Mittelpunkt rückt

München - Anlässlich der Vergabe der Zwischenzeugnisse am 15. Februar fordert die Präsidentin des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbandes (BLLV), Simone Fleischmann, ein pädagogisches Leistungsverständnis, das die einzelne Schülerin, den einzelnen Schüler in den Mittelpunkt rückt - und nicht die Note. "Wir sollten uns der Frage stellen, ob Noten noch zeitgemäß sind und den Prinzipien modernen Lernens entsprechen", erklärte sie heute in München. In Schulen und Elternhäusern drehe sich nach wie vor alles um die Note. So wiederhole sich auch Jahr für Jahr die Vergabe der Zwischenzeugnisse. "Sie sind nicht immer nur Grund zur Freude und Ansporn, sondern lösen leider auch viel Druck in den Familien und Ängste bei Kindern aus." Lehrerinnen und Lehrer könnten einen noch so tollen, motivierenden Unterricht halten, wenn am Ende wieder alles auf die Note abziele, nütze dies den Kindern wenig. "Insofern ist auch das Zwischenzeugnis ein Ritual, das überholt und fragwürdig geworden ist."

Ganzheitliche Förderung

Um jedes Kind ganzheitlich zu fördern, brauche es eine individuelle, prozesshafte Sicht auf die Entwicklung und den Lernfortschritt jeder einzelnen Schülerin und jedes einzelnen Schülers, betonte Fleischmann. "Eine rein auf Noten fixierte Bewertung lässt individuelle Bedürfnisse außer Acht." Nötig sei eine Schule, in der alle Kinder etwas leisten könnten und dürften. Junge Menschen bräuchten zudem Zeit, um sich entwickeln zu können, denn Lernen bedeute kontinuierliche Weiterentwicklung.

Lernen beruhe auch auf Beziehung. "Das ist hinlänglich bekannt", sagte Fleischmann. Zwar seien die Lehrpläne mittlerweile kompetenzorientiert, die Art der Leistungsmessung aber nicht, kritisierte sie. Sie appellierte an das Kultusministerium, diese Diskrepanz aufzulösen.

Es gelte dabei auch, die Prinzipien des Förderns in den Mittelpunkt zu rücken, denn auf ihnen basiere ein zeitgemäßes Verständnis von Lernen. Dazu seien Differenzierungsstunden, modulare Förderstunden und diagnosegeleitete Lernbegleitung nötig. "Und es bedarf anderer Arbeitsbedingungen - für Lehrerinnen und Lehrer müssen zeitliche Räume geschaffen werden, um den Kindern und Jugendlichen sowie deren Eltern individuelle Lernfortschrittsrückmeldung geben zu können.

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Sendehinweis

Um die Themen "Zwischenzeugnisse und Übertritt" geht es auch heute Abend im Bayerischen Fernsehen. In der Sendung "jetzt red' i" um 20.15 Uhr mit dem Titel "Bayerns Grundschulen am Limit - Gestresste Schüler, geplagte Eltern, geforderte Lehrer" diskutieren Bürgerinnen und Bürger mit dem Bayerischen Kultusminister Michael Piazolo (FW) und Markus Bayerbach (AfD), Vorsitzender des Bildungsausschusses im Bayerischen Landtag.

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Andrea Schwarz, BLLV-Pressereferentin M.A. Tel: 089/ 72 100 129, presse@bllv.de