Das Modulsystem fürs Gymnasium

Das vom BLLV entwickelte Modulsystem erlaubt eine echte Individualisierung und bietet für jede:n einzelne:n Schüler:in ein passgenaues Angebot. Dieses Konzept ermöglicht es jedem Gymnasium, ein flexibles, in Modulen strukturiertes System anzubieten, in dem jede:r Schüler:in nach seiner/ihrer individuellen Lernzeit das Gymnasiums absolviert. Denn echte Individualisierung bedeutet, dass sich das System den Schüler:innen anpasst – nicht umgekehrt. Echte Individualisierung verlangt ein System, das die unterschiedlichen Motivlagen der Schüler:innen berücksichtigen und flexibel auf mögliche Veränderungen reagieren kann.

Das Modulsystem: Echte Individualisierung

Der modulare Aufbau des Konzeptes erlaubt es jedem Schüler und jeder Schülerin, ab der 7. Klasse oder auch später zu entscheiden, die Zeit zu strecken. Zusatzmodule ermöglichen eine gezielte und individuelle Förderung von Schüler:innen, sowohl als Unterstützung als auch im Sinne einer Begabungsförderung.

Das Modulsystem ermöglicht somit allen Schüler:innen

  • individuelle Stärken durch Plus- und Projektmodule auszubauen,
  • genügend Zeit für Hobbys, Sportverein, Instrumentalunterricht usw. zu haben,
  • individuelle Schwächen durch Fördermodule auszugleichen,
  • nicht erfolgreich absolvierte Fächer (Fachmodule) zu wiederholen, ohne alle Fächer einer Jahrgangsstufe wiederholen zu müssen (kein pauschales Wiederholen mehr),
  • mit Beginn der siebten Klasse oder erst im Lauf der Mittelstufe den Bildungsgang zu dehnen

Das Modulsystem ermöglicht jedem Gymnasium

  • eine hohe Individualisierung der Lernzeit anzubieten,
  • den unterschiedlichen Motiven, wegen der Schüler:innen ihre Lernzeit dehnen wollen (Leistungsprobleme, längere Erkrankungen, familiäre Probleme, zeitintensive Hobbies usw.), gerecht zu werden,
  • eine gezielte Förderung sowohl begabter als auch schwächerer Schüler:innen zu realisieren,
  • eine größere Flexibilität bei der Klassen- und Gruppenbildung (z.B. Bilden kleinerer Lerngruppen in den Anfangsmodulen der Fremdsprachen) zu erreichen.

Die Module werden auf der Grundlage des LehrplanPLUS entwickelt. Es können keine Fächer „abgewählt“ werden, sondern die Schüler:innen wählen aus den Angeboten der Schule unter Berücksichtigung bestimmter Rahmenvorgaben verschiedene Module. Dabei wird zwischen Fachmodulen, Zusatzmodulen in Form von Fördermodulen, Plusmodulen oder Brückenmodulen und Projektmodulen unterschieden:

  • Fachmodule dienen der Vermittlung der Lehrplaninhalte jeweils eines Schuljahres. Innerhalb eines Fachmoduls findet keine Leistungsdifferenzierung statt. Somit ist sichergestellt, dass mit einem erfolgreichen Abschluss der Fachmodule der zehnten Jahrgangsstufe die Oberstufenreife erreicht wird und mit Abschluss der Fachmodule der elften Jahrgangsstufe in die Qualifikationsphase eingetreten werden kann.
  • Zusatzmodule bieten über den Lehrplan hinausgehende oder vertiefende Lerninhalte. Es gibt drei unterschiedliche Zusatzmodule:
    • Durch das Wählen eines Plusmoduls kann ein:e Schüler:in individuelle Stärken ausbauen.
    • Individuelle Schwächen können durch den Besuch von Fördermodulen (im Sinne einer Intensivierung) ausgeglichen werden.
    • Außerdem gibt es für den Fall, dass ein:e Schüler:in ein zusätzliches Schuljahr einplant, Brückenmodule. Sie ersetzen für diese Zeit das Fachmodul eines Kernfaches, um den Anschluss sicher zu stellen.
  • Projektmodule ermöglichen eine andere Form des Lernens durch das Eintauchen in ein spezielles Thema in Form von Projektarbeiten, die fächerübergreifend angeboten werden und Lehrplaninhalte der Sachfächer abdecken. 

Die gewählten Module müssen nicht zwangsläufig aus der gleichen Jahrgangsstufe stammen. Auf diese Weise können Schüler:innen den Stoff dehnen, indem sie beispielsweise in einem Fachmodul aussetzen, um ein entsprechendes Brücken- und Fördermodul zu absolvieren oder Zeit für anspruchsvolle Plusmodule zu haben. Alle Module werden grundsätzlich in Doppelstunden unterrichtet. 

Je nach Wahlverhalten können die Schülerinnen und Schüler die Jahrgangsstufen 7 mit 11 entsprechend den gültigen Wiederholungsbestimmungen in fünf oder mehr Jahren durchlaufen. Die zusätzliche Zeit kann zu einer Entzerrung des individuellen Stundenpensums, aber auch zur Vertiefung, Schwerpunktsetzung oder Förderung genutzt werden. Ein pauschales Wiederholen aller Fächer einer Jahrgangsstufe beim Verfehlen des Klassenziels in nur zwei Fächern entfällt in diesem System. Stattdessen müssen lediglich die nicht erfolgreich abgeschlossenen Module wiederholt werden.

Die Freistunden der Schüler:innen, die bei Einführung des Modulsystems entstehen, werden für eigenverantwortliches Lernen in Lernwerkstätten, Lernateliers oder Fachsprechstunden genutzt. Dies ermöglicht eine deutlich bessere Förderung der Schüler:innen als derzeit. Neben der Vertiefung durch Übung und Wiederholung können die Schüler:innen das eigenverantwortliche Lernen darüber hinaus für ihre Arbeit an den Projekten der entsprechenden Projektmodule nutzen.

Auch wenn die Schüler:innen die Fachmodule in Deutsch, Mathematik und den Fremdsprachen meist in der gleichen Zusammensetzung durchlaufen werden, fällt der Klassenverband für die Jahrgangsstufen 7 mit 11 und damit auch die Klassenleitung weg. Stattdessen wird jedem Schüler und jeder Schülerin mit Eintritt in die siebte Jahrgangsstufe bis zum Abschluss des Modulsystems eine Lehrkraft als Coach fest zugeordnet. Durch diese enge und dauerhafte persönliche Bindung wird die Beziehungsebene gestärkt und eine deutlich bessere Betreuung der Schüler:innen auch in pädagogischen Fragen als durch die bisherige Klassenleitung ermöglicht.

Es wäre unredlich, zu versprechen, das Modulsystem ließe sich ohne größeren Aufwand und ohne Umstellungsschwierigkeiten umzusetzen. 

Ein gewisser Innovationsaufwand liegt bei den Lehrkräften, die als Coaches eingesetzt sind. Auch wenn man berücksichtigt, dass das Modulsystem schrittweise von unten nach oben eingeführt wird, müssen hier Handreichungen, Fortbildungen usw. entwickelt und angeboten werden. Gleiches gilt für diejenigen, die mit dem Erstellen des Stundenplans beschäftigt sind. Auch hier wird insbesondere in der Anfangsphase ein höherer Aufwand nötig sein.

Von den unterrichtenden Lehrkräften hingegen verlangt das Modulsystem nur einen geringen Innovationsaufwand. Denn das Zentrum des erteilten Unterrichtes liegt in den Fachmodulen. Diese werden – wie jetzt auch – nach dem aktuellen Lehrplan unterrichtet. Dass im Modul „Mathematik Klasse 8“ Schüler:innen sitzen, die im neunten Schulbesuchsjahr sind, ist nicht neu. Eine Neuerung stellen die Brücken- und Zusatzmodule dar. Hier kann teilweise auf bestehende Angebote (Intensivierungsstunden, Wahlunterricht) zurückgegriffen, anderes muss neu entwickelt werden.

Das Modulsystem lässt sich an jedem Gymnasium umsetzen. Eltern finden für Ihre Kinder am Gymnasium Ihrer Wahl ein für Ihr Kind passendes Angebot. Egal, ob ein Kind sich mehr Zeit lassen will, weil es Freiraum für außerschulische Aktivitäten möchte, oder weil es individuelle Schwächen ausgleichen will: Im Modulsystem findet jedes Kind den passenden Weg. 

Zusammenfassung

  1. In den Jahrgangsstufen 7 mit 11 organisiert die Schule den Unterricht in Modulen.
     
  2. Jede:r Schüler:in wählt am Ende eines Schuljahres im Rahmen gewisser Vorgaben aus dem Angebot der Schule Module für das nächste Schuljahr aus. Dabei werden die Schüler:innen von der Lehrkraft beraten, die ihnen als Coach zugeteilt ist.
     
  3. Jede:r Schüler:in kann sich im Laufe des Modulsystems entscheiden, ob er/sie sich ein Jahr mehr Zeit lässt. In diesem Fall können die noch verbleibenden Fachmodule auf die übrigen Schuljahre verteilt werden. Dabei können die Motive für das Dehnen weitgehend berücksichtigt werden: Soll wegen zeitaufwändigem Hobby der Lernaufwand verringert werden? Sollen Lücken in ein paar Fächern ausgeglichen werden (bisher: freiwilliges Wiederholen der ganzen Jahrgangsstufe)?
     
  4. Werden Fachmodule nicht erfolgreich abgeschlossen („Durchfallen“), müssen auch nur diese wiederholt werden. Der Schüler/die Schülerin verbleibt dadurch ein Jahr länger in der Modulphase. Das pauschale Wiederholen aller Fächer einer Jahrgangsstufe entfällt.
     
  5. Das Modulsystem ist völlig kompatibel zu den aktuellen Vorrückungsbestimmungen: Wer mindestens ein vorrückungsrelevantes Fachmodul mit Note 6 oder mindestens zwei vorrückungsrelevante Fachmodule mit Note 5 abschließt, muss diese Fachmodule erneut besuchen. Genauso ist das Modulsystem kompatibel mit den aktuellen Wiederholungs- und Abweisungsbestimmungen.
     
  6. Am Ende des Modulsystems müssen die Fachmodule der elften Jahrgangsstufe entsprechend der Vorrückungsbestimmungen erfolgreich abgeschlossen werden, um in die Qualifikationsphase die Oberstufenreife eintreten zu können.

Das Modulsystem konkret erklärt

Das Modulsystem ist im Detail recht ausgefuchst, die Idee dahinter ist aber einfach: Wer will oder muss kann die Schulzeit verlängern und individuell gestalten.

Wie das im einzelnen funktioniert, wird hier am Beispiel von vier fiktiven Schüler:innen erklärt. ...
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