Module statt Jahrgangsstufen

Konzept für individuelles Lernen

Das Gymnasium in seiner derzeitigen Form ist nicht mehr zeitgemäß. Mit einem flexiblen Modulsystem könnte jeder Schüler Lernzeit und Lerninhalte an seinen persönlichen Bedarf anpassen. Das BLLV-Konzept macht das pauschale Wiederholen aller Fächer einer Jahrgangsstufe überflüssig.

Das Problem: Schuldauer und individuelle Lernzeit

Die übereilte und unausgegorene Einführung des G8 hat zahlreiche Probleme aufgeworfen, insbesondere einen enormen Zeit- und Lerndruck. Dabei sind pädagogische und didaktische Defizite besonders zu Tage getreten.

Das G8 und das G9 parallel zu führen, ist zwar möglich, verursacht aber wieder neue Probleme: Insbesondere schafft sie eine Konkurrenzsituation zwischen Gymnasien, die dieses Modell aufgrund ihrer Größe problemlos anbieten können, und kleinen Gymnasien im ländlichen Raum, bei denen dies nicht möglich ist.

Außerdem kann es zu enormen Ressourcen- und Organisationsproblemen kommen, wenn sich an Gymnasien so viele Schüler für den G9-Zug anmelden, dass der G8-Zug nicht mehr ausreichend Schüler hat.

Die Diskussion um die Dauer des Gymnasiums überlagert wichtige pädagogische und didaktische Fragen - insbesondere die Frage, wie heute individuelles Lernen möglich ist und wie ein neuer kompetenzorientierte Lernbegriff in der jetzigen Schulorganisation auch tatsächlich sinnvoll eingeführt werden kann.

Das Ziel: Individuelle Lerngeschwindigkeiten zulassen

Nach den kontroversen Diskussionen um die Dauer des Gymnasiums, Verdichtung, Schulstress und Lernzeit muss es oberstes Ziel sein, langfristig Ruhe und Planungssicherheit zurückzubringen.

Aus unserer Sicht ist der Zeitpunkt gekommen, einen Weg aus der Sackgasse G8 oder G9 zu finden. Wir sind der Überzeugung, dass man in den Jahrgangsstufen sieben mit zehn realistische Wege finden kann, damit die Schülerinnen und Schüler ihre Lernzeit selbst bestimmen können. Das Gymnasium kann mit etwas Flexibilität Organisationsformen finden, um die unterschiedlichen Motivlagen der Schülerinnen und Schüler zu berücksichtigen und flexibel auf mögliche Veränderungen zu reagieren.

Bei einem parallelen Angebot von G8 und G9 müssten sich alle Schülerinnen und Schüler nach der fünften Klasse für einen acht- oder einen neunjährigen Bildungsgang entscheiden. Das widerspricht dem Ziel, ein differenziertes, individuelles Lernen zu ermöglichen. Es bliebe lediglich die Wahl zwischen zwei starren und unflexiblen Bildungsgängen, deren Parallelführung enorme schulorganisatorische Schwierigkeiten mit sich brächte.

Bei Gymnasien, die sich für einen der beiden Bildungsgänge entschieden haben, müsste man sich sogar bereits beim Übertritt festlegen, ob man ein G8 oder ein G9 besucht. Das parallele Angebot ist also keine wirklich zufriedenstellende Antwort auf die Notwendigkeit individuellen Lernens.

Die Antwort: Modularisierung statt Jahrgangsklassen

Der BLLV tritt daher für ein flexibles Modulsystem ein. In diesem System kann jeder Schüler seine Lernzeit selbst bestimmen und das Gymnasium in acht oder neun Jahren absolvieren. Jedes Gymnasium kann ein solches Modulsystem nach der sechsten Jahrgangsstufe einführen. Es gibt keine Gymnasien erster oder zweiter Klasse mehr und keine Konkurrenz untereinander.

Ein solches System ist auch leichter zu organisieren als die wenig ergiebige MittelstufePlus mit ihren starren Zügen, die zu abenteuerlichen Kombinationsbildungen zwingt. Außerdem wird der Schulfrieden gewahrt, da die Schulgemeinschaft nicht zur Entscheidung gezwungen wird, ob sie ein acht- oder ein neunjähriges Modell einführt.

Die Module werden auf der Grundlage des LehrplanPlus entwickelt. Es können keine Fächer „abgewählt“ werden. Die Schülerinnen und Schüler wählen aus den Angeboten der Schule unter Berücksichtigung bestimmter Rahmenvorgaben verschiedene Module. Dabei wird unterschieden zwischen Fachmodulen, Zusatzmodulen in Form von Fördermodulen, Plusmodulen oder Brückenmodulen und Projektmodulen:

  • Fachmodule dienen der Vermittlung der Lehrplaninhalte jeweils eines Schuljahres. Innerhalb eines Fachmoduls findet keine Leistungsdifferenzierung statt. Somit ist sichergestellt, dass mit einem erfolgreichen Abschluss der Fachmodule der zehnten Jahrgangsstufe die Oberstufenreife erreicht wird.
  • Zusatzmodule bieten über den Lehrplan hinausgehende oder vertiefende Lerninhalte. Es gibt drei unterschiedliche Zusatzmodule: Durch das Wählen eines Plusmoduls kann ein Schüler/eine Schülerin individuelle Stärken ausbauen. Individuelle Schwächen können durch den Besuch von Fördermodulen (im Sinne einer Intensivierung) ausgeglichen werden. Außerdem gibt es für den Fall, dass eine Schülerin oder ein Schüler ein zusätzliches Schuljahr einplant, Brückenmodule. Sie ersetzen für diese Zeit ein Fachmodul, um den Anschluss sicher zu stellen.
  • Projektmodule ermöglichen eine andere Form des Lernens durch das Eintauchen in ein spezielles Thema in Form von Projektarbeiten, die fächerübergreifend angeboten werden und Lehrplaninhalte der Sachfächer abdecken.

Diese Module können über ein halbes oder ganzes Schuljahr laufen oder auch kürzere Zeitspannen umfassen. Die längeren Module bieten sich vor allem für die Kernfächer an. Die kürzeren Module können für fachübergreifende Themen- oder Projektarbeit genutzt werden, die Inhalte der verschiedenen Fachlehrpläne insbesondere der Sachfächer bündeln.