Religion motiviert zu guten Noten

Wenn Kinder mit muslimischem Hintergrund in der Schule schlechter abschneiden, hat das nichts mit ihrer Religion zu tun. Im Gegenteil: junge, religiöse Muslime sind sogar ehrgeiziger als andere Gleichaltrige. Das zeigt eine Studie der Universitäten Konstanz und Göttingen.

Infographik: Welche Bedeutung hat Religion im Elternhaus?

 

"Bildungsungleichheit auf Religiosität oder Religionszugehörigkeit zurückzuführen, ist zu kurz gedacht. Stattdessen sollten Politik und Gesellschaft die Anstrengungen für frühkindliche Bildungsangebote und Ganztagsschulen ausbauen", sagt Dr. Felix Streiter, Bereichsleiter Wissenschaft der Stiftung Mercator, mit deren finanzieller Unterstützung die Studie entstand.

Entscheidend für den Bildungserfolg von Kindern mit Migrationshintergrund sind laut Studie stattdessen der soziale Hintergrund des Elternhauses sowie kognitive und sprachliche Fähigkeiten des Kindes. Weitere Ergebnisse der Studie lauten:

  • 62 Prozent der muslimischen Schüler/innen ist ihr Glaube "wichtig". Generell lässt sich sagen: Menschen mit Migrationshintergrund sind tendenziell religiöser als Einheimische - unabhängig von der jeweiligen Religionszugehörigkeit.

  • Religiöse Muslime haben meist eine stärkere Leistungsmotivation als nicht-religiöse Muslime - auch im Vergleich zu Einheimischen.

  • Muslimische Kinder haben insgesamt etwas schlechtere Noten als Kinder mit einer anderen  Religionszugehörigkeit. Die Studienautoren begründen das damit, dass im Elternhaus meist vorrangig in der Herkunftssprache gesprochen wird und der Bildungshorizont häufig niedriger ist als in anderen Familien.

  • Bei gleichem Sozial- und Bildungsstatus der Elternhäuser unterscheiden sich die Noten der Kinder und der Schultyp, den die Kinder besuchen, nicht.

Diesen letzten Punkt nehmen die Autoren, Soziologen der Uni Konstanz und Göttingen, als Beleg dafür, dass muslimische Schüler und Schülerinnen entgegen manchner Annahme nicht systematisch diskriminiert werden.

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Zur Studie

  • Studienautoren: Prof. Dr. Claudia Diehl, Uni Konstanz, und Prof. Dr. Matthias Koenig, Uni Göttingen

  • Befragt wurden rund 5000 Schüler und Schülerinnen der 9. Klasse. Die Analyse basiert auf dem deutschen Datensatz des Children of Immigrants Longitudinal Survey in Four European Countries (CILS4EU), einer Panelstudie von Schülerinnen und Schülern der neunten Klasse, ihren Eltern, Lehrerinnen und Lehrern.

  • Untersuchungszeitraum: 2010 bis 2011

  • gefördert von der Stiftung Mercator. Stiftungsziele: eine weltoffene Gesellschaft der Chancengleichheit. Ein besonderer Fokus liegt auf Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund.