Bild: So fand Künstlerin Inge Schmidt das Kleid auf dem Wertstoff vor. Ein Mitarbeiter des Hofes hatte es aus einem Container gerettet und an die Außenwand gehängt.
Idee für Klassen- und fächerübergreifendes Projekt 06.04.2021 Startseite kleinIndividuelle FörderungKreativität

Das Rätsel vom Hochzeitskleid auf dem Wertstoffhof

Die Poinger Künstlerin Inge Schmidt findet auf dem Wertstoffhof ein edles Hochzeitskleid. Das Kleid und seine geheime Geschichte lässt sie nicht los - und sie nimmt es mit nachhause. Jetzt soll es als Kunstprojekt als Phantasieanreger dienen.

Da hing es, das cremeweiße Hochzeitskleid, an einem froschgrünen Container. Ein Wertstoffhofmitarbeiter hatte Mitleid gehabt, es aus dem Container gefischt und an die Außenwand gehängt, um ihm noch eine Chance zu geben.

Wieso entsorgt jemand so ein besonderes Kleidungsstück?

Das Bustier mit feinen Perlen bestickt, abgesetzte Biesen, mit einem langen Rock aus Edeltaft. Ein edles Stück, geschneidert auf den Leib einer "Frau mit einer Traumfigur", das sah die Poinger Künstlerin Inge Schmidt sofort. Sie kann das beurteilen, schließlich hat Inge Schmidt vor ihrem Leben als Bildhauerin viele Jahre für internationale Kaufhauskonzerne in der Modebranche gearbeitet. „Wie ein Blitz hat es mich getroffen“, so beschreibt Schmidt den Moment, als sie zum ersten Mal das Kleid sah.

Sie verspricht dem Kleid: „Du wirst noch eine tolle Geschichte bekommen“

Das Kleid trägt Gebrauchsspuren der Besitzerin. Mutmaßlich von ihrem Hochzeitstag: verwischtes Make-Up, der Saum des Kleides durchgetanzt. Es fängt an in ihrem Kopf zu rattern: Wieso entsorgt jemand so ein besonderes Kleidungsstück? Was mag wohl die Geschichte des Kleides sein? Wurde die Braut betrogen und das Kleid zum Ballast? Ist die Braut verstorben und das Kleid eine zu schmerzliche Erinnerung? Es gibt viele Möglichkeiten. „Du wirst noch eine tolle Geschichte bekommen“, verspricht sie dem Kleid, als sie es vom Wertstoffhof mitnimmt. Was sie genau damit machen will, weiß sie zu diesem Zeitpunkt aber noch nicht.

Kleid als Phantasieanreger in Schulen

Mehrere Monate vergehen, bis sich für Schmidt herauskristallisiert, in welche Richtung es mit dem Kleid geht: Es soll als Ferienprojekt in Schulen zum Einsatz kommen, insbesondere interdisziplinär. An Schulen hat Schmidt als Bildhauerin bei Ferienprojekten schon selber Erfahrungen gesammelt und gemerkt, dass besonders da die Kinder glänzten, die sonst eher schwache schulische Leistung erbrachten. Ein großer Selbstbewusstseinsschub für die Kinder.

Ziel des Projektes ist Klassen- und fächerübergreifend arbeiten, zum Beispiel in  Deutsch – Kunst – Musik – Sport. Da könnte jede Schülerin und jeder Schüler entsprechend seinen Fähigkeiten sprachlich, künstlerisch, musikalisch oder sportlich aktiv werden. Am Ende der Projektwochen könnte ein Schulevent stehen. Hier könnten all die unterschiedlichen Blicke auf das Thema mit Hilfe der  eingesetzten Disziplinen auf großer Bühne vor Schul- und Elternpublikum vorgeführt werden. "Das kreiert Freude, Bestätigung, Stolz, Halt und Wertebewusstsein", so Schmidt.

Konkret könnte Schmidt sich vorstellen, dass das Hochzeitskleid und seine Fundgeschichte als Phantasieanreger dienen, so dass Schülerinnen und Schüler etwa zunächst aufschreiben, welche Geschichte sie dem Kleid zuschreiben.

Danach ginge es weiter mit Aktionen wie

  • Malen mit Buntstiften, Pinsel und Farbe – bei der Schlussveranstaltung wird die Malerei auf das Hochzeitskleid gebeamt.
  • Bildcollagen & Materialcollagen erstellen (Fotos machen ggf. bildbearbeitet, verfremdet, übermalt, überhöht
  • Texte oder Gedichte schreiben
  • Kurzgeschichten schreiben
  • Handgemachtes Album oder Leporello erstellen bestückt mit Geschichten und Malerei –  ausgestellt  in Vitrinen
  • Liedtext (Rap), dazu eine Melodie komponieren und ergänzen mit Choreografie. (Schmidt erinnert an das berühmte Schulprojekt mit Sir Simon Rattle in Berlin „Rhythm is it“)
  • Social-Media-Projekt erarbeiten bspw. Insta Stories (#Brautkleidchallenge, #valuesmatter), Videos, Graphic Novels (Geschichten und Comics erfinden) –
  • Improvisationstheater inszenieren
  • Produktion einer Installation (Bildhauerei im weitesten Sinne) z.B auf Stelen
  • Einen Filmclip erarbeiten mit eigenen Handys u.v.m

Wichtig ist für Schmidt in diesem Zusammenhang mit den Schülern das Bewusstsein für Wertschätzung (warum bekommen Dinge Wert?) und Wertverlust (warum verlieren Dinge an Wert?) zu schärfen und dies exemplarisch am Hochzeitskleid und dem Wertstoffhof aufzuzeigen.

Wer Lust hat, mit Inge Schmidt ein spannendes Kunstprojekt zu erarbeiten und an seine Schule zu holen, kann per Email mit der Künstlerin Kontakt aufnehmen: i-s-poing(at)gmx.de

Weitere Informationen

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Alle Lehrkräfte stehen derzeit vor der Herausforderung, das selbstorganisierte Lernen der Schülerinnen und Schüler intensiv zu begleiten. Hier finden Sie Medientipps, die Schreiben des Kultusministeriums zu dieser Thematik und Datenschutzregeln: Tipps zu digitalen Medien