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Evangelischer Kirchentag: Bildungspolitik braucht Wissenschaft und Praxis

Zum Thementag Bildungsgerechtigkeit forderten Experten multiprofessionelle Teams an Schulen, individuelle Förderung und kooperative Schulentwicklung. BLLV-Präsidentin Simone Fleischmann rief die Politik zur Vernetzung mit Wissenschaft & Praxis auf.

Wie Bildungsgerechtigkeit erreicht werden kann, das zeigten Experten beim Evangelischen Kirchentag in Dortmund: Das diesjährige Motto „Was für ein Vertrauen“ wurde mit einem Thementag und einer Podiumsdiskussion „Gerechtes Bildungssystem – von der Wut zum Mut“ auf den Schulkontext angewendet.

In ihrem Vortrag „Bildungspolitik – fördert oder bremst?“ stellte BLLV-Präsidentin Simone Fleischmann klar, dass es einen deutlichen Unterschied zwischen der Zeichnung von Bildungsgerechtigkeit in politischen Sonntagsreden und der schulischen Realität gebe. Das zeigt sich besonders an schulischen Herausforderungen wie beispielsweise Inklusion, Integration, individueller Förderung oder Demokratiepädagogik, deren Bewältigung besonders großes Potenzial für Bildungsgerechtigkeit bergen, das in der Praxis aber mangels politischer Rahmenbedingungen nicht so genutzt werden kann wie nötig.

Vertrauen in die Profis

Um hier voranzukommen mahnte Fleischmann eine engere Vernetzung der Bildungspolitik mit Experten aus Wissenschaft und der Praxis an. Mit Blick auf das Motto des Kirchentags fragte sie als Vertreterin der Praxis: „Wie steht es mit dem Vertrauen in die Schule wirklich?“ und stellte klar: „Wir sind Profis, wenn man uns vertraut.“

Die nötigen Konzepte seien in Wissenschaft und Praxis vorhanden und Konsens. Simone Fleischmann verwies dazu auf das Leitbild ganzheitlicher Bildung, das der BLLV auf seiner Landesdelegiertenversammlung unter dem Motto „Herz. Kopf. Hand. Bildung ist Zeit für Menschen“ erarbeitet hat und dabei insbesondere einen neuen, individuellen Blick auf Leistung und Leistungsrückmeldung fordert. Fleischmann kritisierte das „Besser, höher, schneller und weiter“ als Ideal der Leistungsgesellschaft und das „Sortieren“ von Kindern als direkte Folge in Schulen. „Nein, sagt der BLLV dazu“, stellte die Präsidentin klar und forderte ein ganzheitliches Menschenbild als Basis gerechter Bildung.

Gemeinschaft bildet Vertrauen

Der Geschäftsführer der Deutschen Schulakademie, Prof. Dr. Hans Anand Pant, konstatierte in seiner Keynote einen Vertrauensverlust, den deutsche Schulen durch die PISA-Studie erlitten hätten. Zurückzugewinnen sei es am besten durch kooperatives Handeln, beispielsweise auch durch die intensive Zusammenarbeit mit Institutionen vor Ort, wie das an der Dortmunder Grundschule Kleine Keilstraße gelungen sei: Die Preisträgerschule des Deutschen Schulpreises habe so eine einzigartige Vertrauenskultur geschaffen – ein Musterbeispiel für Schulentwicklung, die stark an individuellen Gegebenheiten orientiert gestaltet wird.

Auch Pant betonte die große Bedeutung multiprofessioneller Teams für die Bildungsgerechtigkeit in Schulen und der individuellen Förderung im Kontext von Lernbegleitung und Leistungsrückmeldung.

Durch den Diskurs geführt wurden Experten und 500 interessierte Gäste von Silvia-Iris Beutel, Professorin an der TU Dortmund und im Programmteam der Deutschen Schulakademie, die die Veranstaltung auch geplant und organisiert hatte.

Weitere Informationen

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