Donaukurier vom 04.02.2024 Regionales

Mit voller Kraft für die Kinder

Söders Idee, weniger Teilzeitarbeit führe zu mehr Personal in Schulen, brachte viel Kritik, vor allem von Lehrerverbänden. Karin Leibl, BLLV Kreisvorsitzende in Ingolstadt spricht im Donaukurier für die Kolleginnen und Kollegen an Grund- und Mittelschulen.

Hauptbrennpunkt der Debatte ist die Familienpolitische Teilzeit. Diese wollte der Ministerpräsident an das Alter der Kinder binden. Hauptbretroffene wären dabei mit über 90 Prozent Frauen. Zusätzlich sollten Einsteiger die Möglichkeit auf Teilzeit erstmal nicht bekommen oder eine Höchstdauer für Teilzeit festgelegt werden.

Bei einem sind sich alle Verbände einig: Wenn die Rahmenbedingungen für Lehrkräfte besser wären und die Belastung durch den Lehrermangel wegfallen würde, dann käme ein freiwilliges Aufstocken für viele eher in Betracht. Denn was bei der Teilzeit-Debatte nicht berücksichtigt werde, so Leibl: dass durch den Personalmangel und damit einhergehenden Unterrichtsausfall auch viele Kinder von Lehrkräften betroffen sind, die dann natürlich betreut werden müssen.

Familienpolitische Teilzeit betrifft fast nur Frauen

Karin Leibl ist Vorsitzende des Personalrats und BLLV-Kreisvorsitzende in Ingolstadt. Aktuell sind in ihrem Bezirk lediglich 197 von 800 Lehrkräften in familienpolitscher Teilzeit. Ihrer Erfahrung nach rechnen die Finanzämter so, dass wenn ein Fünftel der Lehrkräfte aufstocken würde, dann bei der Personalversorgung wieder klar Schiff wäre. Doch diese Rechnung gehe laut Leibl nicht auf: "Statistisch ist das leicht zu machen. Praktisch nicht." Komplett außer acht gelassen werde, dass Menschen, die familienpolitische Teilzeit nehmen, gar nicht anders können. Nicht nur wegen der Kinder, sondern sehr oft auch, weil ältere Angehörige betreut werden. Und auch hier treffe es fast ausschließlich Frauen.

Die Arbeit geht über die Zahl der Unterrichtsstunden hinaus

Die Rahmenbedingungen für die Vereinbarkeit von Familie und Schuldienst fangen laut Leibl bereits bei der Organisation des Alltags an. "Im März, April muss man einen Kitaplatz buchen, aber seinen Stundenplan bekommt man erst im September. Mütter müssen immer besonders flexibel sein." beschreibt Leibl ein Problem bei der Planung. Viele Lehrerinnen mit Kindern seien daher darauf angewiesen, sich in Teilzeit mit einer weiteren Teilzeitlehrerin die Leitung einer Klasse zu teilen. Das ermögliche es zum Beispiel, dass eine erst in der zweiten Stunde anfängt, um ohne Stress ihr Kind in die Kita bringen zu können.

"Jeder sieht die Not an der Schule"

Wichtig ist Karin Leibl, dass es nicht um "unwillige" Lehrerinnen und Lehrer geht. Der Wille sei da, aber in der Realität sieht es dann ganz anders aus. Das liege nicht nur an der Zeit, sondern viele seien auch einfach gesundheitlich nicht in der Lage. Denn abgesehen vom Unterricht, muss dieser ja auch vorbereitet werden, Schulaufgaben korrigiert und Zeugnisse geschrieben werden. Um die Situation zu verbessern schlägt Karin Leibl daher vor: ,,Mehr Entgegenkommen bei der Kinderbetreuung." Zum Beispiel bei der Anpassung der Unterrichtszeiten an Kita-Zeiten. Denn die BLLV-Vorsitzende weiß: "Viele Kolleginnen würden gern mehr Stunden geben, wenn sie es gut mit ihrer Familie vereinen könnten."