Unzufriedenheit mit Krisenmanagement 09.04.2021 StartseiteReferendariatGymnasium

Referendariat am Gymnasium unter verschärften Bedingungen

Das Referendariat ist das Bindeglied zwischen Studium und Berufsleben für die bayerischen Lehrerinnen und Lehrer. Dort sollen die Absolventinnen und Absolventen der Lehramtsstudiengänge den Feinschliff erhalten, bevor sie eigenverantwortlich und als vollwertige Lehrkraft die bayerischen Schülerinnen und Schüler unterrichten werden. Dadurch wird dem Referendariat eine große Verantwortung zuteil, die angehenden Lehrkräfte bilden und erziehen letztendlich für rund 40 Jahre tausende Schülerinnen und Schüler.

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Durch die Covid-19 Pandemie werden diverse Abläufe des Alltags, aber auch des Ausbildungswesens, massiv gestört: Schulen werden geschlossen und geöffnet, Ausgangssperren verhängt und Kontaktbeschränkungen erlassen. An den bayerischen Universitäten werden neue Prüfungsformate, beispielsweise Online-Prüfungen, geschaffen, damit die Studierenden trotz Pandemie zügig ihren Berufsabschluss erhalten.

Eine ähnliche Flexibilität vermisst man jedoch im Vorbereitungsdienst für das Lehramt am bayerischen Gymnasium. Referendarinnen und Referendare der Oberseminare, das heißt diejenigen, die sich am Ende ihrer Ausbildung befinden, fehlen teilweise noch immer Prüfungslehrproben (PLP) aus den vorherigen Ausbildungsabschnitten.

Ein Trend, der sich nun auch in den jüngeren Ausbildungsjahrgängen erkennen lässt. Eine nicht-repräsentative Umfrage innerhalb des Jahrganges mit Beginn des Referendariats im September 2020 (62 Teilnehmer) hat ergeben, dass erst 13% der Referendarinnen und Referendare ihre erste Lehrprobe abgehalten haben, die eigentlich bis zum Ende des abgelaufenen Schulhalbjahres fällig war. Nach aktuellem Stand sollen die ausstehenden Lehrproben bis zum Ende dieses Schuljahres an den Einsatzschulen der Referendarinnen und Referendare gehalten werden. Ein Vorhaben, das mit Blick auf das aktuelle Infektionsgeschehen sehr ambitioniert wirkt. Problematisch wird es vor allen Dingen dadurch, dass seitens des Kultusministeriums keine weitere Konkretisierung dieses Plans angegangen wird. Die Schulen mit den entsprechenden Seminarvorständen stehen, zusätzlich zu all den bereits vorhandenen Aufgaben, vor der Herkulesaufgabe, diesen Plan umzusetzen. Dazu werden den Prüflingen bayernweit Termine genannt, zu denen sie sich festlegen müssen, in welchem Fach und welcher Klasse sie ihre 1. PLP halten möchten, teilweise ohne, dass sie ihre Klassen überhaupt kennenlernen konnte (wegen Distanz- bzw. Wechselunterricht).

Damit die Chancengleichheit innerhalb des Ausbildungsjahrganges gewährt bleibt, fordere ich daher das Kultusministerium dazu auf, eine klare Anweisung für das weitere Vorgehen in Bezug auf das Abhalten der 1. PLP herauszugeben. Im Rahmen der oben genannten Umfrage halten 77% der Referendarinnen und Referendare das Ersetzen der 1. PLP durch ein Prüfungsgespräch gegenüber dem Aufschieben für die bessere Option.

Dennis Frank, Fachgruppe Gymnasium des MLLV

 

In den folgenden Grafiken können Sie sich durch die Auswertung der Umfrage klicken: