Ernst Jonah Ehrentreu (1896 bis 1981)

Historischer Hintergrund

Mit der Reichsverfassung von 1871 war nach Jahrhunderten der Diskriminierung die rechtliche Gleichstellung der Juden vollständig erreicht. Dass dieser Zustand aber nicht einmal die nächsten 70 Jahre andauern – und dann sogar in einem historisch einmaligen Völkermord enden würde – hat zu diesem Zeitpunkt sicherlich niemand geahnt.   Und auch schon bevor der Zweite Weltkrieg – bei dem unter Adolf  Hitlers Führung sechs Millionen Juden grausam ermordet wurden – begonnen hatte, wurden Juden zunehmend geächtet, diskriminiert, ausgegrenzt, entrechtet und ins Exil vertrieben. Es wurden innerhalb kurzer Zeit zahlreiche Gesetze, die das Leben der Juden zunehmend erschwerten, verabschiedet. Ein Höhepunkt der Verfolgung war die Reichspogromnacht am 9. November 1938. In dieser Nacht, in der über 1400 Synagogen, Betstuben und sonstige Versammlungsräume sowie tausende Geschäfte, Wohnungen und jüdische Friedhöfe zerstört wurden, in der HJ-Funktionäre in einer Nacht- und Nebelaktion wohlhabende Juden zur Herausgabe ihres Bargeldes zwangen und einige Münchner Juden Suizid als einzigen Ausweg sahen. In dieser Nacht hätte auch der Rabbiner Dr. Ernst Ehrentreu beinahe sein Leben verloren.

Familie, Ausbildung und erste Berufsjahre

Ernst Ehrentreu kam am 12. Mai 1896 in München als zweites von fünf Kindern zur Welt. Die Mutter, Ida Eitel Ehrentreu, geborene Feuchtwanger, stammte aus Fürth, ihr Mann Heinrich Ehrentreu verdiente sein Geld – wie später auch der Sohn Ernst – als Rabbiner der Religionsgemeinschaft der Münchner orthodoxen Juden, Ohel-Jakob.

Knapp drei Jahre nahm Ernst Ehrentreu als Soldat am Ersten Weltkrieg teil, bevor er 1918 in München sein Studium begann, welches er in Berlin sowohl an der Universität, als auch am Rabbinerseminar fortsetzte und schließlich 1921 in Königsberg in Ostpreußen (heute russ.: Kaliningrad) beendete. Wie schon in seinem Studium wechselte Ehrentreu auch in den ersten Berufsjahren häufig seinen Aufenthaltsort: Von April 1921 bis Ende 1922 arbeitete Ehrentreu als Schulleiter der israelitischen Talmud-Thora-Schule in der Klenzestraße in München. Noch im selben Jahr wurde er als Mitglied des Rabbinergerichts nach Bratislava berufen. Er arbeitete als Lehrer an der dortigen Jeschiwa, einer der größten und einflussreichsten Talmudhochschulen in Mitteleuropa. 1924 promovierte er mit 28 Jahren. Seine Arbeit veröffentlicht er ein Jahr später unter dem Titel „Untersuchungen über die Massora, ihre geschichtliche Entwicklung und ihren Geist“ und widmete sie seinem Vater Heinrich Ehrentreu.

Von April 1924 bis Juli 1925 verbrachte Dr. Ernst Ehrentreu mehr als ein Jahr als Leiter der Religionsschule in Baden bei Wien. 1925 und 1926 war er Dozent für Psychologie und Pädagogik, Mitarbeiter der Leitung und Lehrer für Chissuk Hadass und Geschichte bei einem Lehrerausbildungsprogramm in Robów, einem kleinen Dorf in den polnischen Karpaten, das heute zu Kreisstadt Nowy Targ in Südpolen gehört. Hier wurden in sechswöchigen Ferienkursen Fortbildungen für Lehrerinnen an Beth-Jakob-Mädchenschulen in Polen angeboten. Vom 16. Juli 1925 bis Ende 1926 war er als Rabbinatssubstitut bei der israelitischen Kultusgemeinde München angestellt, von der er während dieser Zeit auch besoldet wurde. Nach dem Tod seines Vaters am 4. Januar 1927 trat Dr. Ehrentreu dann dessen Nachfolge als Rabbiner an der orthodoxen Synagoge der Religionsgemeinschaft Ohel-Jakob in München an und lehrte an der jüdischen Volksschule in der Herzog-Rudolf-Straße.

Am 2. Mai 1926 hatte Dr. Ehrentreu in Kissingen seine acht Jahre jüngere Frau Jenny Fanny Ehrentreu, geb. Heckscher, geheiratet, mit der er Ende September des Jahres in die Herzog-Rudolf-Straße 18/III in München eingezogen war. In dieser Straße befand sich auch die israelitische Volksschule, an der Fanny Ehrentreu von 1931 bis 1938/39 als Lehrerin tätig war. Fünf Monate nach dem Einzug in die Herzog-Rudolf-Straße kam am 22. Februar 1927 das erste ihrer sechs in München geborenen Kinder zur Welt: Heinrich Chanoch. Eineinhalb Jahre später am 27. August 1928 inr Sohn Simon. Im Dezember des folgenden Jahres erblickte der dritte Sohn, Julius, das Licht der Welt. Und wieder ein knappes Jahr später zog die bis jetzt fünfköpfige Familie Ehrentreu in die Wagmüllerstraße 18 in München. Die erste Tochter, Ida Esther, wurde am 5. Mai 1931 geboren, gut ein Jahr später, im August, die zweite: Ruth. Vier Jahre nach Ruth kam das letzte Kind der Ehrentreus, Hannah, zur Welt.  

Diskriminierung und Verfolgung

„Am 30. Dezember 1932, in der Zeit zwischen 1 und 3 Uhr wurde die Jalousie des Arbeitszimmers, des [in der] Wagmüllerstrasse 18/0 wohnhaften Rabbiners Dr. Ernst Ehrentreu durch unbekannte Täter mit Petroleum übergossen und in Brand gesetzt."  Mit diesen Worten beginnt ein Polizeibericht, der aufgrund eines – mit großer Wahrscheinlichkeit politisch motivierten – Brandstiftungsversuches an der Wohnung Dr. Ehrentreus, verfasst wurde. Ehrentreu gibt darin an, keinen persönlichen Feind zu haben, weshalb er nicht an einen persönlichen Racheakt denkt. Es könne aber durchaus sein, dass „es sich um einen politischen Rache- oder Sabotage-Akt von Angehörigen einer dem Judentum feindlich gesinnten politischen Partei, wie der NSDAP, gegen ihn in seiner Eigenschaft als Rabbiner handle“, denn sein Name sei in der Partei aufgrund seiner in der Schächtfrage geführten Verhandlungen und dadurch, dass er in einem Prozess als Zeuge für einen seiner früheren Schüler aufgetreten ist, bekannt.

Ehrentreu gibt in diesem Polizeibericht an, keiner politischen Partei anzugehören und auch nie irgendwie politisch hervorgetreten zu sein. Antisemitische Vorfälle dieser Art waren vor 1933 in München keine Seltenheit. Unter anderem auch aus dem Grund, dass die Behörden größtenteils versuchten, sich aus solchen Angelegenheiten herauszuhalten und deshalb auch nichts dagegen unternahmen. Trotz der zunehmenden Repressalien der NS-Machthaber übte Ehrentreu sein Amt als Rabbiner weiter aus. Durch die Reichspogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938 veränderte sich Ehrentreus Leben von einem Tag auf den anderen und sein Wirken für die Münchner orthodoxe Gemeinde wurde gewaltsam beendet.

Reichspogromnacht und Inhaftierung

Mitten in der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 drangen SA-Leute in die Synagoge der Religionsgemeinschaft Ohel-Jakob in der Herzog-Rudolf-Straße ein und verwüsteten die Einrichtung sowie die darin verwahrten Kultgegenstände. Der nichtjüdische Synagogendiener Joseph Eitelhuber, der von den SA-Männern als „Judenknecht“ verspottet wurde, konnte davonlaufen und den Rabbiner zur Hilfe holen. Bei dem Versuch, wenigsten die 70 Thorarollen vor dem Feuer zu retten, wäre dieser beinahe selbst ins Feuer geworfen worden, als die Synagoge schließlich um 1.02 Uhr mit Petroleum und Benzin in Brand gesetzt wurde. Als Ehrentreu in seiner Verzweiflung aber darauf hinwies, dass er Familienvater sei, trat ein besonnener SA-Mann dazwischen und rettete ihm das Leben. Bei Eintreffen des Löschzuges stand die Synagoge bereits völlig in Flammen und als die Löscharbeiten, die bis zum Mittag des 10. November 1938 andauerten, beendet waren, war nur noch eine Ruine übrig.

Dr. Ernst Ehrentreu wurde daraufhin wie etwa 1000 andere männliche Juden aus München von der Gestapo festgenommen und als ,,Aktionshäftling“  im Dachauer Konzentrationslager für die nächsten Wochen inhaftiert. Bei der Einlieferung in Dachau wurden speziell Rabbiner schlecht behandelt. Der Zeitzeuge Arthur Berg aus München berichtet: „Am schlimmsten erging es dem orthodoxen Rabbiner Dr. Ehrentreu, der einen schwarzen Bart hat. Ihm wurden die Haare einzeln ausgerissen.“

Entlassung und Emigration

Im Januar 1939 musste er seine Stellung aufgeben, weil er, wie er selbst schreibt, vor „[s]einer Entlassung vom Konzentration-Camp Dachau, [s]ich verpflichten musste sofort Deutschland zu verlassen.“ Nach seiner Freilassung emigrierte Dr. Ernst Ehrentreu dann am 28. Februar 1939 mit seiner Frau und den sechs Kindern über Frankfurt nach London, wo er am 2. März 1939 ankam. Im Mai 1940 wurde er als ,,enemy alien“ auf der Isle of Man und kurze Zeit später in Australien interniert. Dort übte er zwei Jahre lang das Rabbineramt der Gemeinde Beth David in Melbourne aus, hatte eine Dozentenstelle für Psychologie und Religion inne und war zur gleichen Zeit auch noch als Rabbiner für die Internierten und für die Passagiere des Flüchtlingsschiffs Dunera tätig. Von 1942 bis 1946 arbeitete Dr. Ehrentreu dann als Rabbiner in der Machzikai Hadath Gemeinde und war Mitglied des Rabbinergerichtes in St. Kailda, Australien.

Nach sechs Jahren Internierung durfte er dann schließlich 1946 wieder nach England zu seiner Familie, die sich während dieser Zeit in Cambridge aufgehalten hatte, zurückkehren. Ein Jahr darauf nahm er dann die Stelle des Rabbiners der Gemeinde Kehal Adath Yeshurun in London an. Am 20. Oktober 1953 wurde der von Dr. Ernst Ehrentreu gestellte Wiedergutmachungsantrag für „nationalsozialistisches Unrecht“ nach langem Streit mit monatlichen Versorgungsbezügen in Höhe von 644.- DM festgesetzt. Ehrentreu hatte nach eigenen Angaben eine staatlich anerkannte Stellung inne und war deshalb Mitglied des Bayerischen Versorgungsverbandes für Beamte, wohin er auch die  „üblichen (nicht geringen) Beiträge bezahlt“ hat.

Drei Jahre später, am 22. Dezember 1956 wurden Dr. Ehrentreu und seine Ehefrau auf Antragstellung wieder in den deutschen Staatsverband eingebürgert. Es ist nicht bekannt, aus welchem Grund dieser Antrag gestellt wurde und ob die Familie jemals wieder nach Deutschland zurückkehrte. 1977 lebte er mit seiner Frau in London und starb dort am 11. November 1981. Jenny Fanny überlebte ihren Mann um 21 Jahre und fand schließlich im August 2002 ebenfalls in London ihre letzte Ruhe.

Familie, Ausbildung und erste Berufsjahre

Ernst Ehrentreu kam am 12. Mai 1896 in München als zweites von fünf Kindern zur Welt. Die Mutter, Ida Eitel Ehrentreu, geborene Feuchtwanger, stammte aus Fürth, ihr Mann Heinrich Ehrentreu verdiente sein Geld – wie später auch der Sohn Ernst – als Rabbiner der Religionsgemeinschaft der Münchner orthodoxen Juden, Ohel-Jakob. Knapp drei Jahre nahm Ernst Ehrentreu als Soldat am Ersten Weltkrieg teil, bevor er 1918 in München sein Studium begann, welches er in Berlin sowohl an der Universität, als auch am Rabbinerseminar fortsetzte und schließlich 1921 in Königsberg in Ostpreußen (heute russ.: Kaliningrad) beendete.

Wie schon in seinem Studium wechselte Ehrentreu auch in den ersten Berufsjahren häufig seinen Aufenthaltsort: Von April 1921 bis Ende 1922 arbeitete Ehrentreu als Schulleiter der israelitischen Talmud-Thora-Schule in der Klenzestraße in München. Noch im selben Jahr wurde er als Mitglied des Rabbinergerichts nach Bratislava berufen. Er arbeitete als Lehrer an der dortigen Jeschiwa, einer der größten und einflussreichsten Talmudhochschulen in Mitteleuropa. 1924 promovierte er mit 28 Jahren. Seine Arbeit veröffentlicht er ein Jahr später unter dem Titel „Untersuchungen über die Massora, ihre geschichtliche Entwicklung und ihren Geist“ und widmete sie seinem Vater Heinrich Ehrentreu. Von April 1924 bis Juli 1925 verbrachte Dr. Ernst Ehrentreu mehr als ein Jahr als Leiter der Religionsschule in Baden bei Wien. 1925 und 1926 war er Dozent für Psychologie und Pädagogik, Mitarbeiter der Leitung und Lehrer für Chissuk Hadass und Geschichte bei einem Lehrerausbildungsprogramm in Robów, einem kleinen Dorf in den polnischen Karpaten, das heute zu Kreisstadt Nowy Targ in Südpolen gehört. Hier wurden in sechswöchigen Ferienkursen Fortbildungen für Lehrerinnen an Beth-Jakob-Mädchenschulen in Polen angeboten.

Vom 16. Juli 1925 bis Ende 1926 war er als Rabbinatssubstitut bei der israelitischen Kultusgemeinde München angestellt, von der er während dieser Zeit auch besoldet wurde. Nach dem Tod seines Vaters am 4. Januar 1927 trat Dr. Ehrentreu dann dessen Nachfolge als Rabbiner an der orthodoxen Synagoge der Religionsgemeinschaft Ohel-Jakob in München an und lehrte an der jüdischen Volksschule in der Herzog-Rudolf-Straße.

Am 2. Mai 1926 hatte Dr. Ehrentreu in Kissingen seine acht Jahre jüngere Frau Jenny Fanny Ehrentreu, geb. Heckscher, geheiratet, mit der er Ende September des Jahres in die Herzog-Rudolf-Straße 18/III in München eingezogen war. In dieser Straße befand sich auch die israelitische Volksschule, an der Fanny Ehrentreu von 1931 bis 1938/39 als Lehrerin tätig war. Fünf Monate nach dem Einzug in die Herzog-Rudolf-Straße kam am 22. Februar 1927 das erste ihrer sechs in München geborenen Kinder zur Welt: Heinrich Chanoch. Eineinhalb Jahre später am 27. August 1928 inr Sohn Simon. Im Dezember des folgenden Jahres erblickte der dritte Sohn, Julius, das Licht der Welt. Und wieder ein knappes Jahr später zog die bis jetzt fünfköpfige Familie Ehrentreu in die Wagmüllerstraße 18 in München.Die erste Tochter, Ida Esther, wurde am 5. Mai 1931 geboren, gut ein Jahr später, im August, die zweite: Ruth. Vier Jahre nach Ruth kam das letzte Kind der Ehrentreus, Hannah, zur Welt.  

Diskriminierung und Verfolgung

„Am 30. Dezember 1932, in der Zeit zwischen 1 und 3 Uhr wurde die Jalousie des Arbeitszimmers, des [in der] Wagmüllerstrasse 18/0 wohnhaften Rabbiners Dr. Ernst Ehrentreu durch unbekannte Täter mit Petroleum übergossen und in Brand gesetzt."  Mit diesen Worten beginnt ein Polizeibericht, der aufgrund eines – mit großer Wahrscheinlichkeit politisch motivierten – Brandstiftungsversuches an der Wohnung Dr. Ehrentreus, verfasst wurde. Ehrentreu gibt darin an, keinen persönlichen Feind zu haben, weshalb er nicht an einen persönlichen Racheakt denkt. Es könne aber durchaus sein, dass „es sich um einen politischen Rache- oder Sabotage-Akt von Angehörigen einer dem Judentum feindlich gesinnten politischen Partei, wie der NSDAP, gegen ihn in seiner Eigenschaft als Rabbiner handle“, denn sein Name sei in der Partei aufgrund seiner in der Schächtfrage geführten Verhandlungen und dadurch, dass er in einem Prozess als Zeuge für einen seiner früheren Schüler aufgetreten ist, bekannt. Ehrentreu gibt in diesem Polizeibericht an, keiner politischen Partei anzugehören und auch nie irgendwie politisch hervorgetreten zu sein. Antisemitische Vorfälle dieser Art waren vor 1933 in München keine Seltenheit. Unter anderem auch aus dem Grund, dass die Behörden größtenteils versuchten, sich aus solchen Angelegenheiten herauszuhalten und deshalb auch nichts dagegen unternahmen.

Trotz der zunehmenden Repressalien der NS-Machthaber übte Ehrentreu sein Amt als Rabbiner weiter aus. Durch die Reichspogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938 veränderte sich Ehrentreus Leben von einem Tag auf den anderen und sein Wirken für die Münchner orthodoxe Gemeinde wurde gewaltsam beendet. Reichspogromnacht und Inhaftierung Mitten in der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 drangen SA-Leute in die Synagoge der Religionsgemeinschaft Ohel-Jakob in der Herzog-Rudolf-Straße ein und verwüsteten die Einrichtung sowie die darin verwahrten Kultgegenstände. Der nichtjüdische Synagogendiener Joseph Eitelhuber, der von den SA-Männern als „Judenknecht“ verspottet wurde, konnte davonlaufen und den Rabbiner zur Hilfe holen. Bei dem Versuch, wenigsten die 70 Thorarollen vor dem Feuer zu retten, wäre dieser beinahe selbst ins Feuer geworfen worden, als die Synagoge schließlich um 1.02 Uhr mit Petroleum und Benzin in Brand gesetzt wurde. Als Ehrentreu in seiner Verzweiflung aber darauf hinwies, dass er Familienvater sei, trat ein besonnener SA-Mann dazwischen und rettete ihm das Leben. Bei Eintreffen des Löschzuges stand die Synagoge bereits völlig in Flammen und als die Löscharbeiten, die bis zum Mittag des 10. November 1938 andauerten, beendet waren, war nur noch eine Ruine übrig.

Dr. Ernst Ehrentreu wurde daraufhin wie etwa 1000 andere männliche Juden aus München von der Gestapo festgenommen und als ,,Aktionshäftling“  im Dachauer Konzentrationslager für die nächsten Wochen inhaftiert. Bei der Einlieferung in Dachau wurden speziell Rabbiner schlecht behandelt. Der Zeitzeuge Arthur Berg aus München berichtet: „Am schlimmsten erging es dem orthodoxen Rabbiner Dr. Ehrentreu, der einen schwarzen Bart hat. Ihm wurden die Haare einzeln ausgerissen.“

Entlassung und Emigration

Im Januar 1939 musste er seine Stellung aufgeben, weil er, wie er selbst schreibt, vor „[s]einer Entlassung vom Konzentration-Camp Dachau, [s]ich verpflichten musste sofort Deutschland zu verlassen.“Nach seiner Freilassung emigrierte Dr. Ernst Ehrentreu dann am 28. Februar 1939 mit seiner Frau und den sechs Kindern über Frankfurt nach London, wo er am 2. März 1939 ankam. Im Mai 1940 wurde er als ,,enemy alien“ auf der Isle of Man und kurze Zeit später in Australien interniert. Dort übte er zwei Jahre lang das Rabbineramt der Gemeinde Beth David in Melbourne aus, hatte eine Dozentenstelle für Psychologie und Religion inne und war zur gleichen Zeit auch noch als Rabbiner für die Internierten und für die Passagiere des Flüchtlingsschiffs Dunera tätig.

Von 1942 bis 1946 arbeitete Dr. Ehrentreu dann als Rabbiner in der Machzikai Hadath Gemeinde und war Mitglied des Rabbinergerichtes in St. Kailda, Australien. Nach sechs Jahren Internierung durfte er dann schließlich 1946 wieder nach England zu seiner Familie, die sich während dieser Zeit in Cambridge aufgehalten hatte, zurückkehren. Ein Jahr darauf nahm er dann die Stelle des Rabbiners der Gemeinde Kehal Adath Yeshurun in London an. Am 20. Oktober 1953 wurde der von Dr. Ernst Ehrentreu gestellte Wiedergutmachungsantrag für „nationalsozialistisches Unrecht“ nach langem Streit mit monatlichen Versorgungsbezügen in Höhe von 644.- DM festgesetzt. Ehrentreu hatte nach eigenen Angaben eine staatlich anerkannte Stellung inne und war deshalb Mitglied des Bayerischen Versorgungsverbandes für Beamte, wohin er auch die  „üblichen (nicht geringen) Beiträge bezahlt“ hat. Drei Jahre später, am 22. Dezember 1956 wurden Dr. Ehrentreu und seine Ehefrau auf Antragstellung wieder in den deutschen Staatsverband eingebürgert. Es ist nicht bekannt, aus welchem Grund dieser Antrag gestellt wurde und ob die Familie jemals wieder nach Deutschland zurückkehrte. 1977 lebte er mit seiner Frau in London und starb dort am 11. November 1981. Jenny Fanny überlebte ihren Mann um 21 Jahre und fand schließlich im August 2002 ebenfalls in London ihre letzte Ruhe.

Quellen

  • BayHStA MK 49580, Wiedergutmachung Ernst Ehrentreu.
  • StadtA Mu; Judaica-Pers. Ernst Ehrentreu; Neuaufl. 1968.
  • BayHStA MK 49580, Wiedergutmachung Ernst Ehrentreu. [
  • Stadtarchiv München (Hg.): Beth ha-Knesseth Ort der Zusammenkunft. Zur Geschichte der  Münchner Synagogen, ihrer Rabbiner und Kantoren, München 1999, S.160.
  • Jüdische Presse 1925, Nr. 32 vom 07.08.1925 (Seite 211).
  • Stadtarchiv München (Hg.): Beth ha-Knesseth, S.160. [1] BayHStA MK 49580, Wiedergutmachung Ernst Ehrentreu.
  • StadtA Mu; NS-Opfer / Personen; Stand vom 01.03.2012; Konzeptdruck; S.4.
  • StAM Pol. Dir. 120022.
  • Hans Lamm (Hg.): Vergangene Tage – jüdische Kultur in München, München 1982, S. 480.
  • Stadtarchiv München (Hg.):  „Kristallnacht“ - Gewalt gegen die Münchner Juden im November 1938; München 1998, S. 65. 
  • schoah.org/pogrom/muenchen/buch.htm; zuletzt aufgerufen am 31.10.2012.

  • Ben Barkow, Raphael Gross und Michael Lenarz (Hg.): Novemberpogrom 1938 – Die Augenzeugenberichte der Wiener Library, London, Frankfurt am Main 2008, S. 533.
  • Stadtarchiv München (Hg.): Beth ha-Knesseth, S.160.
  • StAM Pol. Dir. 120022.
  • StadtA Mu; Judaica-Pers. Ernst Ehrentreu.
  • StadtA Mu; NS-Opfer / Personen; Stand vom 01.03.2012, Konzeptdruck, S.6.

Bilder

  • Dr. Ernst Ehrentreu (ca. 1929) Quelle: StAM Pol. Dir. 120022
  • StAM Pol. Dir. 120022

 

Sophie Bayerl

Ich 1995 geboren. Ich bin dankbar dafür, dass ich mir durch die Recherchen und das Verfassen dieser kurzen Biografie über Dr. Ernst Ehrentreu ein etwas besseres Bild davon machen konnte, wie schwer das Leben für zahlreiche Menschen während und auch nach der Zeit des Nationalsozialismus gewesen sein muss.