Positionierung des BLLV

Jetzt mal ehrlich: Wie können wir Bildungs- und Erziehungspartnerschaft gut gestalten?

Die Zusammenarbeit von Schule und Elternhaus rückt, nicht zuletzt durch die gesellschaftlichen Herausforderungen der momentan zu bewältigenden Situation, immer mehr in den Fokus gelingender Bildungsarbeit. Das Aufgabenspektrum von Schule und damit der Lehrerinnen und Lehrer hat in den letzten Jahren enorm zugenommen. Integration, Inklusion, Ganztag, Digitalisierung, individuelle Förderung gehören zum Schulalltag. Die Bewältigung dieser Herausforderungen ist letztlich jedoch nicht nur Aufgabe der Schulen, sondern eine gesamtgesellschaftliche. Schule besitzt eine zentrale Rolle in der Lebensbiographie von (jungen) Menschen, dennoch kann sie nicht alles alleine leisten. Schon gar nicht ohne entsprechende strukturelle oder ressourcenbezogene Anpassungen.

Mit der gestiegenen Vielfalt an Aufgaben wächst nicht zuletzt der Kooperationsbedarf zwischen Elternhaus und Schule. Gründe hierfür sind unter anderem …zunehmende Erwartungen an die Lehrerinnen und Lehrer, zunehmende Verhaltensauffälligkeiten bei den Schülerinnen und Schülern, zunehmende Verunsicherung auf Seiten der Eltern hinsichtlich Erziehungsfragen oder zunehmende Konflikte vor dem Hintergrund des Leistungsdrucks und der Notengebung. In diesem Zusammenhang wird immer deutlicher, dass der Bildungserfolg der Kinder und Jugendlichen nur gemeinsam im Rahmen einer guten und nachhaltigen Bildungs- und Erziehungspartnerschaft wirklich sichergestellt werden kann. Es reicht nicht, erst dann miteinander ins Gespräch zu kommen, wenn Probleme auftauchen.

Konflikte treten häufig an den Übergängen im Schulsystem auf

Viele dieser Probleme entstehen nicht aufgrund einer fehlenden Kooperationsbereitschaft von Seiten der Lehrkräfte oder der Eltern, sondern haben systemische Gründe. Dies zeigt sich darin, dass Konflikte häufig an den Übergängen im Schulsystem auftreten. In hoch selektiven Schulsystemen wie in Bayern, wird Leistung in erster Linie als Grundlage für Klassifizierungen und Ausleseentscheidungen verstanden. Es erfüllt daher in erster Linie die Funktion, Lebenschancen zuzuweisen. Und diese Lebenschancen werden formal insbesondere an den Übergängen zugewiesen, was den Leistungsdruck gerade an diesen Stellen erhöht.

Auch wenn die Zusammenarbeit zwischen Lehrkräften und Eltern meist vertrauensvoll und auf Augenhöhe abläuft, werden Eltern bislang insgesamt noch zu wenig in den Bildungs- und Erziehungsprozess in der Schule mit eingebunden. Andererseits erhalten Lehrerinnen und Lehrer wenig bis kaum Einblick in die familiäre Lebenswelt der Schülerinnen und Schüler. Insbesondere bei leistungsschwächeren Schülerinnen und Schülern und bei Eltern aus bildungsferneren Milieus gestaltet sich dieser Austausch oftmals schwierig.

Umfrage des BLLV

Eine vom BLLV im Februar durchgeführte Befragung zum Thema Zusammenarbeit mit den Eltern ergab, dass insbesondere Sprachbarrieren und kulturelle Unterschiede hier ein großes Hemmnis darstellen. Dies gilt es nach Ansicht aller an der Befragung teilgenommen Kolleginnen und Kollegen schnellstmöglich zu überwinden. Hierfür braucht es Zeit, Kommunikationsstrukturen, Unterstützung durch professionelles, externes Fachpersonal, Supervisionen, eine Kultur der Wertschätzung und der gegenseitigen Anerkennung u.v.m.

Dies bedeutet einen Perspektivwechsel zu vollziehen - sowohl auf Seiten der Lehrerinnen und Lehrer als auch der Eltern.

Eine erfolgreiche Zusammenarbeit im Sinne einer Bildungs- und Erziehungspartnerschaft zwischen Lehrkraft, Eltern und Kind fördert das gegenseitige Vertrauen, die Lernmotivation und schließlich auch den Lernerfolg der Schülerinnen und Schüler. Bildungs- und Erziehungspartnerschaften müssen etwas Selbstverständliches für alle Beteiligten werden.

Deshalb fordert der BLLV:

1. Mehr offizielle Zeitressourcen für die Kooperation mit den Eltern zur Verfügung zu stellen.

2. Schulentwicklungsprozesse dahingehend zu unterstützen, dass Eltern sich als ein aktives Mitglied der Bildungs- und Erziehungspartnerschaft erfahren können bzw. müssen.

3. Die verpflichtende Aus- und Weiterbildung im Bereich der Bildungs- und Erziehungspartnerschaften in allen drei Phasen der Lehrerbildung.