In der Schule geht zu viel Potential verloren

Ann-Sophie ist eine gute Schülerin. Trotzdem langweilt sie sich oft. Ihr geht es im Unterricht nicht schnell genug. Statt ihre Stärken zu zeigen, soll sie sich zurückhalten. Langsam verliert sie den Spaß an der Schule.

Ann-Sophie besucht die 6. Klasse eines Gymnasiums. Mit ihr sitzen noch 28 weitere Schülerinnen und Schüler in der Klasse. Viele von ihnen haben vor allem in den Fremdsprachen und in Mathe große Probleme, mitzukommen. Oft fragen sie nach, bei Übungsaufgaben brauchen sie viel länger, bis sie fertig sind. Die Lehrkräfte versuchen, auf die Schwächeren Rücksicht zu nehmen und geben mehr Zeit.

Wenn Ann-Sophie dann mit ihren Aufgaben fertig ist, wird ihr schnell langweilig. Manchmal fängt sie dann auch an, mit ihrer Nachbarin zu schwätzen. Die anderen fühlen sich dann gestört, die Lehrer ermahnen Ann-Sophie. So langsam verliert sie die Lust an Schule.

Ann-Sophie hat eine schnelle Auffassungsgabe, kann aus Rücksicht auf die Klasse ihr Potenzial aber nicht richtig entfalten. Sie verliert allmählich ihre Motivation.

Modularisierte Stundenpläne

Wenn in den Hauptfächern noch eine zweite Lehrkraft da wäre, dann könnte sie ihre Stärken besser zeigen. In einem differenzierten und modularisierten System wäre sie in ihren starken Fächern gefordert und in den schwächeren Fächern könnte sie gefördert werden. Immer alles im Gleichschritt macht es ihr schwer.

In Formen des offenen und projektorientierten Unterrichts könnte sie ihre Stärken besser einbringen. Projektorientierung und Differenzierung braucht zusätzliche Lehrkräfte und Absprache in der Kolleginnen und Kollegen untereinander. Ann-Sophie wird ihre Potenziale nur entfalten können, wenn Sie die Motivation an der Schule nicht verliert. Dies gelingt nur, wenn ihr individuelles Stärken- Schwächen-Profil im täglichen Unterricht beachtet werden kann.


* Name von der Redaktion geändert. Die hier beschriebenen Fallgeschichten sind fiktiv.