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Ehrlichkeit ist gefragt - Hektik, Misstrauen und Verschleierung nicht!

Am Tag, als der BLLV Ehrlichkeit, Transparenz und Rückendeckung fordert, gängelt das Kultusministerium Schulen u.a. mit der Dokumentation verpasster Lerninhalte. BLLV-Präsidentin Simone Fleischmann stellt in ihrem Kommentar klar: So nicht!

Hintergrund: Lehrerinnen und Lehrer an Grund- und Mittelschulen sind empört über
» kultusministerielle Schreiben zum Ende des laufenden und zur Organisation des neuen Schuljahres


Dazu BLLV-Präsidentin Simone Fleischmann:

Während der BLLV „Jetzt mal ehrlich!“ fordert und davon spricht, die auf der Straße liegenden Fragen nun ehrlich zu beantworten, so geht das Kultusministerium genau an diesem Tag mit mehrseitigen Schreiben für die Grund- und Mittelschule raus, um noch schnell vor Schuljahresende alles schön einzupacken.

Für das Kultusministerium ist dann alles ordentlich geregelt. Selbstverständlich darf das Lob am Anfang an die Schulfamilie nicht fehlen. Und dann kommt es knüppelhart: Was muss jetzt nicht noch schnell alles getan werden!

Selbstverständlich müssen Tests abgehalten werden. Selbstverständlich muss alles dokumentiert werden. Und selbstverständlich brauchen wir jetzt schon alle Pläne für September.

Lernziel Eigenverantwortung verfehlt

Klingt alles gut, und ist ja auch verständlich. Jetzt tragfähige Konzepte zur Organisation und Gestaltung des Lernens fürs neue Schuljahr vorzuhalten. Jetzt heißt aber: In der letzten Schulwoche. Jetzt heißt: Eine Lehrerkonferenz gleich morgen oder wie?

Außerdem: Meint das Kultusministerium eigentlich, dass wir nicht alleine drauf kommen würden, die Kompetenzen der Kinder zu analysieren und klar zu kommunizieren? Meint das Kultusministerium ernsthaft, dass wir nicht selber drauf kommen würden, uns über die Szenarien Gedanken zu machen und dies rechtzeitig? Schade, jetzt wird es deutlich: Vertrauen in die Kompetenz der Schulleitungen sieht anders aus!

Seltsame Mathematik: Lehrkräfte abziehen, wo ohnehin keine sind

Aber Hauptsache ein KMS: Dann ist alles geregelt und die Schulfamilie und die Politik glücklich. Wir Lehrerinnen und Lehrer und Schulleiterinnen und Schulleiter aber nicht!

An die ganze Schulfamilie natürlich! Damit alle alles wissen und alles gut ist! Das ist eben nicht ehrlich - denn wer weiß denn eigentlich in dieser Woche, welche Lehrerinnen und Lehrer er wirklich im September hat? Wer weiß denn, ob man eine Förderlehrkraft hat? Wer weiß denn jetzt, ob die Beratungsfachkräfte abgezogen werden können?

Und von den in den letzten Jahren üblich stattgefundenen Arbeitsgemeinschaften oder Differenzierungsstunden ziehen wir natürlich was ab für die Brückenangebote! Etwas abzuziehen, was nicht da ist? Kann mir einer sagen wie das gehen soll?

Und na klar darf im Religionsunterricht keine Mischung stattfinden!

Das machen einfach alles die Kolleginnen im Homeoffice

Dieser Haken ist ja sehr einfach zu setzen, der im Formular bei den Möglichkeiten immer vorne dran steht: Lehrkräfte, die nicht im Präsenzunterricht eingesetzt werden können, setzen dann natürlich die üppigen und perfekt vorgehaltenen digitalen Angebote um.

Das ist eben nicht ehrlich: Wer hat denn diese Möglichkeiten? Wo ist denn eigentlich schon eine perfekte Organisation des digitalen Angebots erreicht? Man schürt hier Erwartungen: Und genau diese können wir nicht erfüllen! Das geht ja gar nicht!

Das macht die Kolleginnen und Kollegen an den Grund und Mittelschulen vor Ort wütend. Mich enttäuscht es.

Erkannt ist nicht verstanden, behoben oder gar umgesetzt

Deshalb müssen wir uns bewusst machen: Wir machen genau das, was sinnvoll und für uns möglich ist, wie zum Beispiel eine vernünftige Übergabe der Schülerinnen und Schüler zu organisieren oder unsere Lehrpläne für das nächste Jahr so zu planen, dass wir auf die verschiedenen Szenarien vorbereitet sind.

Aber leider nichts verstanden. Nicht verstanden, dass manche wohl gemeinte und politisch absolut scheinbar notwendige Forderungen jetzt nicht in dieser Art und Weise aufs Papier gebracht werden können. Oder gilt hier einfach der Slogan: Hauptsache, das Kultusministerium hat es erkannt?

Was in der Realität passiert, ist doch ganz egal. Das darf doch wohl nicht wahr sein! Genau das meinten wir, als wir auf unserer Pressekonferenz sagten: Jetzt mal ehrlich!

Große Show für die Öffentlichkeit, großes Streichkonzert hinter den Kulissen

Und mal ganz am Rande: Das ist doch ein Armutszeugnis. Brückenangebote vorhalten. Andere Angebote streichen. Aber na klar nicht die der Integration, der Inklusion und der Digitalisierung. Diese Show muss weiter gespielt werden…

Als Schulleiterin weiß ich, dass in der letzten Schulwoche, und noch dazu in so einem Schuljahr wie diesem, ganz andere Themen anstehen, wie diese. Aber freilich müssen wir den Schein wahren und alles schön pronto machen für die Eltern, für die Öffentlichkeit und vor allem für die Politik!

Hauptsache: Der Schein ist gewahrt!

Rückendeckung, Transparenz, vernünftige Maßnahmen – jetzt!

Genau das ist es aber, was wir nicht brauchen. Wir brauchen Spielräume. Wir brauchen Rückendeckung. Und wir brauchen ehrliche Ansagen, dass es eben nicht funktioniert, all die überhöhten Erwartungen mit weit weniger Personal zu erfüllen.

Aber jetzt haben wir es schwarz auf weiß: Die beiden Krisen – der Lehrermangel und die Pandemie – prallen knallhart aufeinander. Und die Karre fährt an die Wand.

Aber: Der Schein ist gewahrt!

Nicht mit dem BLLV. Wir bleiben dran und sagen: So nicht, Herr Minister!

Wo bleiben die ehrlichen Zeichen für unsere Lehrkräfte, vor allem für die Schulleitungen, die Förder- und die Fachlehrkräfte? Waren das alles leere Versprechungen? Mit uns nicht!

<< kommentiert von BLLV-Präsidentin Simone Fleischmann
 

Am: 20.07.2020