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Lehrermangel an der Mittelschule Startseite
Bildungsqualität

Ein einfaches Gespräch hätte gereicht

Obwohl es insbesondere an der Mittelschule zu wenig Lehrer gibt, macht die Regierung von Oberbayern und das Schulamt erschreckend wenig, um engagierte Lehrkräfte zu halten, wie die Geschichte von Christian Hub zeigt.

 „Dass da niemand angerufen hat und mal gefragt hat: Was ist denn da gerade bei Dir los? Können wir mal über alles reden? Das hat mich sehr, sehr enttäuscht“, sagt Christian Hub. Nach 15 Jahren im Schuldienst beantragt der 48-Jährige aus Weilheim seine Entlassung ab dem Schuljahr 2020/21, die dann sang- und klanglos von statten geht. Und so sind die Mittelschulen, die ohnehin schon mit extremem Mangel an Lehrkräften kämpfen müssen, um einen Lehrer ärmer. Auf jede einzelne Lehrkraft käme es an - eigentlich.

 Dabei hat er sein Leben an der Mittelschule in Peißenberg eigentlich gemocht. Und er wäre dort auch sehr wahrscheinlich immer noch als Lehrer tätig, wäre das mit der Teilzeit-Abschaffung nicht gewesen. Als verbeamteter Lehrer arbeitete er in arbeitsmarktpolitischer Teilzeit.

Die politische Entscheidung, arbeitsmarktpolitische Teilzeit ab 2020/21 zu streichen und nur noch aus familiären Gründen zu genehmigen, verändert alles für Hub. Er hat keine Kinder, beantragt aber trotzdem weiterhin Teilzeit. 14 Stunden - und begründet das im Antrag damit, dass er mit dieser Anzahl am liebsten in die Schule geht und seine beste Leistung als Lehrer bringt.

 Hub wäre zu Kompromissen bereit gewesen

Der Antrag auf Teilzeit wird abgelehnt. Mindestens 24 Stunden müsse er arbeiten, stand noch im Brief. Hub ist nicht naiv und weiß, dass er das Recht nicht mehr auf seiner Seite hatte. Und ihm da keine Sonderrechte zustehen. Ein Gespräch hätte er sich trotzdem gewünscht. „Ich wäre durchaus zu Kompromissen bereit gewesen – es hätte halt nur jemand mal mit mir reden müssen“, erklärt Hub. Deshalb beantragt er die Entlassung.

 Und das war es dann für ihn mit der Schule. Aber nur mit der Staatlichen. Denn er arbeitet jetzt in einer Montessori-Schule und schwärmt von seinen dortigen Arbeitsbedingungen. Von kleineren Klassen, engem, pädagogisch-freundschaftlichem Kontakt mit den Kindern. Freiheit, um mit den Kindern Projekte umzusetzen, die vielleicht nicht gerade exakt in den Lehrplan passen, aber umso besser in die Entwicklungs- und Interessenlage der Kinder.

An der Privatschule ist Hub im Moment „so zufrieden wie nie“

Ein bisschen vorsichtig erzählt er davon, ein bisschen ungläubig, als würde er seinem Glück noch nicht richtig trauen. „Vielleicht habe ich gerade auch extremes Glück mit meinen Klassen. Aber im Moment bin ich als Lehrer so zufrieden wie nie.“

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