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„Eiskanal“ statt Abstand halten? Startseite

Gesundheitsschutz geht vor, Lüften ist nur Notlösung

Abstand ist der beste Corona-Schutz, sagen Experten. An Schulen würde das Klassenteilung bedeuten. Weil dafür Lehrkräfte fehlen, heißt es nun Fenster auf, Lüftungsgeräte her, wie die FAZ berichtet. Für BLLV-Präsidentin Fleischmann eine Notlösung.

Seit Corona im Frühjahr das alles beherrschende Thema wurde, hat sich der wissenschaftliche Erkenntnisstand, welche möglichen Maßnahmen wie wirksam sind, stetig weiterentwickelt. Doch in einer Sache waren und sind sich Virologen durchgehend einig: Abstand halten schützt am besten. Trotzdem setzt die Politik an den Schulen derzeit vor allem aufs Lüften, wie auch die Frankfurter Allgemeine Zeitung heute berichtet.

Für BLLV-Präsidentin Simone Fleischmann gibt es dafür einen ebenso einfachen wie problematischen Grund: „Das Lüften hat nur so eine Bedeutung bekommen, weil in den Klassenzimmern der Abstand nicht eingehalten werden kann, weil es zu große Klassen gibt, weil man zu wenige Lehrkräfte hat“, sagte sie der FAZ. So finde Unterricht jetzt in der kalten Jahreszeit bei offenem Fenster „im Eiskanal“ statt.

Lüfter haben Lieferzeit, Lehrer ein Studium

Weil frierende Kinder und Lehrkräfte aber kein gutes Licht auf die Verantwortlichen werfen, stehen jetzt eben Lüftungsgeräte, bei denen die Klassenzimmer nicht gleich zu Eiskanälen werden, hoch im Kurs: mit 37 Million Euro, um genau zu sein. Diesen Betrag hat die Staatsregierung für die Anschaffung, auch von CO2-Messgeräten, bereitgestellt. Denn auf die muss man zwar unter Umständen „ziemlich lange“ warten, wie die FAZ schreibt, aber eben nicht ganz so lange wie auf neue Lehrkräfte.

Indes wird die Politik, kürzlich in seiner Pressekonferenz auch Ministerpräsident Markus Söder, nicht müde zu betonen, dass die Stellen für neue Lehrerinnen und Lehrern ja da seien. Das hilft den Kolleginnen und Kollegen, die vor Ort darum kämpfen, bei chronischer Unterbesetzung Bildung und Corona-Schutz bei akutem Mangel von Menschen, die das alles umsetzen, unter einen Hut zu bringen, aber wenig. Darum hat der BLLV in seiner Pressekonferenz Anfang Oktober den Zustand an Schulen als „Notbetrieb“ beschrieben. Dem zustimmen wollen nicht alle, besonders nicht die Verantwortlichen.

Recherche zeigt: Notbetrieb stimmt!

Doch die FAZ betitelt ihren Bericht heute nicht zufällig „Schule im Notbetrieb“. Die Zeitung hat die Pressekonferenz des BLLV begleitet und die zahlreichen Gründe, die die BLLV-Vertreter Tomi Neckov und Margit Nothhaft-Buchner im Namen von Schulleitungen dafür anführten, unabhängig nachrecherchiert. Das Ergebnis: „Ihre Darstellungen decken sich mit denen andere Lehrer und Schulleiter, die der FAZ Einblicke in ihren Unterrichtsalltag gewährt haben“, heißt es im Artikel.

Auch dort ist von fehlendem Ersatz für krankheitsbedingte Ausfälle und damit Unterrichtsausfall die Rede, von der fehlenden Option, Klassen zu teilen, von Reibungen bei der Durchsetzung der Maskenpflicht. Dahinter stets die bange Frage: „Sind alle gesund?“, wie ein Schulleiter zitiert wird.

Unterricht live nur bei maximalem Gesundheitsschutz aller

Dass dies die entscheidende Frage sowohl für Kinder und Jugendliche ist, wie auch für die Lehrkräfte, die diese unterrichten und dabei möglicherweise ein erhöhtes Gesundheitsrisiko tragen, das hat BLLV-Präsidentin Simone Fleischmann in ihrem Live-Kommentar zur Pressekonferenz im Anschluss an die Kabinettssitzung betont: „Wenn Schulen so lange offen bleiben sollen wie nur möglich, und wenn sie nach einem möglichen Lockdown so schnell wieder öffnen sollen wie möglich, dann müssen wir alles tun, dass dort der Gesundheitsschutz Topthema Nummer 1 ist!“, stellte Fleischmann klar.

In eben jener Pressekonferenz hatte Markus Söder den Lehrermangel schon eingestanden – wenn auch mit dem Verantwortlichkeit verschleiernden Hinweis auf vorhandene Stellen – und dabei sogar eingeräumt, dass Lehrerinnen und Lehrern dadurch während Corona „besonders belastet“ sind. Diese Ehrlichkeit hatte der BLLV vom eigentlich zuständigen Kultusminister lange vergeblich gefordert.

Faire Bezahlung macht den Job attraktiv

Dafür legte dieser jetzt mit einer Ansage nach, die tatsächlich helfen könnte, um dem Lehrermangel nachhaltig entgegenzuwirken: Er werde sich mit großem Nachdruck dafür einsetzen, dass auch Lehrkräfte an Grund- und Mittelschulen die Eingangsbesoldung A13 bekommen, man „müsse beim Koalitionspartner noch Überzeugungsarbeit leisten“, schreibt die FAZ.

Das würde in der Tat deutlich mehr bringen als einmalige Prämienzahlungen, die schlimmstenfalls Unfrieden stiften. Denn würde diese langjährige Forderung des BLLV Wirklichkeit, dann wäre in einem Pandemiekontext vielleicht tatsächlich Unterricht in kleineren Gruppen und mit dem virologisch so wichtigen Abstand möglich und, man stelle sich vor, bei Ende der coronabedingten Vorgaben, vielleicht auch Unterricht, in dem Kinder und Jugendliche durch Team Teaching und Multiprofessionalität gemäß ihrer persönlichen Stärken und Schwächen individuell begleitet, gecoached und gefördert werden können, in dem sie ganzheitliche Bildung mit Herz, Kopf und Hand erfahren ...

» zum Artikel der FAZ „Schule im Notbetrieb“ (kostenpflichtig)

» Pressemitteilung des BLLV: "Anerkennung ist gut, Zeit wäre besser, Gesundheitsschutz ist am wichtigsten!"
 



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