Kommentar Startseite Topmeldung geparkt 2

Handeln ist angesagt

Wo die Schwächen des Bildungssystems liegen, ist klar, meint Fritz Schäffer, BLLV-Abteilungsleiter für Schul- und Bildungspolitik. Doch mangelt es von seiten der Politik daran, Reformen beherzt anzugehen!

Wieder einmal appellieren renommierte Pädagogen und prominente Vertreter der Bürgergesellschaft für eine tiefgreifende Reform des Bildungssystems, wie etwa in einem aktuellen Spiegel-Artikel. Damit der Forderung nach einer neuen Lernkultur, wie sie der BLLV seit Jahren fordert, Rechnung getragen wird, muss die Dominanz von Fachinhalten und die oftmals noch zu starre Trennung der Fächer aufgebrochen werden, Noten ihre alles überragende Bedeutung verlieren. Stattdessen brauchen wir eine Rückmeldekultur, in der es weniger um justiziabel begründete Urteile als um konkrete und individuelle Lernentwicklung geht.

Bildung ist mehr als Digitalisierung

Viele Lehrkräfte und ganze Schulen haben sich schon längst auf diesen Weg gemacht. Nicht nur die Preisträgerschulen des Deutschen Schulpreises beweisen dies Jahr für Jahr aufs Neue. Aber es reicht eben nicht, wenn vereinzelt aus eigener Initiative Reformen vorangetrieben werden. Vielmehr muss auch der systemische Rahmen hier zu passen. Hier steht die Bildungspolitik in der Verantwortung.

Bildung neu denken ist mehr als Digitalisierung. Dies fängt bei einer zeitgemäßen Lehrerbildung an, geht über zu wesentlich mehr Eigenverantwortung für die einzelne Schule und endet noch nicht bei der Reform der selektiven Schulstruktur. Auch die Verteilung der Ressourcen - überwiegend nach dem Gießkannen-Prinzip - muss auf den Prüfstand.

Irgendwann muss die Politik eben den ersten Schritt gehen!

All dies erfordert Mut, dauert Zeit und muss in sich stimmig sein. Das geht nur in kleinen Schritten. Aber irgendwann muss die Politik eben den ersten Schritt gehen. Denn die Alternative ist, dass wir zwar beinahe im Wochentakt Appelle und Initiativen aus der pädagogischen Fachwelt ebenso wie der interessierten Öffentlichkeit für einen grundlegenden Umbau unseres Bildungssystems vernehmen, jedoch die Besitzstandswahrung und das Beharrungsvermögen das System immer weiter veralten lassen.

Wir haben kein Erkenntnisproblem, sondern ein Handlungsdefizit. Es ist höchste Zeit, Reformen beherzt anzugehen!

>> Kommentar von Fritz Schäffer, BLLV-Abteilungsleiter Leiter Schul- und Bildungspolitik

Der Spiegel-Artikel: "Bildung nach Corona: Forscher fordern neues Verständnis von Lernen - jenseits von Abschlüsse" zum Nachlesen

 

Weitere Informationen:

Sieger Deutscher Schulpreis 2020: Grundschule in Hannover überzeugt dank besonderem Inklusionskonzept.Ob mit oder ohne Behinderung: In der Otfried-Preußler-Grundschule lernen alle Kinder gemeinsam und das auch ohne Noten.

Kommentar von Birgit Dittmer-Glaubig, BLLV-Abteilungsleiterin Berufswissenschaft, zum KM-Schreiben zur Änderungen der Schulordnung für die Mittelschule und den Zeugnissen: Erfolgreiche Schritte in Richtung eines neuen Leistungsbegriffs.

Bildungsforschern Sylvia Beutel und Anand Pant: Neuer Leistungsbegriff statt reiner „Kernfachlogik“

Diskussionsrunde: Es ist Zeit, Leistung neu zu definieren - Corona stellt den Umgang mit Leistung in Frage.

Nichts ist aktueller als ganzheitliche Bildung: Simone Fleischmann zu Learnings aus der Corona-Krise.

BLLV-Dossier zum Leistungsbegriff

 

 

Am: 08.10.2020