Kommentar 22.02.2021 Startseite kleinDistanzunterrichtDigitalpakt

IT-Beschaffung an Schulen

Niemand hat es leicht in diesen Monaten der Pandemie. Die mangelnde digitale Ausstattung an den Schulen wird immer wieder bemängelt und durch die Medien geistern die Nachrichten, dass die Gelder zwar bereitgestellt aber nicht abgerufen wurden.

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Wenn unser Kultusminister dann auch noch in großen Zeitungen zitiert wird mit der Aussage, dass genügend Leihgeräte für Schülerinnen und Schüler vorhanden seien und Eltern bei Bedarf nur bei der Schulleitung anrufen müssten, so werden Erwartungen geweckt, die leider vielerorts nicht erfüllt werden können.

Denn die Beschaffung von digitalen Endgeräten bereitet so einige Schwierigkeiten.

Verbandsinterne Abfragen in allen Regierungsbezirken und ergänzende regionale repräsentative Befragungen ergaben ein klares Fazit:

  • Es gibt erhebliche Lieferverzögerungen und vielerorts reichen die Geräte nicht aus. Der Markt für Endgeräte ist schlichtweg zusammengebrochen, die Preise teilweise in exorbitante Höhen gestiegen.
    Fakt ist, dass Tausende der bisher angeforderten Endgeräte nach wie vor fehlen. Hinzu kommt, dass die bestehenden Abfragen über die tatsächlichen Rahmenbedingungen in vielen Familien hinwegtäuschen, weil oft nur das Smartphone eines Elternteils, teils sogar für mehrere Geschwister, zur Verfügung steht und die Schüler dennoch als „versorgt“ gelten oder erst allmählich weitere Anträge gestellt werden. Völlig unberücksichtigt bleibt, ob und in welcher Bandbreite die Familien Internet/W-LAN zur Verfügung haben.
  • Wenn manche Sachaufwandsträger unkonventionellere Wege gehen, werden Schulen mitunter schneller versorgt. Städte und größere Gemeinden sind jedoch abhängig von unterschiedlichen personellen Ressourcen ihrer IT-Abteilungen sowie bestehenden Rahmenverträgen und zudem sehr unterschiedlich gut organisiert. Teilweise werden vorhandene Ressourcen nicht durchgehend bedarfsgerecht verteilt.
  • Der bürokratische und zeitliche Aufwand für Sachaufwandsträger und Schulleitungen bezüglich Beschaffung und Finanzierung ist immens und sehr anspruchsvoll. Vor allem durch die meist nötigen Ausschreibungen bei größeren Gemeinden und Städten kommt es zu Komplikationen und Verzögerungen. Einige Gelder werden wegen kleiner Fehler bei der Vergabe gar zurückgefordert. Die oft versprochenen unbürokratischen Wege gibt es nicht!
  • Es gibt noch immer erhebliche Lücken in der W-LAN-Versorgung der Schulen. Zu geringe Bandbreiten und fehlender Jugendschutz sind zudem keine Ausnahmen.

Unter diesen Bedingungen ist es unmöglich, die Potenziale der vorhandenen digitalen Tools im Distanzunterricht wie auch im Wechselunterricht und in der Notbetreuung auszuschöpfen und insbesondere dafür zu sorgen, dass die Schülerinnen und Schüler aus sozial benachteiligten Familien nicht allzu sehr abgehängt werden. Ergänzend sind dazu u. a. extrem zeitaufwändige Telefonate nötig, offenbar selbstverständlich vom privaten Anschluss aus und auf eigene Kosten. Dieses wird aber in der Öffentlichkeit weder als zeitgemäß anerkannt noch vom Dienstherrn als tatsächliche zusätzliche Arbeitsbelastung berücksichtigt.

Es würde sowohl den Lehrkräften als auch den Schulleitungen und Sachaufwandsträgern das Leben sehr erleichtern, wenn in den Medien künftig ein realistisches Bild von den tatsächlichen Rahmenbedingungen gezeichnet werden würde, damit in der Öffentlichkeit, insbesondere bei den Eltern, keine unrealistischen Erwartungen an das geweckt werden, was Schulen und Kommunen aktuell leisten können. Ferner wären wirklich unbürokratische Verwaltungsabläufe bezüglich der Beschaffung und Finanzierung von digitalen Endgeräten und Lehrerdienstgeräten ein vielfacher Gewinn für die Schulen – auch über die Pandemiesituation hinaus.

>> Ein Kommentar von Antje Zeisler, stv. Bezirksreferentin der Abteilung Schul- und Bildungspolitik Oberbayern und Martin Göb-Fuchsberger, Bezirksreferent der Abteilung Schul- und Bildungspolitik des MLLV