Erneut schwappt ein Tiktok-Trend in die Schulen und wirft Fragen auf: Seit Schauspieler Ryan Reynolds von einem britischen Start-up Gründer auf einer Digitalmesse in Hamburg einen aromatisierten Zahnstocher angeboten bekam und diesen vor laufenden Kameras überschwänglich lobte, ist das Herumkauen darauf bei Kindern und Jugendlichen schwer angesagt. Verstärkt wurde das noch durch die Fernseh-Show “Die Höhle der Löwen”, bei der eine Viertelmillion Euro in die Idee investiert wurden.
Von Nikotin war dabei aber noch keine Rede, denn zunächst ging es nur um Frucht- und Minzgeschmack. Doch inzwischen gibt es immer mehr TikTok-Clips, in denen mit Nikotin versetzte Zahnstocher im Mittelpunkt stehen, die eigentlich als Entwöhnungsmethode für Raucher gedacht waren. Inzwischen sind sie aber Einstiegs-Suchtmittel für Kinder und Jugendliche.
Nikotin-Zahnstocher: Tiktok-Trend fordert Schulen heraus
Nikotinhaltige Zahnstocher sind von "normalen" nicht zu unterscheiden. Deswegen hat eine Münchner Schule mit einem generellen Verbot auf den TikTok-Trend reagiert. BLLV-Präsidentin Fleischmann befürwortet das und betont: „Schule ist ein Schutzraum!“
Ob mit oder ohne Nikotin ist erstmal nicht ersichtlich
Das Problem an Schulen: Optisch ist nicht zu unterscheiden, ob die Zahnstocher, die Schülerinnen und Schüler immer häufiger auch im Schulgebäude im Mundwinkel hängen haben, nur aromatisiert sind oder auch Nikotin enthalten.
Daher hat eine Münchner Realschule nun als erste reagiert und ein generelles Zahnstocher-Verbot ausgesprochen, wie der Bayerische Rundfunk berichtete. BLLV-Präsidentin Simone Fleischmann sagte dem BR, dass derzeit noch nicht erkennbar ist, wie stark der Trend an Schulen schon ist. Im Verband sei es zwar in Einzelfällen schon Thema, aber durch die enorme mediale Aufmerksamkeit könne auch ein “Henne-Ei-Problem” bestehen.
Gesundheitsschutz hat oberste Priorität
Die Reaktion der Münchner Realschule ist aus Fleischmanns Sicht jedenfalls pädagogisch richtig, wie sie gegenüber der Bild-Zeitung erläutert: “Wir als Verband empfehlen betroffenen Schulen, ein grundsätzliches Verbot auszusprechen. Wir als Lehrer müssen bei solchen Entwicklungen dagegenhalten.”
Schülerinnen und Schüler müssen vor den Gefahren durch Nikotin geschützt werden, das in Zahnstochern in einer Menge enthalten ist, die etwa einer halben Zigarette entspricht. “Schule ist ein Schutzraum”, betont die BLLV-Präsidentin daher und setzt dabei auf Zusammenarbeit mit dem Elternhaus: “Da müssen wir auch gemeinsam mit den Eltern an einem Strang ziehen.”
>> Bayerischer Rundfunk: “TikTok-Trend führt zu Zahnstocher-Verbot an Münchner Schule”
>> Bild: “Warum der neue Trend Lehrern nicht schmeckt: Schule verbietet Schülern Zahnstocher”
UPDATE: Weitere Medienberichte
BLLV-Präsidentin Simone Fleischmann im Wortlaut in der Mittelbayerischen Zeitung:
Bayernweit und über alle Schularten würden Zahnstocher gesichtet, sagt Simone Fleischmann, Präsidentin des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbands (BLLV). Man dürfe vom Beispiel der Carl-von-Linde-Realschule nicht ableiten, dass das Problem nur München oder nur bestimmte Schulformen betreffe. „Rosenheim ist so gefährdet wie Ingolstadt“, sagt Fleischmann.
Alarmismus ist aus Fleischmanns Sicht aber auch nicht angebracht: „Es ist ein Thema“, sagt sie über Nikotinzahnstocher – „wir brauchen aber auch keinen Ministerialerlass“. Im Gespräch mit Medien hatte sie mehrmals die Frage aufgeworfen, ob es sich ein Stück weit um ein “Henne-Ei-Problem” handeln könnte: Medien berichten, Lehrer werden aufmerksam. Mit dem Verbot habe die Münchner Schule jedenfalls die richtige Entscheidung getroffen, sagt Fleischmann der Mediengruppe Bayern. Schule müsse Kinder und Jugendliche vor Drogen, Nikotin und jeder Art von Suchtstoffen schützen.