Lehrermangel: Weit und breit kein Nachwuchs zu sehen
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Ohne Referendariat vor die Klasse?

BEFRISTUNGEN - Mit Beginn der Sommerferien macht die „saisonale Arbeitslosigkeit“ von Lehrern bundesweit Schlagzeilen. Mehrere tausend befristet angestellte Lehrer melden sich für die Monate Juli/August arbeitslos. Auch in Bayern gibt es Betroffene.

Auf den ersten Blick stellt sich die Situation in Bayern nicht so gravierend dar: "Aktuell werden wieder Stellen zum 10. September ausgeschrieben", erklärt BLLV-Vizepräsident und stellvertretender Vorsitzender des Hauptpersonalrats Gerd Nitschke. "Diese Verträge gelten für ein Jahr, die Sommerferien sind darin inbegriffen."

Eine kleine Gruppe trifft die Sommerarbeitslosigkeit aber doch. "Wer zum Halbjahreswechsel oder mitten im Schuljahr eingestellt wird, erhält einen befristeten Vertrag bis Schuljahresende", sagt Nitschke. Die Rede ist von Vertretungslehrer/innen, die zur Überbrückung von Eltern- und Krankenzeiten anderer Kolleg/innen an die Schulen geholt werden.

Die nächste absehbare Welle kurzfristiger Einstellungen steht zum Zwischenzeugnis im Februar 2019 bevor: "Dann geht der nächste Pensionistenjahrgang in den Ruhestand", sagt Nitschke. Auch diese frei gewordenen Stellen würden bis Schuljahresende zunächst mit befristeten Vertretungslehrer/innen besetzt.

Die Note entscheidet

Der Grund für die Befristungen liegt im Leistungsgrundsatz, der im Schuldienst gilt: Wer die vom Kultusministerium jedes Jahr neu berechnete Staatsnote in seinem Fach und für seine Schulart erreicht, erhält eine Festanstellung im Beamtenverhältnis. Wer nicht, rückt auf die Warteliste fürs kommende Einstellungsjahr oder kann sich auf eine Stelle als Vertretungslehrer bewerben.

Nitschke spricht von "Lückenbüßern". Zwar seien die Schulen zur Überbrückung von Lehrerengpässen kurzfristig auf diese angewiesen. Zur langfristigen Stellenbesetzung würde man aber grundsätzlich diejenigen Junglehrer/innen vorziehen, die die Staatsnote in ihrem Fach und für ihre Schulart erreichen.

"Geld macht keinen Unterricht. Wir brauchen Lehrerinnen und Lehrer." BLLV-Präsidentin Simone Fleischmann kommentiert die Unterrichtsplanung des Kultusministeriums im Bayerischen Fernsehen, Rundschau vom 25.07.2018, 18.30 Uhr >> zum Podcast

 

Nach sechs Semestern an die Schule?

Das eigentliche Problem liegt für Nitschke, der auch stellvertretend im Vorstand der Grund- und Mittelschullehrer beim Kultusministerium tätig ist, woanders: Über die Praxis der kurzfristigen Verträge kommen auch immer mehr in Unterrichtsverantwortung, die entweder keine oder keine abgeschlossene Lehramtsausbildung haben. Allein im Bezirk Oberbayern wurden fürs laufende Schuljahr 23 angehende Lehrer/innen direkt nach dem 1. Staatsexamen und 25 Studierende aus höheren Semestern eingestellt.

"Diese arbeiten dann schon vor Beginn ihres Referendariats als Lehrer, verfügen also über keine praktische Ausbildung", erklärt Nitschke. Das gehe sogar so weit, dass manche der "Früheinsteiger" erwarteten, dass ihre Unterrichtstätigkeit auf ihr Referendariat angerechnet werde. Eine vergleichbare Ausbildungsqualität ist so nicht zu halten.

Engmaschige Begleitung für "Früheinsteiger"

Zwar werden diese sogenannten Exaministen überwiegend als Mobile Reserven eingesetzt, Noten geben, Zeugnisse schreiben oder Klassenleitungen übernehmen dürfen sie aber nicht.Dennoch handelt der Hauptpersonalrat mit dem Kultusministerium gerade weitere Kriterien für den Einsatz aus:

1) Exaministen dürfen nur kurzfristig eingesetzt werden.
2) Die Schulleitungen werden von den Schulämtern über deren Ausbildungsstand informiert.
3) Einführungsgespräche durch Seminarleiter, Betreuungslehrer oder erfahrene Lehrkräfte.
4) Exaministen wird eine erfahrende Lehrkraft zur Seite gestellt. 5) Hospitationen bei erfahrenen Lehrkräften.
6) Schulamt oder Schulleitung führen Beratungsbesuche im Anschluss an den Unterricht durch

                                                                                                                                                       sha

 

Hintergrund

Auch in Bayern ist die Zahl der befristeten Verträge gestiegen. Waren 2012 etwas mehr als 6000 Kolleg/innen befristet angestellt, stieg die Zahl 2016 auf knapp 7000 Betroffene. Aktuellere Zahlen gibt es derzeit nicht. Besonders betroffen sind Lehrkräfte an Gymnasien, Real- und beruflichen Schulen. Zum Beispiel an Realschulen hat die Praxis, Lehrer/innen befristet auf zwölf oder sechs Monate anzustellen, jeweils um rund die Hälfte zugenommen.

Mitte Juli wurde das Thema der befristeten Lehrverträge im Bildungsausschuss im Landtag verhandelt. Eine Woche später versprach Kultusminister Bernd Sibler auf einer Pressekonferenz des Ministeriums ein Sonderprogramm für Vertretungslehrer/innen, die sich nach mehrjähriger Aushilfstätigkeit für eine Festanstellung im Beamtenverhältnis qualifizieren wollen. Zuvor müssten allerdings noch dienstrechtliche Fragen geklärt werden.

>> zur Pressemitteilung des BLLV: Bildungsauftrag nicht gefährden - 23. Juli 2018